{"id":1718,"date":"2021-07-11T07:43:18","date_gmt":"2021-07-11T06:43:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=1718"},"modified":"2021-07-11T07:43:18","modified_gmt":"2021-07-11T06:43:18","slug":"kalt-wie-schnee-hart-wie-eisen-4","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=1718","title":{"rendered":"Kalt wie Schnee, hart wie Eisen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"has-text-align-center\">Kapitel 6 -7<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Guten Morgen allerseits! Heute erreichen wir tats\u00e4chlich schon das Ende von Teil 1. N\u00e4chste Woche geht es dann mit der zweiten Hauptfigur weiter: Laurien. Aber keine Sorge, Kanem\u00f4 wird nicht lange verschwinden. Im Gegenteil, sie wird in gewisser Weise doppelt erscheinen &#8230; Mit dieser gemein kryptischen Weissagung \u00fcberlasse ich euch jetzt der Geschichte und w\u00fcnsche euch viel Vergn\u00fcgen!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"has-text-align-center\">6.<\/h1>\n\n\n\n<p>Als Kanem\u00f4 morgens auf die Veranda vor dem Haus trat, schlief Sagrik dort im Sitzen. Obwohl die \u00c4ste unter ihren F\u00fc\u00dfen nur leise knarrten, erwachte er sofort und wischte sich \u00fcber den Mund.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHerrin! Es freut mich, Euch wohlauf und ausgeruht zu sehen. Konntet Ihr ein wenig schlafen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Kanem\u00f4 antwortete nicht, sondern lie\u00df den Blick \u00fcber den See und die H\u00fctten schweifen, die auf ihm trieben. Junges Tageslicht fiel durch die Gesteinsspalten weit oben. Die letzten Stunden schienen wie im Traum verflogen zu sein. Sie hatte dagesessen und sich an die neue Leere in sich gew\u00f6hnt, w\u00e4hrend Liotans Ratschl\u00e4ge an ihr vorbeigepl\u00e4tschert waren. Diese Leere \u2026 Sie lie\u00df nicht einmal Platz f\u00fcr Worte, um sie zu beschreiben. Kanem\u00f4 f\u00fchlte sich so leicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wandte sich Sagrik zu: \u201eIch habe es getan.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bibliothekar rappelte sich auf. Sein Gesicht wirkte durch das L\u00e4cheln noch h\u00e4sslicher. \u201eIhr seid wahrlich eine Tochter von Ivenhall, Herrin von Bestien! Was gedenkt Ihr als N\u00e4chstes zu tun?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie fragte sich, ob Liotan ihn tats\u00e4chlich nicht eingeweiht hatte oder ob er sich nur ahnungslos stellte wie so oft. Da sie schwieg, nickte er schlie\u00dflich mit einem verschw\u00f6rerischen Funkeln in den Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch habe die Esel schon bereit machen lassen und die Taschen mit Proviant gef\u00fcllt\u201c, sagte er. \u201eNun will ich Euch den Weg nach Ofeha zu F\u00fcrst Korigan erkl\u00e4ren, damit die Rebellen Euch unterwegs aufgreifen. Ein St\u00fcck weit kann ich Euch begleiten, ehe unsere Wege sich trennen \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch werde nicht zu F\u00fcrst Korigan reiten\u201c, unterbrach sie ihn. Ihr missfiel, dass offensichtlich alles von Liotan und Sagrik im Vorfeld geplant worden war. Aber jetzt hatte sie das Gift \u2026 jetzt konnten Liotan und Sagrik nicht mehr bestimmen, was sie tat. Das Bewusstsein um ihre neue Macht kitzelte sie wie eine Fr\u00fchlingsbrise. Sie musste sich an so viel Neues gew\u00f6hnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sagrik ma\u00df sie misstrauisch. Er erwartete eine Erkl\u00e4rung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Rebellen werden im Mondtempel nach mir suchen. Wenn ich nicht dort bin, werden sie die Priesterinnen foltern und wom\u00f6glich t\u00f6ten.\u201c W\u00e4hrend sie das sagte, wusste sie, dass ihre Entscheidung richtig war, aber sie f\u00fchlte die Richtigkeit nicht. Wie seltsam!