{"id":1734,"date":"2021-08-08T09:14:48","date_gmt":"2021-08-08T08:14:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=1734"},"modified":"2021-08-08T09:14:48","modified_gmt":"2021-08-08T08:14:48","slug":"kalt-wie-schnee-hart-wie-eisen-8","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=1734","title":{"rendered":"Kalt wie Schnee, hart wie Eisen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"has-text-align-center\" id=\"block-a7186bcc-4ac5-4301-9594-bf2cbe46cc38\">Teil zwei &#8211; Kapitel 6 + 7<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" id=\"block-7a44e2bb-d631-4008-ae7f-64bf45156f72\"><em>Wie schnell die Zeit vergeht. Heute kommt unser letzter Leseabschnitt &#8211; das Ende von Teil zwei. Es ist eine sehr emotionale Passage f\u00fcr mich, und ich sch\u00fctte euch gern mein Herz in den Kommentaren aus, wenn ihr mich mit Fragen l\u00f6chern wollt. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" id=\"block-7a44e2bb-d631-4008-ae7f-64bf45156f72\"><em>Und morgen erscheint bereits der Roman! Wenn ihr bis hierhin mitgelesen habt und neugierig seid, wie es weitergeht, k\u00f6nnt ihr ein Buch gewinnen. Der Verlag ist so nett, 5 Exemplare unter allen zu verlosen, die im Lauf der letzten Wochen unter den Textausz\u00fcgen einen Kommentar hinterlassen haben. Wenn ihr das also bisher noch nicht getan habt, k\u00f6nnt ihr es heute nachholen &#8211; es reicht, wenn ihr Hallo sagt. Ich w\u00fcnsche euch viel Gl\u00fcck und weiterhin viel Spa\u00df beim Lesen, und ich bedanke mich herzlich, dass ihr mich so lange begleitet habt!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" id=\"block-86bb813f-9f16-4422-9109-0b24e417fc8b\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" id=\"block-6bda3574-c415-4f10-bd0f-3b973e892b19\">*<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"has-text-align-center\">6.<\/h1>\n\n\n\n<p>Es war in manchen Stra\u00dfen so finster, dass Laurien sich wie blind f\u00fchlte. Nur das Knirschen der Wagenr\u00e4der im Schnee war zu h\u00f6ren und Perak\u00edns Atem dicht neben ihr. In der Dunkelheit stellte sie sich vor, es gebe keine K\u00f6rper mehr. Keine K\u00f6rper, die entstellt werden konnten, keine K\u00f6rper, die starben. Nur noch Empfindungen und Ger\u00e4usche \u2013 eine endlose N\u00e4he, in der alles eins war.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie ist dein Name?\u201c, fragte er.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wollte nicht l\u00fcgen. Schlimm genug, dass ihre Erscheinung bereits eine L\u00fcge war.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch \u2026 ich habe das Gef\u00fchl, ich wei\u00df nicht mehr, wer ich bin\u201c, murmelte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Er schwieg. Sie glaubte, es sei ein friedliches Schweigen. Doch sie h\u00f6rte ihn die Nase hochziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann erreichten sie das Stadttor, das von Fackeln erhellt war, doch mit ihrer Fracht wurden sie selbst in tiefster Nacht hinausgelassen. Alle f\u00fcrchteten die Krankheiten, die sich ausbreiteten, wenn man Tote nicht schnell genug fortschaffte.<\/p>\n\n\n\n<p>Laurien und Perak\u00edn \u00fcberquerten den Katzenrachen. Noch immer schwelten hier und da in der Tiefe Pechfeuer von der Schlacht und warfen einen unheimlichen roten Widerschein nach oben. Der Schmorgeruch wurde nicht weniger, als sie die Br\u00fccke hinter sich lie\u00dfen. Vor den Mauern verstreut gab es mehrere Scheiterhaufen, die meisten heruntergebrannt, und Qualm hing in der Luft wie schwarze Nebelschwaden. Schatten nahmen Rei\u00dfaus, als Laurien und Perak\u00edn einen der Scheiterhaufen ansteuerten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eF\u00fcr die wilden Hunde und die Raben hat sich die Rebellion gelohnt\u201c, murmelte Laurien.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSieh an \u2013 noch jemand, der an der glorreichen Rebellion zweifelt. Ich wusste nicht, dass wir so viele sind, bis \u2026\u201c Er warf ihr einen Blick zu. \u201eWei\u00dft du, wer ich bin?