{"id":1194,"date":"2017-05-07T11:19:20","date_gmt":"2017-05-07T10:19:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=1194"},"modified":"2017-05-07T11:19:20","modified_gmt":"2017-05-07T10:19:20","slug":"keine-lust-auf-schreiben-soll-man-sich-zwingen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=1194","title":{"rendered":"Keine Lust auf Schreiben \u2013 soll man sich zwingen?"},"content":{"rendered":"<p>Schreiben sollen und nicht wollen: Das Ph\u00e4nomen betrifft nicht nur Schriftsteller, die damit ihr Leben finanzieren. Ich erinnere mich, wie ich als Teenager voller Vorfreude aus der Schule kam, um mich an den Computer zu setzen, das Dokument mit meiner Geschichte zu \u00f6ffnen und \u2013 keine Lust zu haben, da weiterzuschreiben, wo ich zuletzt aufgeh\u00f6rt hatte. Was tat ich in solchen Momenten? Ok, Mahjong spielen. Was tut die reifere, von Schreibkrisen und finanziellen Sorgen <del>gesch\u00fcttelte<\/del> gest\u00e4hlte Jenny?<\/p>\n<p>Ich muss die Arbeit an einem Text immer mit einer Liebesbeziehung vergleichen: Man t\u00e4nzelt zum vereinbarten Ort, um die geliebte Person zu treffen, und sobald man sich gegen\u00fcbersteht, ist das Wetter irgendwie umgeschlagen, die Atmosph\u00e4re dr\u00fcckt, man f\u00fchlt sich von einer Kleinigkeit gekr\u00e4nkt, das Gespr\u00e4ch kreiselt auf Unannehmlichkeiten zu, man erinnert sich an diesen Selbsttest im Internet, der einem einen Vaterkomplex attestiert hat, und jetzt will man weinen, einfach aus Selbstmitleid weinen oder rauchen oder &#8230; usw. usf. In dieser Situation stellt sich nun wie beim Schreiben die Frage, ob man sich zum Weitermachen zwingen soll oder der Laune nachgeben und vorerst die Flucht ergreifen. Ist Zwang bei einer Sache, die doch aus Leidenschaft geschieht, \u00fcberhaupt sinnvoll?<\/p>\n<p>Nun ja, schon: wenn man einen Abgabetermin hat und das Geld dringend braucht. Aber das ist ein unangenehmer Grund, den sich Berufsschreiber ungern eingestehen. Denn das Buch soll ja ein Werk echter Passion sein, die sich dann hoffentlich auf den Leser \u00fcbertr\u00e4gt. Man will ein Kunstwerk erzeugen, kein Produkt. Es soll\u00a0ja auch die Liebe sein und keine Zweckbeziehung. (Hoffe ich mal.) Doch wenn man der Laune nachgibt und sich nicht zum Guten zwingt, droht die Gefahr, dass man sich von der Geschichte oder der Person distanziert \u2013 vielleicht f\u00fcr immer. Obwohl ich ein chronischer Zuendeschreiber bin, habe auch ich mindestens sechs, sieben Viertelromane, die wie Golems mit fehlenden Gliedma\u00dfen in meinen Schreibtischschubladen ausharren. (Einen\u00a0unerschrockenen Blick in, auf und unter meinen Schreibtisch gibt es<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=VFV_Nlhau_M\"> hier<\/a>.)<\/p>\n<p>Damit habe ich meine Antwort schon vorweggenommen. Ich denke, man sollte sich nicht zwingen, etwas zu schreiben, auf das man keine Lust hat. Man sollte aber auch keinen Launen nachgeben, die vielleicht vom Wetter\u00a0oder den wirren Tr\u00e4umen letzter Nacht oder einem total bedeutungslosen Internet-Selbsttest\u00a0verursacht sind. (Pff, Vaterkomplex, mein Daddy sieht das anders.) Der goldene Weg f\u00fchrt wie so oft im Zickzack durch die Mitte. Wenn ich an einem Tag keine Lust auf meinen Roman habe, dann gebe ich mir Zeit, um einen neuen Zugang zu finden. In dieser Zeit versuche ich aber, etwas anderes zu schreiben. Irgendwas will immer Worte finden, sei das nun ein Gedichtversuch, eine kleine Betrachtung, ein Kommentar unter einem Onlineartikel oder ein Blog-Eintrag wie dieser. (Soviel dazu, wie es heute um meinen Roman und mich\u00a0bestellt ist.)<\/p>\n<p>Hm, ich habe das Schreiben ja als Analogie f\u00fcr Liebesbeziehungen gedacht.Wie kriege ich das jetzt mit den Anspr\u00fcchen der Treue vereint? Ich w\u00fcrde sagen &#8230; ja, wenn man die geliebte Person gerade nicht so wertsch\u00e4tzen kann, wie man eigentlich m\u00f6chte, sollte man sich ein Weilchen auf was anderes Liebenswertes konzentrieren. Manche haben ja nette Familien. Oder Haustiere. Oder erfundene\u00a0Menschen, \u00fcber die man Geschichten schreibt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schreiben sollen und nicht wollen: Das Ph\u00e4nomen betrifft nicht nur Schriftsteller, die damit ihr Leben finanzieren. Ich erinnere mich, wie ich als Teenager voller Vorfreude aus der Schule kam, um mich an den Computer zu setzen, das Dokument mit meiner Geschichte zu \u00f6ffnen und \u2013 keine Lust zu haben, da weiterzuschreiben, wo ich zuletzt aufgeh\u00f6rt hatte. 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