<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber der Weg zur\u00fcck durch die Marschen ist tr\u00fcgerisch. Ihr solltet ihn nicht allein auf euch nehmen. Und ich muss in die andere Richtung \u2026 Was hat Liotan dazu gesagt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eFragt sie selbst. Wir sehen uns im Palast von Ivenhall.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er deutete eine Verneigung an. \u201eIch werde einen Weg finden, zu Euch zu gelangen. Ich werde anders aussehen als jetzt, aber Ihr werdet mich erkennen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das hatte auch Liotan ihr versprochen. Sie nickte. \u201eBringt mich zu meinem Esel. Ich will keine Zeit verlieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sagrik schien unentschlossen. Bestimmt h\u00e4tte er lieber zuerst mit Liotan abgesprochen, ob Kanem\u00f4 im Mondtempel auf die Rebellen warten sollte anstatt sich auf dem Weg zu F\u00fcrst Korigan aufgreifen zu lassen. Aber Kanem\u00f4 kletterte bereits auf das Flo\u00df. Ergeben folgte er ihr und brachte sie zum Ufer.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Esel waren neben dem Gestr\u00fcpp angebunden, durch das sie gestern gekommen waren. Wie viel sich in dieser einen Nacht ver\u00e4ndert hatte! Kanem\u00f4 war nicht mehr dieselbe. Aber sie empfand keine Angst \u2013 vor nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch begleite Euch noch durch die Stadt\u201c, erkl\u00e4rte Sagrik.<\/p>\n\n\n\n<p>Kanem\u00f4 sch\u00fcttelte den Kopf und deutete auf seinen Dolch, den sie sich in den G\u00fcrtel gesteckt hatte. \u201eIch danke Euch f\u00fcr Eure Treue. Und dass Ihr mich hergebracht habt. Bis bald.\u201c Sie schwang sich auf ihren Esel. \u201eVerzeiht, dass ich Euch verletzt habe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er tastete nach der Schramme an seinem Hals, und fast schien es, als w\u00fcrde er err\u00f6ten. Kanem\u00f4 erkannte mit einem Mal, dass er noch nicht alt war. Man h\u00e4tte ihn fast noch als jungen Mann bezeichnen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIhr m\u00fcsst mich nicht um Verzeihung bitten\u201c, sagte er leise. \u201eIch bin Euer Diener, Herrin.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr fiel nicht ein, was sie darauf erwidern sollte. Sie gab dem Esel die Rute und ritt durch den Vorhang aus Dickicht, den Sagrik ihr aufhielt, davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie verlie\u00df den Sch\u00e4delberg und folgte derselben Stra\u00dfe, die sie gekommen war. Das Land schien wie erstarrt in Frost und Herbstnebeln und ebenso kalt f\u00fchlte es sich in ihr an. Nachts schlief sie, ohne ein Feuer zu entfachen, an ihren Esel gekuschelt. Die Finsternis und die Einsamkeit machten ihr nichts aus. Sie dachte an Letanna und Perasia, die sie nun doch wiedersehen w\u00fcrde, so wie es ihr gr\u00f6\u00dfter Wunsch gewesen war, aber es bedeutete ihr nichts mehr. Sie dachte auch an ihre Zukunft. Sie sah die Thronhalle vor sich, den gr\u00fcnen Marmorpalast, in dessen Mitte der Eisenturm in den Himmel ragte, voll von wundersamen Bestien. Die majest\u00e4tischen, aufrecht sitzenden Werkatzen, die den Zauberkessel bewachten, und die beiden Drachen, die nur so taten, als w\u00fcrden sie um den Turm geschmiegt schlafen, einer goldschwarz mit roten H\u00f6rnern, der andere grau mit blauem Bauch, die Farben eines st\u00fcrmischen Himmels. Und der Zauberkessel \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Sie tr\u00e4umte, dass sie auf einer Werkatze ritt und mit dem m\u00e4chtigen Gesch\u00f6pf die Rebellen bek\u00e4mpfte. Die Bestie machte riesige Spr\u00fcnge, zerriss ihre Feinde, und Kanem\u00f4 hielt sich an der M\u00e4hne fest. Doch dann flogen zwei Speere aus verschiedenen Richtungen auf sie zu und drangen in ihre Brust ein. Sie waren so kalt. Kanem\u00f4 blickte an sich herab und sah die H\u00e4nde der Zwergin, die