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie z\u00f6gerte.<\/p>\n\n\n\n<p>Er schien ihr Schweigen f\u00fcr ein Nein zu halten und erkl\u00e4rte: \u201eIch bin Perak\u00edn, Sohn von F\u00fcrst Githeon. Der Sohn, der sich geweigert hat, die Prinzessin f\u00fcr Heganen zu entf\u00fchren. Vielleicht hast du davon geh\u00f6rt. Nein?\u201c Er zuckte die Schultern. \u201eSeitdem scheint mir jeder Dritte anvertrauen zu wollen, dass er ebenfalls unzufrieden damit ist, wie die Dinge laufen. Es gibt nicht wenige von uns.\u201c Er zog wieder die Nase hoch. \u201eDu musst vorsichtiger sein, wem du deinen Unmut zeigst. Denn auch wenn viele gegen Heganens Thronbesteigung sind, sind noch mehr daf\u00fcr. Und ich wei\u00df nicht, was aus den Zweiflern wird, wenn er erst die Krone tr\u00e4gt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEr wird sich nicht kr\u00f6nen lassen\u201c, sagte sie entschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu scheinst dir da sehr sicher zu sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie \u00f6ffnete den Mund und schloss ihn wieder. Schlie\u00dflich fand sie etwas, das sie sagen konnte, ohne zu l\u00fcgen: \u201eIch habe meinen Glauben an ihn noch nicht verloren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie den rauchenden, fast zur Glut heruntergebrannten Scheiterhaufen erreichten, lehnten sie sich gegen den Karren, um zu verschnaufen. Gedankenverloren betrachtete Laurien die verkohlten \u00dcberreste im Feuer, die einmal Menschen und Elfen gewesen waren. Ihr fiel auf, dass die Umst\u00e4nde sogar noch unromantischer waren als in der ersten Nacht, die sie mit Perak\u00edn allein gewesen war, damals vor zwei Jahren. Sie konnte sich nicht helfen \u2013 sie musste auflachen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHm?\u201c, machte er.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist verr\u00fcckt, aber \u2026 ich bin gl\u00fccklich. In diesem Moment bin ich gl\u00fccklich. Wir kennen uns nicht. Trotzdem habe ich das Gef\u00fchl, dass wir uns nahestehen. Und dass das mehr bedeutet als alles andere, mehr als diese verfluchte Rebellion.\u201c Sie hatte schnell und leise gesprochen, aber er hatte sie verstanden. Er schien rot anzulaufen. Vielleicht war es auch nur der Widerschein der Glut. Instinktiv wollte Laurien sich die Haare vor das Gesicht streichen, aber mitten in der Bewegung hielt sie inne, erinnerte sich an die Freiheit, die sie hinter der Maske der Verwandlung besa\u00df, und streckte stattdessen die Hand nach Perak\u00edn aus. Sie ber\u00fchrte seine Wange. Er regte sich nicht und f\u00fcr eine kleine Endlosigkeit st\u00fcrzte sie in den Abgrund seiner Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDein Gesicht ist warm\u201c, murmelte sie. Die Worte kamen ihr hohl vor. Was sie eigentlich meinte, war, dass sie seine Lebendigkeit sp\u00fcrte. Sie sp\u00fcrte das rauschende Blut unter seiner Haut, sp\u00fcrte seinen Herzschlag und die knisternde Kraft in seinem K\u00f6rper, bereit, sich in Bewegung zu entladen. Der Tod um sie herum bedr\u00fcckte sie nicht mehr. Im Gegenteil, er machte ihr bewusst, dass sie noch da war.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie beugte sich vor und k\u00fcsste Perak\u00edn auf die Wange. Da er nicht zur\u00fcckwich, glitten ihre Lippen zu seinem Mundwinkel. Sie war so froh, dass er nicht gestorben war \u2026 Bei der Vorstellung, wie kostbar er war und wie leicht er verletzt werden konnte, erschauderte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWer \u2026\u201c Er r\u00e4usperte sich. \u201eWer bist du?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Verwirrung war so s\u00fc\u00df, dass ihr Tr\u00e4nen in die Augen stiegen. \u201eStell keine Fragen. Bitte. Denk nicht nach.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie k\u00fcsste ihn auf den Mund, erst zart, dann sehns\u00fcchtiger. Fuhr mit den Fingern \u00fcber seinen stoppeligen Kopf zu seinem glatten, muskul\u00f6sen Nacken. Er war alles, was sie wollte. Alles, was sie wirklich je gewollt hatte. Der Sieg \u00fcber Ivenhall hatte sich wie nichts angef\u00fchlt. Ihn zu ber\u00fchren, f\u00fchlte sich wie der wahre Grund f\u00fcr ihr Dasein an.