{"id":1079,"date":"2015-08-12T19:13:11","date_gmt":"2015-08-12T18:13:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=1079"},"modified":"2015-08-12T19:13:11","modified_gmt":"2015-08-12T18:13:11","slug":"sommerbrut-ein-gedicht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=1079","title":{"rendered":"Sommerbrut (ein Gedicht)"},"content":{"rendered":"<p>Manche Gedichte brauchen Wochen, Monate oder Jahre, bis die letzten zwei Worte gefunden sind, die wie unentbehrliche Schrauben die Maschine zum Laufen bringen. Monatelang hat folgendes Gedicht in meiner Schublade gewartet, bis es sich endlich fertig anf\u00fchlte: wie ein Strau\u00df gepresster Wildblumen, wild durcheinander duftend und zerfallend in Kr\u00fcmel getrockneter Sehnsucht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit Federgras Gemalter, gedeihst im Verderb,<\/p>\n<p>dir steht der Sinn nach dem Ru\u00df des Sommers.<\/p>\n<p>Besch\u00f6nigt wirst du vom Weidengefl\u00fcster,<\/p>\n<p>von Schatten in Splittern, die auf dem Weiher<\/p>\n<p>als kosende Zeit wie gerupfte Bl\u00fcten in Kreisen treiben.<\/p>\n<p>Du singst als Gemahl der Grillen vom Immer,<\/p>\n<p>wo doch jeder au\u00dfer den Tieren wei\u00df,<\/p>\n<p>dass in allen Momenten das Sterben bleibt.<\/p>\n<p>Wie Spinnenf\u00fchler, so z\u00f6gernd und gierig, sch\u00f6pfen<\/p>\n<p>deine Finger vom Himmel einen Schimmer Feuchtigkeit.<\/p>\n<p>Lass mich schrumpfen, um vom Trinken aus den Rillen<\/p>\n<p>deiner Haut am Leben teilzunehmen. In der Wiege<\/p>\n<p>meiner Stimme werde ich dein Gewissen sein:<\/p>\n<p>W\u00f6rter sind keine leeren H\u00fclsen, sie tragen<\/p>\n<p>den Pollen der Wirklichkeit. Schw\u00f6rst du vom L\u00fcgen ab,<\/p>\n<p>will ich dir glauben mit der Liebe einer Amsel,<\/p>\n<p>ganz Achtsamkeit im Atemlosen, zitternd am Zweig<\/p>\n<p>und laubgekr\u00f6nt.\u00a0Da hast du mich, so federglatt,<\/p>\n<p>getropft als Fl\u00f6ckchen aus kommender Nacht,<\/p>\n<p>um in deinem Gemurmel zu schmelzen.<\/p>\n<p>Mein Priester im Kleid aus kichernden Steinen,<\/p>\n<p>stehst in geballter K\u00fchle unterm Rosengezweig.<\/p>\n<p>Blaues Licht badet dich, kein Fl\u00fcgelgewicht<\/p>\n<p>eines Sonnenflecks f\u00e4ngt dein Gesicht. Heliotropen,<\/p>\n<p>wie M\u00e4uler, deren Z\u00e4hne gezogen, atmen dich an<\/p>\n<p>mit zersprenkeltem Zucker, der in die Hitze<\/p>\n<p>meines alternden Abends schneit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Habt ihr euch in letzter Zeit auch lyrisch bet\u00e4tigt? Schreibt mir eure Gedichte in die Kommentare!<\/p>\n<p>Eure Jenny<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manche Gedichte brauchen Wochen, Monate oder Jahre, bis die letzten zwei Worte gefunden sind, die wie unentbehrliche Schrauben die Maschine zum Laufen bringen. Monatelang hat folgendes Gedicht in meiner Schublade gewartet, bis es sich endlich fertig anf\u00fchlte: wie ein Strau\u00df gepresster Wildblumen, wild durcheinander duftend und zerfallend in Kr\u00fcmel getrockneter Sehnsucht. &nbsp; Mit Federgras Gemalter, gedeihst im Verderb, dir steht der Sinn nach dem Ru\u00df des Sommers. Besch\u00f6nigt wirst du vom Weidengefl\u00fcster, von Schatten in Splittern, die auf dem Weiher als kosende Zeit wie gerupfte Bl\u00fcten in Kreisen treiben. Du singst als Gemahl der Grillen vom Immer, wo doch jeder au\u00dfer den Tieren wei\u00df, dass in allen Momenten das Sterben&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1079"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1079"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1079\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1084,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1079\/revisions\/1084"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1079"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1079"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1079"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}