in ihr w\u00fchlten. Unter ihrem Blick verwandelten sich die H\u00e4nde in flatternde V\u00f6gel, und sie wusste, die V\u00f6gel w\u00fcrden fliegen, wenn ihre Fl\u00fcgel nicht mehr gebrochen waren \u2026 Als sie im Zwielicht des neuen Tages erwachte, hielt sie das borstige Haar ihres Esels umklammert, der es gutm\u00fctig hinnahm. Sie empfand ein Ziehen in der Brust und bef\u00fchlte die Narbe. Es war eher ein angenehmes Gef\u00fchl, so wie die Ersch\u00f6pfung, wenn man lange geweint hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie setzte ihre R\u00fcckreise fort. Noch immer rasteten die Zugv\u00f6gel in den Wiesen. Kanem\u00f4 sog tief die kalte Luft ein und stie\u00df einen Schrei aus. Aberhundert G\u00e4nse und Kraniche flatterten auf. Es sah aus, als w\u00fcrde der Himmel in Scherben zerfallen. Kanem\u00f4 schrie noch ein zweites und ein drittes Mal. Sie w\u00fcrde das Reich ihrer V\u00e4ter zur\u00fcckerobern. Sie, sie, sie! Aber so befreiend es war, die Weite des Landes mit ihrer Stimme zu f\u00fcllen, sie empfand dabei nicht die erwartete Freude. Ganz so, als sei sie gegen sich selbst blind und taub geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Abendd\u00e4mmerung des vierten Tages erreichte sie die Klippen am Meer, in die der Mondtempel gehauen war. Der Tempel kam ihr kleiner vor \u2013 er war wirklich nur ein winziges Grinsen im Gesicht der K\u00fcste.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas ferner sah sie eine Reihe von Schatten an der K\u00fcste entlangpreschen. Reiter. Das mussten die Rebellen sein! Sie trieb den Esel zum Trab an.<\/p>\n\n\n\n<p>Die M\u00e4nner des K\u00f6nigsm\u00f6rders galoppierten auf ihren Schlachtr\u00f6ssern geradewegs durch die Halle des Mondtempels, die kein Unbefugter betreten durfte, erst recht kein Krieger zu Pferd. Die zw\u00f6lf schwarz verschleierten Priesterinnen, angef\u00fchrt von der Hohepriesterin Madurahan, standen reglos in der Mitte und lie\u00dfen sich von ihnen umkreisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kanem\u00f4 glitt von ihrem Esel \u2013 und erstarrte im Schutz der Klippen, als sie sah, wie die M\u00e4nner den Priesterinnen die Schleier vom Kopf rissen. Nacktes Entsetzen stand den Frauen in die Gesichter geschrieben. Die meisten waren seit ihrer Kindheit nicht mehr von einem Mann erblickt worden. F\u00fcr eine Priesterin gab es kaum etwas Entw\u00fcrdigenderes.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Prinzessin\u201c, forderte der Anf\u00fchrer der M\u00e4nner. Sein R\u00fcstzeug schien von einem Schlachtfeld zusammengeklaubt. Er hatte, wie alle M\u00e4nner, einen langen, schmalen Zopf entlang seiner linken Schl\u00e4fe und rote Flicken auf seinem Umhang. Es mussten Erkennungsmerkmale der Rebellen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Madurahan musterte ihn, dann seinen Rappen, von dessen Maul Schaum troff. Langsam hob sie die Arme und die silbernen Geschmeide an ihren Gelenken klirrten aneinander. \u201eIhr entweiht heiligen Boden. Seid verflucht! Verflucht sei euer K\u00f6nigsm\u00f6rder! Agh \u2013\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Anf\u00fchrer hatte sich vom Pferd geschwungen und Madurahan an der Kehle gepackt. \u201eWo ist die Prinzessin?\u201c, wiederholte er an die Priesterinnen gewandt.<\/p>\n\n\n\n<p>Madurahan w\u00fcrgte. Ihre Zehenspitzen schrammten \u00fcber die Steinfliesen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Prinzessin ist nicht da\u201c, stie\u00df eine der Priesterinnen aus. \u201eSie ist vor acht Tagen verschwunden \u2013 wir wissen nicht, wohin. Das schw\u00f6re ich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Kanem\u00f4 stieg die Au\u00dfenstufen des Tempels empor. \u201eSie ist wiedergekommen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Alle drehten sich zu ihr um. Sie schlug die Kapuze ihres Umhangs zur\u00fcck, um sich zu zeigen. Der Anf\u00fchrer der M\u00e4nner lie\u00df Madurahan los, die nach Atem ringend in die Arme ihrer Priesterinnen fiel. Der Krieger trat auf Kanem\u00f4 zu. Unter ihrem Umhang schloss sie die Faust um den Dolch, wohl wissend, wie aussichtslos ein Kampf w\u00e4re, wenn der Krieger sein Schwert zog.