<\/p>\n\n\n\n<p>Er schob sie sanft zur\u00fcck. Betrachtete sie im Glutschimmer, umw\u00f6lkt vom wei\u00dfen Dunst ihres Atems. Er schien etwas fragen zu wollen. Doch stattdessen glitt seine Hand unter ihre Haare, in ihren Nacken, und zog sie wieder zu sich heran. Ihre Lippen verschmolzen. Wieder und wieder, als m\u00fcssten sie sich die Hitze ihres Atems teilen. Er strich \u00fcber ihre Schultern und ihre Taille und verlor langsam seine Zur\u00fcckhaltung. Als er ihren Hals k\u00fcsste, lie\u00df sie den Kopf zur\u00fccksinken, lie\u00df zu, dass er sie an sich presste, seine starken H\u00e4nde unter ihrem Umhang. Sie wollte nicht nachdenken, keine Zweifel mehr haben. Nur f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Knie gaben nach, sie sank zu Boden und zog ihn mit sich, \u00fcber sich, in ihre Arme. F\u00fcr einen Moment wich er zur\u00fcck und sah sie sehr ernst an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch will wissen, wie du hei\u00dft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie legte die Lippen an sein Ohr, konnte sich aber immer noch nicht \u00fcberwinden zu l\u00fcgen, und gab ihm stattdessen K\u00fcsse. Das lie\u00df ihn seine Frage vergessen. Etwas Ungeduldiges lag jetzt in seinen Z\u00e4rtlichkeiten. Auch sie wollte mehr von ihm, \u00f6ffnete seinen G\u00fcrtel und die Haken an seinem Wams. Irgendwo zwischen den Kleiderschichten fanden ihre Finger seine Brust und seinen Bauch, \u00fcberraschend zart und haarlos und solche Hitze ausstrahlend, dass sie fast verwundert war, dass er nicht leuchtete. Auch er hatte sich einen Weg unter ihre Gew\u00e4nder gesucht und ber\u00fchrte sie \u2026 ber\u00fchrte den K\u00f6rper, der f\u00fcr eine Nacht ihr geh\u00f6rte. Es war seltsam, ungewohnte Formen an sich zu sp\u00fcren. Aber die Wirkung, die sie auf ihn hatten, waren dieses Unbehagen wert. Sie sahen sich in die Augen und f\u00fcr einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Fast ohne zu wissen, was sie tat, schloss sie die Beine um seine H\u00fcften und er sank \u00fcber sie und drang in sie ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Es tat weh. Ein unerwarteter Schmerz, der ihre Verwandlung zu durchbrechen schien und sie in ihrem wahren Wesen traf. Sie hatte noch nie \u2026 Als sie zu ihm aufblickte, sein Gesicht direkt \u00fcber ihrem, den Himmel wie einen Reif um sich, begriff sie, dass es f\u00fcr ihn nicht das erste Mal war, und dieser Gedanke erf\u00fcllte sie mit flackernden Schatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hielt inne, seine Lippen an ihrem Ohr. Ob er ahnte, was in ihr vorging? Sie wollte nicht, dass er aufh\u00f6rte \u2026 Sie begann sich zu regen, aber er hielt sie fest und l\u00e4chelte entschuldigend.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWarte\u201c, fl\u00fcsterte er.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBitte \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er seufzte, dann zog er sich aus ihr zur\u00fcck \u2013 gerade rechtzeitig.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTut mir leid\u201c, sagte er. \u201eTut mir leid, ich \u2026 hab dich gewarnt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie zog ihn wieder an sich und k\u00fcsste ihn. Sie war so \u00fcberw\u00e4ltigt von widerspr\u00fcchlichen Gef\u00fchlen, dass sie nicht verhindern konnte, dass ihr Tr\u00e4nen aus den Augen rannen. Er f\u00fchlte die Feuchtigkeit und sah sie erstaunt an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWar das dein \u2026? Warum hast du nichts gesagt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIst doch egal.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu bist ja verr\u00fcckt. Wieso \u2026? Du Verr\u00fcckte!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er setzte sich auf und schloss unsicher ihre Kleider. Das am\u00fcsierte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu musst kein schlechtes Gewissen haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er schien nicht recht \u00fcberzeugt. Schlie\u00dflich sch\u00fcttelte er den Kopf. \u201eWarum ich?