{"id":1057,"date":"2015-06-30T14:49:01","date_gmt":"2015-06-30T13:49:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=1057"},"modified":"2015-06-30T14:49:11","modified_gmt":"2015-06-30T13:49:11","slug":"woran-ich-schreibe-nicht-ohne-hassan","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=1057","title":{"rendered":"Woran ich schreibe &#8230; nicht ohne Hassan!"},"content":{"rendered":"<p>Die Wochen sind dahingeflogen. Lange war ich nicht mehr\u00a0auf dem Blog, und das ausgerechnet nach dem letzten Suizid-Hassan. Aber ich lebe noch! Und zwar ziemlich unspektakul\u00e4r. Fahre morgens nach Dahlem raus, wo die Uni ist, versuche Hegel und Schelling zu lesen und spiele Sudoku und Spider Solit\u00e4r, h\u00f6re mir Vorlesungen \u00fcber die Apokalypse an (sehr bald, sagen fast alle, und das zu allen Zeiten), trinke\u00a0lecker Mensa-Kaffeeeisbrei (mit extra Sahne) und sitze bis abends an einem Computer in der Bibliothek.<\/p>\n<p>Um zu schreiben, nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>An ganz verschiedenen Romanen.<\/p>\n<p>Na gut, es sind eigentlich zwei Romane. Der eine fiel mir ein wie ein Lichtstrahl, ich gl\u00fchte regelrecht vor Vorfreude, mich an die Arbeit zu machen.\u00a0Mir kamen\u00a0bei der Planung\u00a0so viele Ideen, wie ich ihn\u00a0optimieren k\u00f6nnte, wie ich ihn EIGENTLICH schreiben m\u00fcsste, dass ich am Ende gar nicht mehr wusste, worum es eigentlich geht.\u00a0Als ich\u00a0die vermeintliche Essenz der Geschichte in ein perfekt angepasstes Kleid eingearbeitet hatte,\u00a0war ein\u00a0neues Gebilde entstanden. Eine\u00a0penible Allegorie, die vor Starrheit kaum noch lebte.<\/p>\n<p>Ich begann sie zu schreiben. Es f\u00fchlte sich recht m\u00fchselig an.<\/p>\n<p>Schreiben war f\u00fcr mich nie ein Beruf, sondern immer eine Fluchtwelt vor der Arbeit, der ich mich eigentlich widmen sollte. Daher dr\u00e4ngte sich mir just in dieser Zeit eine andere Geschichte auf, die mir schon l\u00e4nger durch den Kopf spukte. Vielleicht war das DIE Idee\u00a0&#8211;\u00a0das gro\u00dfe, fulminante, alle Hoffnungen, der Autor zu sein, der ich sein m\u00f6chte, ein f\u00fcr allemal best\u00e4tigende WERK. Wer schreibt, wei\u00df, wovon ich phantasiere.<\/p>\n<p>Leider werde ich diese in Stein gemei\u00dfelte, bzw. in Worten manifestierte schriftstellerische Selbstbest\u00e4tigung wohl niemals erreichen. Ein Ideal haben hei\u00dft, f\u00fcr immer in der Ann\u00e4herung zu strampeln und sich dabei\u00a0m\u00f6glichst wenig peinlich anzustellen.<\/p>\n<p>Als ich das Schreiben abbrach und\u00a0mich stattdessen an die Ausarbeitung der zweiten Idee machte (das WERK), f\u00fchlte ich mich aber bald so \u00fcberfordert von meinem Anspruch, Gott und die Welt in einer komplex und faszinierend gefalteten Geschichte fassbar zu machen, dass ich wieder zur\u00fcckfl\u00fcchtete in die erste Idee, wie sie urspr\u00fcnglich war.<\/p>\n<p>Ich habe den Kopfsprung gewagt.\u00a0Jetzt bin ich etwa 40 Seiten\u00a0drin. Ich muss sagen, es\u00a0macht\u00a0gro\u00dfes Vergn\u00fcgen. Weil ich noch nicht genau wei\u00df, wie die Figuren sich entwickeln werden. Eine Figur mag ich sehr gerne, die andere macht schlimme Dinge, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sie doch noch zur Einsicht kommen wird.<\/p>\n<p>Sobald ich mehr wei\u00df, mache ich weitere diffuse Andeutungen. Und sobald feststeht, ob und wenn ja, wo die Geschichte irgendwann zu lesen sein wird, gebe ich das nat\u00fcrlich auch bekannt.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit gr\u00fcbele ich weiter, was die bessere Methode ist: sich intuitiv und dem Gef\u00fchl nach in Geschichten versenken oder durch akribische Planung, durch ein steinhartes Konzept nach den Kirschen der Kunst greifen. Einerseits glaube ich, dass man sich \u00fcberfordern und die Gefahr eingehen muss,\u00a0sich schrecklich zu blamieren (kein Ideal ohne Erniedrigung), denn wer nicht nach H\u00f6herem strebt, kreist nur um sich selbst. Andererseits darf man nicht mit zu viel Zwang an die Sache rangehen, denn ein Werk, das der Autor vollst\u00e4ndig durchleuchtet hat, wird nicht zu Leben erwachen. Unter euch sind doch auch ein paar Schreiber &#8211; wie geht ihr vor?<\/p>\n<p>Zum Schluss ein neuer Hassan-Comic. Denn Schreiben mag Fluchtwelt sein, Hassan\u00a0ist Pflicht!<\/p>\n<p>Zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte anklicken. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Hassan-Merkel.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-1060\" src=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Hassan-Merkel-500x264.jpg\" alt=\"Hassan-Merkel\" width=\"705\" height=\"372\" srcset=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Hassan-Merkel-500x264.jpg 500w, http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Hassan-Merkel-1024x541.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 705px) 100vw, 705px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wochen sind dahingeflogen. Lange war ich nicht mehr\u00a0auf dem Blog, und das ausgerechnet nach dem letzten Suizid-Hassan. Aber ich lebe noch! Und zwar ziemlich unspektakul\u00e4r. 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