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch er packte sie nur am Arm und schlug ihren Umhang zur\u00fcck. Sie holte mit dem Dolch aus, aber er verdrehte ihr l\u00e4ssig das Handgelenk, sodass die Waffe auf den Boden klapperte. Kanem\u00f4 st\u00f6hnte auf. Schlimmer als der Schmerz war, wie schamlos der Mann seine Finger in ihr Gesicht dr\u00fcckte, um ihre Ohren zu mustern. Als er \u00fcberzeugt schien, dass sie diejenige war, die er suchte, zog er sie hinter sich her und hob sie auf sein Pferd.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHoffnungslos\u201c, kr\u00e4chzte Madurahan. Erst klang es, als w\u00fcrde sie wehklagen, doch es war ein raues Lachen. \u201eEuer Plan ist hoffnungslos! Der K\u00f6nigsm\u00f6rder bleibt ein M\u00f6rder, ein aufst\u00e4ndischer Bauer, ganz gleich, ob er sein K\u00f6terblut in k\u00f6nigliches Blut mischt. Und wir werden jeden Tag und jede Nacht unseren Fluch um euch dichter weben!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas h\u00e4ttest du nicht sagen sollen. Ich bin abergl\u00e4ubisch.\u201c Der Krieger zog sein Schwert. Das Licht glitt \u00fcber die Eisenklinge. Blitzschnell holte er aus und schlug Madurahan mit einem einzigen Streich den Kopf ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Kanem\u00f4 f\u00fchlte warmes Blut auf ihr Bein spritzen. Die Priesterinnen schrien entsetzt auf. Dann schwang der Krieger sich hinter Kanem\u00f4 in den Sattel und dr\u00fcckte sie an sich. Seine nach Schwei\u00df, Leder und Eisen riechende N\u00e4he verursachte ihr \u00dcbelkeit. Der Reiter gab seinem Ross die Sporen und sie preschten los.<\/p>\n\n\n\n<p>Kanem\u00f4 sah nicht zur\u00fcck. W\u00e4hrend sie auf dem gewundenen Weg die K\u00fcste entlanggaloppierten \u2013 das tobende Meer unter sich, die nackten Felsh\u00e4nge \u00fcber sich \u2013, dachte sie daran, dass sie Letanna und Perasia nicht gesehen hatte. Und vermutlich nie wiedersehen w\u00fcrde. Aber es tat nicht mehr weh. Wenigstens hatte sie verhindert, dass die beiden Novizinnen und der Rest der Priesterinnen von den Rebellen get\u00f6tet wurden. Nur Madurahan hatte sie nicht retten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch auch das tat nicht weh.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"has-text-align-center\">7.<\/h1>\n\n\n\n<p>F\u00fcnf Tage ritten sie durch das karge Hochland, vorbei an D\u00f6rfern, die nur aus einer Handvoll H\u00fctten und \u00c4ckern bestanden, und folgten dann der K\u00f6nigsstra\u00dfe durch die d\u00fcsteren Tannenw\u00e4lder von Odia. Ihre Ruhepausen dauerten immer nur ein paar Stunden \u2013 gerade lang genug, um die Pferde verschnaufen zu lassen. Niemand richtete ein Wort an Kanem\u00f4. Die M\u00e4nner vermieden sogar, sie anzusehen. Sie war die Braut ihres Herrn; ein kostbarer Gegenstand, den man besser nicht zu lange betrachtete.<\/p>\n\n\n\n<p>Kanem\u00f4 aber musterte die M\u00e4nner. Sie wirkten nicht wie Bauern, sondern eher wie Ritter. Ihr Anf\u00fchrer \u2013 die anderen nannten ihn Gerothen \u2013 schien sogar ein F\u00fcrstensohn zu sein, zumindest entnahm sie das den Gespr\u00e4chen. Gro\u00df und stark war er, und mit seinen klaren Gesichtsz\u00fcgen \u00e4hnelte er mehr als Sagrik dem Ritter, von dem sie fr\u00fcher getr\u00e4umt hatte. Dennoch h\u00e4tte sie eher Sagrik geheiratet als in ihn, und Gerothen schien fest entschlossen, \u00fcberhaupt nichts f\u00fcr sie zu empfinden au\u00dfer eine Art Besitzerstolz.