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd warum <em>ich?<\/em>\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er suchte nach Worten. Gab auf und starrte ins Feuer.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs war mir nicht wichtig\u201c, erkl\u00e4rte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Leise erwiderte er: \u201eDas verstehe ich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie r\u00fcckte n\u00e4her. Er legte einen Arm um sie, ihr Gesicht beobachtend, ob es ihr recht war. Sie lehnte den Kopf an seine Schulter, und f\u00fcr eine Weile versuchte sie nur, das zu genie\u00dfen und sich alles einzupr\u00e4gen, um sich sp\u00e4ter daran erinnern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMit wie vielen warst du schon zusammen?\u201c, fragte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Er wand sich ein wenig. \u201eEin paar.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWarst du jedes Mal verliebt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn keine. Es waren Begegnungen f\u00fcr eine Nacht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo wie ich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo wie du\u201c, gab er zu. \u201eIch glaube nicht, dass ich mich innerhalb eines Abends verlieben kann. Das liegt nicht an dir.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie l\u00e4chelte. \u201eDas habe ich auch nicht erwartet. Dinge, die man f\u00fcr bedeutungsvoll h\u00e4lt, k\u00f6nnen ihre Bedeutung verlieren. Und vielleicht ist das gut so.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er schien nachzudenken und sch\u00fcttelte wieder den Kopf. \u201eEs ist nicht bedeutungslos. Wir kennen uns vielleicht nicht, doch wir sind uns nah. Wir sind uns gegen\u00fcber aufrichtig. Ich habe \u2026 Ich glaube, wir beide haben get\u00f6tet. Und haben Kameraden sterben sehen. Alles ist verg\u00e4nglich. Fl\u00fcchtig. Aber das macht es nicht bedeutungslos. Ich weigere mich zu glauben, dass nur Dinge von Dauer von Bedeutung sind.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie dachte dar\u00fcber nach. Diffuse Erinnerungen flackerten in ihr auf. \u201eIch mag die Vorstellung nicht, dass du get\u00f6tet hast.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist die Wahrheit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Faisah in den Flammen. Ihre Mutter, deren Leben und Tod so unn\u00fctz gewesen waren. All die Unbekannten, die Laurien im Kampf besiegt hatte. Sie schauderte, weil die Erinnerungen wie etwas Kaltes, Abscheuliches in ihr hausten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann sagte sie: \u201eIch wei\u00df, dass es in dieser Welt nichts gibt, wof\u00fcr es sich zu k\u00e4mpfen lohnt. Weil alles eine L\u00fcge wird, sobald man darum k\u00e4mpft. Ich glaube, die Liebe ist das Gegenteil von K\u00e4mpfen. Man sehnt sich nach etwas, ohne zu versuchen, es zu bekommen. Und trotzdem \u2026 ist es so schwer, das K\u00e4mpfen aufzugeben und die Sehnsucht auszuhalten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Lange schwieg er, bis er fragte: \u201eSehnsucht wonach?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEine bessere Welt wahrscheinlich. Aber wenn ich ehrlich bin: Ich will \u00fcber die Welt nicht mehr nachdenken. Ich werde mich nach dieser Nacht sehnen. Nach diesem Moment mit dir.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wollte mehr sagen, aber Tr\u00e4nen erstickten ihre Stimme.<\/p>\n\n\n\n<p>Er legte die H\u00e4nde um ihre Wangen und sah sie an. \u201eEs ist nicht bedeutungslos\u201c, fl\u00fcsterte er. \u201eNicht f\u00fcr mich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn er nur w\u00fcsste, wie viel es ihr bedeutete! Aber sie war nicht so aufrichtig ihm gegen\u00fcber, wie er dachte, jedenfalls nicht, wenn sie redeten. Erneut zog sie ihn auf sich herab, diesmal gefasster und weniger ungeduldig.