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie sich der K\u00f6nigsstadt n\u00e4herten, bemerkte Kanem\u00f4 die Spuren des Krieges. Gepl\u00fcnderte Siedlungen s\u00e4umten die Stra\u00dfe. Aus den Tr\u00fcmmern von H\u00e4usern stiegen Rauchfahnen. Der Rauch \u00fcbert\u00fcnchte jedoch nicht \u00fcberall einen noch absto\u00dfenderen s\u00fc\u00dflichen Geruch. Kr\u00e4henscharen und Hunde stritten sich auf den Feldern um Beute, die Kanem\u00f4 gar nicht so genau erkennen wollte. Zum Gl\u00fcck begann Schnee zu fallen und begrub die Wahrheit gn\u00e4dig unter sich. Der erste Schnee des Jahres \u2026 Die Priesterinnen hatten ihn immer mit einem besonderen Ritual empfangen. Kanem\u00f4 legte leicht den Kopf zur\u00fcck, damit die Flocken ihre Stirn segneten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Winter frisst das Jahr. Der Tod ist eine Reinigung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>An diesem Abend kehrten sie in einem gro\u00dfen Gasthof auf einem H\u00fcgel ein, von dem aus man die Stadt Ivenhall und den Eisenturm des Palasts auf den Felsen bereits sehen konnte. Der Eisenturm schien von seinem h\u00f6chsten Punkt Nebel auszuatmen, der sich mit den violett leuchtenden Wolken mischte. Benutzte etwa jemand den Zauberkessel?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gasthof war wohl von den K\u00e4mpfen verschont geblieben. Doch Kanem\u00f4 glaubte, durch die verschlossenen T\u00fcren der Kammern im Obergeschoss das St\u00f6hnen von Verwundeten zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wurde bereits erwartet. Ein Dutzend Krieger mit den roten Flicken der Rebellen an den Umh\u00e4ngen bewachten das gr\u00f6\u00dfte Zimmer des Hauses. Zwei Damen befanden sich darin, die eine nur wenig \u00e4lter als Kanem\u00f4, die andere bereits grauhaarig, doch beide hatten so wei\u00dfe Haut und so feine H\u00e4nde, dass sie ihr Leben sicher im Palast verbracht hatten. Sie stellten sich mit einem Knicks vor und begannen Kanem\u00f4 zu entkleiden und zu waschen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Jede ihrer Ber\u00fchrungen ist angsterf\u00fcllt,<\/em> dachte Kanem\u00f4. <em>Sie haben Angst, dass ich anfange zu weinen. Dass ich sie um Hilfe anflehe.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ruhig lie\u00df sie alles \u00fcber sich ergehen. Sie bekam ein Nachthemd \u00fcbergestreift und ein Abendmahl serviert: ger\u00f6stete Wachteln, Fladenbrot aus gesiebtem Mehl, eingelegte Eier, Birnenkompott und aus klebrigen s\u00fc\u00dfen F\u00e4den gedrehtes Sesamkonfekt. Die Edelfrauen r\u00fcmpften \u00fcber die Qualit\u00e4t die Nase, doch Kanem\u00f4, die in den letzten Tagen nichts als Trockenfleisch und Zwieback zu sich genommen hatte, a\u00df mit Appetit. Sie merkte, dass die Frauen sich dar\u00fcber wunderten \u2013 nicht nur, weil sie offenbar delikatere Speisen gewohnt waren. Angesichts der Umst\u00e4nde wirkte Kanem\u00f4 erstaunlich gelassen. Aber bestimmt brachten die Frauen das nicht mit der sternf\u00f6rmigen Narbe in Verbindung.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie teilten sich das gro\u00dfe Bett. Kanem\u00f4 lag lange wach. Die harte Erde, auf der sie die letzten Tage geschlafen hatte, war ihr lieber gewesen als das weiche Daunenzeug. Auch im Mondtempel war ihr Schlaflager einfach gewesen \u2013 nur eine strohgef\u00fcllte Matratze und eine gesteppte Wolldecke. Doch nun kehrten alte, fast vergessene Erinnerungen an ihre Kindheit im Palast zur\u00fcck. Seidene Bez\u00fcge, ein mit Sternen bestickter Baldachin \u00fcber dem Bett aus lackiertem Holz, Wandteppiche, die M\u00e4rchenszenen zeigten. Der Duft von Zimtbr\u00f6tchen, wenn sie erwachte, und das leise Klirren von Silberbesteck, das neben ihren Teller gelegt wurde. Ihre Mutter, die morgens immer sehr vorsichtig umarmt werden musste, damit Puder und Lippenrot nicht auf die Kleider abf\u00e4rbten. Ihre Mutter, die in all ihrer Sch\u00f6nheit und elfischen Anmut fast so einsch\u00fcchternd und Furcht einfl\u00f6\u00dfend gewesen war wie der K\u00f6nig mit seinen Bestien.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMein s\u00fc\u00dfer Knopf\u201c, hatte sie gesagt und Kanem\u00f4s Gesicht in ihre H\u00e4nde genommen \u2013 gro\u00dfe, schmale H\u00e4nde, die sich wie flie\u00dfender Marmor angef\u00fchlt hatten. \u201eMein Perlmuttknopf! Ich m\u00f6chte dich an meinen Kragen n\u00e4hen, genau hierhin.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie hatte auf die Kuhle \u00fcber ihrem Schl\u00fcsselbein gewiesen, Kanem\u00f4 hatte diese Kuhle mit ihren ungeschickten Kinderfingern ber\u00fchrt und sie hatten beide gekichert.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Mein Knopf.<\/em> Kanem\u00f4 h\u00e4tte sich kaum eine h\u00f6here Auszeichnung denken k\u00f6nnen, als den Kragen der Herrin Iriobal zu zieren. Seit ihrem Verschwinden hatte sie Kanem\u00f4 nie geschrieben. Vielleicht hatte K\u00f6nig Sagamenon sie ja auch ermorden lassen. Kanem\u00f4 war erst sechs gewesen, aber sie hatte mitbekommen, dass man der K\u00f6nigin vorwarf, im Auftrag der Hohen Elfen von Madgar Yhs die letzten Drachen vergiftet zu haben. Vielleicht stimmte es.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag wurde Kanem\u00f4 erneut gewaschen, diesmal mit einer Mischung aus Honig, Milch und Wasser. Die Hofdamen rieben sie anschlie\u00dfend mit duftenden \u00d6len ein: Rosen\u00f6l aus dem K\u00f6nigreich Nekra f\u00fcr H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe, Orangenbl\u00fcten\u00f6l aus den Inselterritorien f\u00fcr Hals, Nacken und Brust, Pinien\u00f6l aus den \u00f6stlichen F\u00fcrstent\u00fcmern f\u00fcr die Innenseiten ihrer Schenkel. Sie k\u00e4mmten ihr Haar, bis es in gl\u00e4nzenden Wellen \u00fcber ihren R\u00fccken fiel, und flochten Perlen in die Str\u00e4hnen, die ihr Gesicht umrahmten. Geschliffene Edelsteine wurden ihr an die Ohren geh\u00e4ngt, eine schwere Silberspange um den Hals geschlossen, von der wei\u00dfe Opale baumelten. Eine zierliche Kette aus Gold verband die Spangen um ihre Fu\u00dfgelenke, damit sie nur kleine, anmutige Schritte machen konnte \u2013 die Schritte einer Braut, die sich mit Z\u00f6gern dem Altar n\u00e4hert.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehrere Gew\u00e4nder standen zur Auswahl. Die Hofdamen entschieden sich, ohne Kanem\u00f4 um ihre Meinung zu fragen, f\u00fcr ein blassviolettes Kleid mit hellblauer Schleppe und Zierbahnen aus dunkelblauem Samt, die abwechselnd mit Perlen besetzt und feinem Goldfaden durchwirkt waren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie h\u00fcbsch sie ist\u201c, sagte die \u00e4ltere Hofdame, als alles getan war. \u201eWas f\u00fcr ein sch\u00f6nes, seltenes Gesicht!\u201c Sie streichelte Kanem\u00f4s Wange und erlaubte sich ein trauriges L\u00e4cheln.<\/p>\n\n\n\n<p>So herausgeputzt wurde Kanem\u00f4 aus dem Zimmer gef\u00fchrt. Vor dem Gasthof stand eine goldbeschlagene Kutsche mit einem Kuppeldach und vier wei\u00dfen Pferden bereit. Ein Speer ragte hinten heraus, auf dem der Kopf einer Werkatze steckte.<\/p>\n\n\n\n<p>Kanem\u00f4 hatte, seit sie zum Mondtempel geschickt worden war, keine Bestie mehr gesehen. Sie starrte den Kopf an, der so schwer wirkte wie ein Weinfass. Die wei\u00dfe M\u00e4hne und das kupferfarbene Fell waren blutverkrustet. Obwohl die Schnauze aufgerissen war und die Rei\u00dfz\u00e4hne entbl\u00f6\u00dft, hatte ihr Antlitz etwas erschreckend Menschliches. Ein kluger, unheimlicher Geist schien selbst jetzt, im Tod, noch in ihren Smaragdaugen zu blitzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Legende besagte, die ersten Werkatzen seien Hexen gewesen, die die Zauberkraft des Nebels nutzten, um in die K\u00f6rper von L\u00f6wen zu schl\u00fcpften und Morde zu begehen. Doch als L\u00f6wen verga\u00dfen sie, wie sie sich zur\u00fcckverwandeln konnten, sodass sie f\u00fcr immer Mischwesen im Nebel blieben. Es gab f\u00fcr alle bekannten Bestien eine Legende, und die meisten handelten von Hexen, die vor den K\u00f6nigen Ivenhalls Zauberei gewirkt hatten. Ob die Hexen alle vom Kleinen Volk abstammten?