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWillst du mir immer noch nicht verraten, wie du hei\u00dft?\u201c, fragte er zwischen ihren K\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er l\u00e4chelte resigniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim zweiten Mal lie\u00dfen sie sich mehr Zeit. Er \u00f6ffnete ihren Waffenrock und das Hemd, das sie darunter trug, und sie bewunderten beide ihre makellosen Br\u00fcste mit den blassen H\u00f6fen. So, wie er sie ber\u00fchrte, lie\u00df sich leicht vergessen, dass es nicht ihr K\u00f6rper war. Als er in sie eindrang, glaubte sie zu schmelzen, und auch der Schmerz schmolz fort. Wie eine Welle, die an einer Klippe bricht, st\u00fcrzte sie in sich selbst zur\u00fcck, wirbelnd und wirbelnd in einem Gl\u00fcck, das vollkommen und tief war wie die Winternacht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu bist so sch\u00f6n\u201c, fl\u00fcsterte er, als er sie danach in den Armen hielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es brach ihr das Herz. Sie schloss die Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch will dich wiedersehen\u201c, sagte er.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWeil ich sch\u00f6n bin?\u201c Sie schaffte es gerade so, es wie eine Frage und nicht wie einen Vorwurf klingen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch habe gesagt, dass ich mich nicht innerhalb einer Nacht verlieben kann. Aber es f\u00fchlt sich an, als w\u00fcrde ich dich kennen. Das hier ist besonders. Du bist besonders.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie l\u00f6ste sich aus seinen Armen, stand auf und schloss ihre Kleider. Sie f\u00fchlte sich immer noch, als best\u00fcnde sie mehr aus Sternen und Wolken denn aus Fleisch und Blut, aber Traurigkeit \u00fcberschwemmte sie. Sie war eine L\u00fcgnerin und er sagte dieselben leeren Floskeln offenbar zu jeder.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eK\u00fcmmern wir uns endlich um die Toten.\u201c Sie packte eine der Leichen und zog sie vom Karren. Abermals verga\u00df sie, wie schwach ihr fremder K\u00f6rper war, und Perak\u00edn musste sie st\u00fctzen, als sie unter dem Gewicht strauchelte. Gemeinsam warfen sie die Leiche auf den Scheiterhaufen. Funken wirbelten auf. Laurien h\u00e4tte weinen k\u00f6nnen. Nichts hatte Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber sie weinte nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir sollten das Feuer mit etwas Holz sch\u00fcren\u201c, sagte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Er strich ihr Haar zur Seite und k\u00fcsste sie auf ein Ohr. Es f\u00fchlte sich nur noch kameradschaftlich an. \u201eDu solltest Befehlshaberin werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie brachen zwei Bretter aus dem Karren und schoben sie in die Glut. Als die Flammen daran emporleckten, \u00fcbergaben sie auch die restlichen Toten dem Feuer. Ein bei\u00dfender Gestank breitete sich aus, an den sie allerdings beide gew\u00f6hnt waren. Nach getaner Arbeit sahen sie ins Feuer und Laurien kniete nieder, um ein wenig Schnee aufzuheben und wieder herabrieseln zu lassen \u2013 eine elfische Geste, um von den Toten Abschied zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHast du von deinen Eltern auch zwergische Br\u00e4uche gelernt?\u201c, fragte er.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sch\u00fcttelte den Kopf, immer noch unf\u00e4hig, eine L\u00fcge auszusprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann zogen sie den Karren zur\u00fcck Richtung Stadt. Davon, wie sie nebeneinander im Gleichschritt gingen und ihre H\u00e4nde sich am Holz ber\u00fchrten, wurde Lauriens Traurigkeit ein wenig aufgeschoben. Wenn sie nachdachte, wusste sie, dass sie etwas Falsches getan hatte und dass sie Perak\u00edn vielleicht nie mehr so m\u00f6gen w\u00fcrde wie zuvor. Aber im Moment wollte sie noch nicht nachdenken. Und fast war ihr, als liege in ihrem F\u00fchlen eine gr\u00f6\u00dfere Wahrheit \u2013 die Wahrheit, dass vielleicht doch alles gut war.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter den Felsplateaus, auf denen Ivenhall thronte, erbleichte der Himmel, sodass der Eisenturm sich abzuheben begann. Viel Zeit blieb nicht, bis der Zauber verfliegen w\u00fcrde. Aber die Endlichkeit dieser Nacht machte die letzten Momente intensiver.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs wirkt wie eine Wunde\u201c, sagte sie und wies auf den Katzenrachen, der die Stadt umgab. \u201eAls h\u00e4tte jemand das Herz des Reiches herausgeschnitten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie merkte, dass er etwas sagen wollte, aber es zur\u00fcckhielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Endlich fasste er den Mut: \u201eIch muss dich wiedersehen. Warum machst du so ein Geheimnis um deinen Namen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir werden uns noch begegnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Den Rest des Weges sagte niemand mehr etwas, aber ihr Schweigen war von vielen Blicken erf\u00fcllt und sie l\u00e4chelten. Laurien lie\u00df ihre Hand \u00fcber seine gleiten und ihre Finger verschr\u00e4nkten sich. Eine Ahnung von Helligkeit verlieh den Dingen nun Umrisse, doch es blieb bei dieser Ahnung. Als w\u00fcrde der Morgen die Nacht im Nacken k\u00fcssen und nicht gehen lassen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie erreichten das Krankenlager in der verfallenen Villa, und das j\u00fcngste Tageslicht saugte an den Schatten in den Stra\u00dfen. Perak\u00edns Gesicht schimmerte so grau und unwirklich vor Laurien, als w\u00fcrde sie sich schon nur noch an ihn erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGehst du zur\u00fcck zum Elfenlager? Ich begleite dich\u201c, bot er an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein. Ich will nicht, dass uns jemand zusammen sieht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDann werde ich bei der Fr\u00fchst\u00fccksausgabe die Augen nach dir offen halten. Und dich nicht gr\u00fc\u00dfen.\u201c Er l\u00e4chelte, Unsicherheit im Blick.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBis dann, Perak\u00edn.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er zog sie noch einmal an sich, als sie sich schon zum Gehen wandte, und k\u00fcsste sie. Sie hatte gehofft, dass er es tun w\u00fcrde, doch nun gelang es ihr nicht mehr, etwas anderes zu empfinden als Traurigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie l\u00f6ste sich und lief die n\u00e4chste Treppe hinauf. Begann zu rennen. Im Rennen merkte sie, wie ihr K\u00f6rper sich ver\u00e4nderte, st\u00e4rker und schneller wurde, und als sie sich die Tr\u00e4nen von den Wangen wischte, sp\u00fcrte sie ihre vernarbte Haut.<\/p>\n\n\n\n<p>Er w\u00fcrde es nie erfahren. Ihr Herz w\u00fcrde von jetzt an und f\u00fcr immer in ihr begraben sein wie in einem Sarg.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie den Palast erreichte und aufblickte, wirkte der Winterhimmel \u00fcber ihr riesig und dabei so verletzlich, ein Bl\u00fctenbl\u00e4ttergewebe \u00fcber dem Abgrund der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"has-text-align-center\">7.<\/h1>\n\n\n\n<p>Als Laurien am Morgen zu Heganens Versammlung kam, die diesmal im engsten Kreis der Gener\u00e4le und Verb\u00fcndeten stattfand, sa\u00df Perak\u00edn neben seinem Vater F\u00fcrst Githeon. Die Schatten unter seinen Augen waren etwas dunkler, ansonsten verriet nichts an ihm, was letzte Nacht passiert war. Er schenkte Laurien keine Beachtung, nicht einmal einen Blick wie sonst. Sie zwang sich, jetzt nicht dar\u00fcber nachzudenken, sondern sich auf das Gespr\u00e4ch zu konzentrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e\u2026 werden die F\u00fcrsten von Dotha, Karuten und Morigatha Euch als K\u00f6nig von Ivenhall anerkennen, wenn Ihr Prinzessin <a>Kanem\u00f4 <\/a>ehelicht und den Thronfolger, der aus der Ehe hervorgeht, zu gegebener Zeit mit einer Tochter jener Familien verm\u00e4hlt\u201c, berichtete General Fangren, der von seiner Reise durch den Osten zur\u00fcckgekehrt war, um mit den F\u00fcrsten zu verhandeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Heganen