<\/p>\n\n\n\n<p>Kanem\u00f4 trat n\u00e4her, streckte die Hand aus, um den Werkatzenkopf zu ber\u00fchren. Doch der Anf\u00fchrer der M\u00e4nner, Gerothen, zog sie zur\u00fcck und schob sie in die Kutsche.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIhr wollt Eure h\u00fcbschen Kleider doch nicht beschmutzen\u201c, mahnte er.<\/p>\n\n\n\n<p>Kanem\u00f4 bemerkte die Unsicherheit hinter seinem Grinsen. Obwohl die Bestie tot war, f\u00fcrchtete der Rebell immer noch, dass ihr k\u00f6nigliches Blut irgendeine Macht \u00fcber sie aus\u00fcben konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hofdamen sa\u00dfen bereits in der Kutsche und nahmen Kanem\u00f4 unter eine wei\u00dfe Felldecke. Sie fuhren los.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie sich Ivenhall n\u00e4herten, wurde der Gestank immer unertr\u00e4glicher. Scheiterhaufen loderten auf den Feldern und pusteten Ascheflocken in den Schnee. Kahl rasierte Krieger in roten Flickenumh\u00e4ngen und zerlumpte Gestalten ohne Waffen waren damit besch\u00e4ftigt, Leichen in die Feuer zu werfen. Wagen um Wagen von Toten wurden aus der Stadt gebracht. Nat\u00fcrlich wagte niemand, die Gefallenen zu begraben. Es hie\u00df, gewaltsam Gestorbene br\u00e4chten Unruhe in die Erde und sorgten f\u00fcr schlechte Ernten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMacht Platz!\u201c, br\u00fcllte Gerothen, der der Kutsche voranritt. \u201eMacht Platz f\u00fcr Prinzessin Kanem\u00f4, die Braut von K\u00f6nig Heganen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Heganen<\/em>. Sie hatte die M\u00e4nner diesen Namen sagen h\u00f6ren, doch erst jetzt begriff sie, dass er der K\u00f6nigsm\u00f6rder war. In ihrer Vorstellung tauchte f\u00fcr einen Moment der Umriss eines Mannes auf \u2013 eines Mannes, so echt und lebendig wie sie selbst \u2013, und etwas dr\u00fcckte auf ihre Brust, das Angst sein m\u00fcsste, wenn es nicht sofort wieder verschwunden w\u00e4re. Alles, was blieb, war ein Gef\u00fchl von Leere, als w\u00e4re da ein Loch in ihr. Instinktiv legte sie eine Hand \u00fcber die Narbe, die Liotan ihr zugef\u00fcgt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie \u00fcberquerten den <em>Katzenrachen<\/em> \u2013 die Schlucht, die die Stadt umgab \u2013 \u00fcber eine der Br\u00fccken, die heil geblieben waren. Kanem\u00f4 reckte sich, um hinabzublicken. Aus der Tiefe unter ihnen ragten Felsspitzen und karge Nadelb\u00e4ume herauf. Wo der Nebel in Fetzen vor\u00fcbertrieb, konnte man das Wasser glitzern sehen, das auf dem Grund der Schlucht floss und sich sp\u00e4ter in die Iven teilte, die durch das ganze Land str\u00f6mten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das massive Stadttor war zerst\u00f6rt. Sie holperten \u00fcber Schlagl\u00f6cher, wo Steine aus der Stra\u00dfe herausgerissen worden waren, vermutlich um sie als Waffen zu benutzen. Elfische und menschliche Krieger zu Fu\u00df und zu Pferd empfingen sie, dazu Musikanten mit Trommeln, Fl\u00f6ten und Rasseln. Und Kinder.