stand mit ausgebreiteten Armen neben seinem Stuhl, denn zwei Schneider nahmen soeben die letzten \u00c4nderungen an seiner neuen Garderobe vor. Es tat Laurien weh, den Rebellenf\u00fchrer in Prunkgew\u00e4ndern zu sehen. Bevor er die Rebellion gegen Ivenhall begonnen hatte, war Heganen ein Bauer gewesen, tief in den wilden Ostterritorien des Reiches. Mit seiner kr\u00e4ftigen Statur und seinem energischen, markanten Gesicht strahlte er den Stolz eines Wilden aus. In Lumpen hatte er die Massen bewegen k\u00f6nnen und war Hoffnungstr\u00e4ger der unterworfenen L\u00e4nder geworden. Aber nun, da der Schmutz von seiner Stirn gewaschen war, sein Bart gestutzt und gewachst, und Goldbrokat seinen Hals einschn\u00fcrte, wirkte er wie ein dressiertes Tier.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEine Osttochter soll Frau meines k\u00fcnftigen Sohnes werden. Den Wunsch kann ich den F\u00fcrsten erf\u00fcllen\u201c, sagte Heganen und schmunzelte. \u201eDoch erinnere die Rebellionsgegner auf deiner n\u00e4chsten Reise, Fangren, dass mein Sohn nicht zwingend K\u00f6nig wird \u2013 und seine Frau nicht zwingend K\u00f6nigin. Wir haben schlie\u00dflich daf\u00fcr gek\u00e4mpft, dass nicht mehr das Blut entscheidet, wer herrscht, sondern das Volk. Nach mir wird K\u00f6nig, wer am besten daf\u00fcr geeignet ist, und sei es das Kind eines Abfallsammlers!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gener\u00e4le und Verb\u00fcndeten trommelten mit den F\u00e4usten auf die steinerne Tischplatte. Laurien tauschte einen besorgten Blick mit ihren Freunden Erinian und Savionne. Inzwischen sprach Heganen offen dar\u00fcber, dass er den Thron besteigen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Ostf\u00fcrsten werden das nicht gern h\u00f6ren\u201c, sagte Fangren grimmig. Obwohl er der \u00dcberbringer der schlechten Nachricht sein w\u00fcrde, funkelte in seinen Augen Genugtuung. Er selbst war Abk\u00f6mmling eines kleinen F\u00fcrstentums, das sich der Rebellion angeschlossen hatte, und obwohl es die Erbfolge von Vater zu Sohn beibehielt, hatte es Krieg gef\u00fchrt, damit der K\u00f6nig k\u00fcnftig gew\u00e4hlt w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Ostf\u00fcrsten werden sich damit zufriedengeben m\u00fcssen. Ich glaube, sie f\u00fcrchten einen offenen Krieg gegen uns\u201c, warf Mamres B\u00e4renklaue ein, eine kleine, runde Kauffrau aus Andigora, die die Rebellion mit Gold und keiner geringen Anzahl frei gelassener Sklaven aus ihren Minen unterst\u00fctzt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Gel\u00e4chter erscholl.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch bin zuversichtlich, dass wir mit den Ostf\u00fcrsten einig werden. Oder dass sie zumindest davon absehen, unsere Feinde zu unterst\u00fctzen\u201c, sagte Heganen und wandte sich Laurien zu. \u201eWas sagen die Weisen vom Brunnen zu meiner Hochzeit mit der Prinzessin? Die Herrin Alarion und der Herr Niran erscheinen nicht mehr zu meinen Versammlungen, obwohl ich sie ausdr\u00fccklich eingeladen habe. Ich wei\u00df, es gef\u00e4llt ihnen nicht, dass ich den K\u00f6nigstitel annehmen werde. Aber es wird Tausenden das Leben retten. Hast du ihnen das verst\u00e4ndlich gemacht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Laurien erwiderte den Blick des Rebellenf\u00fchrers eindringlich. \u201eMein Volk hat immer noch Bedenken.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber in Heganens Braut flie\u00dft elfisches Blut\u201c, rief einer der Gener\u00e4le, Sethan, mit einer Entr\u00fcstung aus, die Laurien gek\u00fcnstelt vorkam. \u201eWas k\u00f6nnten die Hohen Elfen dagegen haben, dass eine ihrer T\u00f6chter K\u00f6nigin von Ivenhall wird?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Heganen runzelte erwartungsvoll die Stirn.