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kinder waren wie Hochwohlgeborene gekleidet, doch Kanem\u00f4 bezweifelte, dass die Rebellen jemanden aus den Familien am Leben gelassen hatten, in denen k\u00f6nigliches Blut floss, egal wie verd\u00fcnnt. Schlie\u00dflich war es schon vorgekommen, dass aus den adeligen H\u00e4usern ein neuer K\u00f6nig hervorgegangen war, der Bestien beherrschen und aus dem Nebel f\u00fchren konnte, weil seine Verwandtschaft mit den Vorv\u00e4tern Ivenhalls eng genug war. Kanem\u00f4 musterte die Kinder: H\u00fcte aus wei\u00dfem Kaninchenfell und gelbe Umh\u00e4nge f\u00fcr die M\u00e4dchen, schwarze Marderpelzm\u00fctzen und rote Umh\u00e4nge f\u00fcr die Jungen. Sie wirkten ein wenig abgemagert unter den feinen Gew\u00e4ndern, und obwohl sie mit ernsten Mienen vor der Kutsche hergingen und getrocknete Rosenbl\u00e4tter auf den Weg streuten, hatten die M\u00e4dchen nicht die anmutige Haltung in Verbindung mit den kleinen Schritten, die einer Adelstochter von fr\u00fch an anerzogen wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Blumen sehen aus wie Blutkrusten,<\/em> dachte Kanem\u00f4. Wenigstens passte das zu den Umst\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Weg durch die unteren Viertel war trostlos, selbst auf der K\u00f6nigsstra\u00dfe. Nach der Eroberung der Rebellen sah es hier jedoch kaum schlimmer aus, als Kanem\u00f4 es in Erinnerung hatte: Bei den Behausungen aus Holz und Lehm, die wie Schwalbennester an den Felsen klebten, hatte es immer schon aus schiefen Kaminen geraucht und sie hatten nach Verfall ausgesehen. Wenn \u00fcberhaupt, hatten die Bewohner vermutlich vom Krieg profitiert. Mehrere Gestalten, die einen Umhang der k\u00f6niglichen Garde zu tragen schienen, huschten auf den steilen Treppen umher.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas weiter oben, wo die Stra\u00dfen gepflastert waren und die H\u00e4user Fenster hatten, tummelte sich das B\u00fcrgervolk. Die Hofdamen nahmen die Decke von Kanem\u00f4s Schultern, damit man sie besser sehen konnte, und zupften hier und da an ihren Kleidern und Haaren. Kanem\u00f4 wagte sich nicht zu r\u00fchren. Wie die Leute sie anstarrten \u2013 als w\u00e4re <em>sie<\/em> die Verr\u00e4terin!<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00f6nigsstra\u00dfe f\u00fchrte an Bogeng\u00e4ngen vorbei, in denen bisher M\u00e4rkte stattgefunden hatten und die nun ausgebrannt waren. Weiter oben, in den Adelsvierteln, sah es noch schlimmer aus. Die Villen waren niedergebrannt, die Steinmauern weggerissen, sogar die B\u00e4ume abgefackelt oder f\u00fcr Brennholz gef\u00e4llt. Dass von den Reichen und M\u00e4chtigen vermutlich niemand \u00fcberlebt hatte, war ein befremdlicher Gedanke.<\/p>\n\n\n\n<p>Endlich fuhren sie durch das Palasttor. Die Kutsche kam im gro\u00dfen Hof zum Stillstand, direkt vor dem gigantischen Eisenturm, der halb Kristall und halb geschmolzenes Wachs zu sein schien. Rebellen, Dienerinnen und Arbeiter erstarrten in ihrer Gesch\u00e4ftigkeit. Kanem\u00f4 hielt den Atem an. Sie erkannte alles wieder. Die breite Treppe, die ins Innere des gr\u00fcnen Marmorpalasts f\u00fchrte. Die spitz zulaufenden, hohen Torbogen und Fenster. Nur wehten nicht die Fahnen mit den Wappen ihrer Vorv\u00e4ter von den Dachfirsten, sondern rote Fetzen der Rebellen. Doch was war schon ein bisschen Stoff, der im Wind flatterte? Die Steine darunter w\u00e4hrten bereits Jahrtausende.<\/p>\n\n\n\n<p>Kanem\u00f4 stieg aus der Kutsche. Zehn Jahre. Nun war sie endlich zu Hause.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 6 -7 Guten Morgen allerseits! Heute erreichen wir tats\u00e4chlich schon das Ende von Teil 1. N\u00e4chste Woche geht es dann mit der zweiten Hauptfigur weiter: Laurien. Aber keine Sorge, Kanem\u00f4 wird nicht lange verschwinden. Im Gegenteil, sie wird in gewisser Weise doppelt erscheinen &#8230; Mit dieser gemein kryptischen Weissagung \u00fcberlasse ich euch jetzt der Geschichte und w\u00fcnsche euch viel Vergn\u00fcgen! * * 6. Als Kanem\u00f4 morgens auf die Veranda vor dem Haus trat, schlief Sagrik dort im Sitzen. Obwohl die \u00c4ste unter ihren F\u00fc\u00dfen nur leise knarrten, erwachte er sofort und wischte sich \u00fcber den Mund. \u201eHerrin! Es freut mich, Euch wohlauf und ausgeruht zu sehen. 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