<\/p>\n\n\n\n<p>Laurien w\u00e4hlte ihre Worte mit Bedacht. \u201eAls die Weisen vom Brunnen euch Unterst\u00fctzung in der Rebellion gegen K\u00f6nig Sagamenon zusagten, hatten wir dasselbe Ziel: Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit f\u00fcr die Territorien. Die Hohen Elfen wollen nach wie vor, dass das K\u00f6nigreich Ivenhall zerschlagen wird. Ihr werdet verstehen, dass mein Volk daher nicht begeistert ist, dass Ivenhall mit dir als K\u00f6nig fortbestehen soll.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mehrere Getreue Heganens wollten protestieren, doch Heganen hob die Hand, um ihnen Einhalt zu gebieten. \u201eIch verstehe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr einen Moment erkannte Laurien wieder den Mann in ihm, dem sie in so viele Schlachten gefolgt war \u2013 den ernsten, gerechten Mann, der auf seine Vernunft h\u00f6rte und nicht auf seine Leidenschaften.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann fuhr Heganen fort: \u201eAber die Hohen Elfen m\u00fcssen einsehen, dass wir das Reich nicht dem Chaos \u00fcberlassen k\u00f6nnen. Die uneinigen Territorien m\u00fcssen befriedet werden, und im Norden und Osten rotten sich R\u00e4uberbanden unter der Flagge der Rebellion zusammen, um ganze Landstriche zu \u00fcberfallen. Jemand muss die Menschen dort besch\u00fctzen, bis sich stabile Regierungen gebildet haben. In alten Zeiten war das die Aufgabe des K\u00f6nigs \u2013 Streit zu schlichten, wo er entsteht. So soll es wieder sein. Ivenhall wird kein Gro\u00dfreich mehr sein, sondern eine Idee der Einheit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Laurien erwiderte seinen forschenden Blick, ohne zu antworten. Sie wusste, ihr Schweigen beunruhigte manche Gener\u00e4le am Tisch. Viele Menschen misstrauten den Elfen und w\u00e4ren sie am liebsten losgeworden, nun, da sie K\u00f6nig Sagamenon gemeinsam gest\u00fcrzt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Heganen bedeutete den Schneidern innezuhalten und trat vor Laurien. Er legte ihr eine Hand auf den Arm. Seine starke, von K\u00e4mpfen gezeichnete Hand, die ihr oft Vertrauen eingefl\u00f6\u00dft hatte \u2026 Sie bemerkte die kostbaren Ringe an seinen Fingern und biss die Z\u00e4hne zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eRichte den Weisen aus, dass unser Kampf noch nicht vorbei ist. Ich habe den Territorien Freiheit gebracht. Nun muss ich ihnen auch Frieden bringen. Als Zeichen daf\u00fcr, wie viel die Menschen den Elfen zu verdanken haben, werde ich eine Tochter ihres Blutes zur K\u00f6nigin machen. Diese Geste ist doch unmissverst\u00e4ndlich, oder?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sah zu ihm auf. \u201eDie Geste kann auf so vielerlei Weisen missverstanden werden, Heganen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er dr\u00fcckte ihren Arm, ehe er zu seinem Schneider zur\u00fcckkehrte. \u201eIch habe vollstes Vertrauen in dich, dass du dein Volk \u00fcberzeugen wirst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Sitzung kehrte Laurien mit Savionne und Erinian in den Hofgarten zur\u00fcck, in dem die Elfen ihr Lager aufgeschlagen hatten. Inmitten eines Labyrinths aus Rosenhecken und Weiden stand eine wei\u00dfe Pagode, die vage an Madgar Yhs erinnerte. Es hie\u00df, die Gemahlin K\u00f6nig Sagamenons habe sie bauen lassen, um die Sehnsucht nach ihrer Heimat in den Sommerw\u00e4ldern zu lindern. Laurien und die Elfenkrieger zogen den Hofgarten den d\u00fcsteren, raucherf\u00fcllten Schlafkammern des Palastes vor, denn die K\u00e4lte machte ihnen weniger aus als Menschen. Und es gab wohl keinen Elfen, dem es nicht am Herzen lag, nachts die Sterne zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Alarion und Niran hatten ihr Lager hier aufgeschlagen. Jedoch verbrachten die Weisen vom Brunnen die meiste Zeit in der k\u00f6niglichen Bibliothek. Es hie\u00df, sie verbrannten alle magischen Schriften, damit die Menschen nie wieder Zugang dazu bekamen. So blass und ersch\u00f6pft, wie sie aussahen, musste es wohl stimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sa\u00dfen in der Pagode und tranken warme Butternussmilch mit Orchideennektar. Der Duft versetzte Laurien in die Vergangenheit zur\u00fcck. Drei Jahre war sie nun schon nicht mehr in Madgar Yhs gewesen, und f\u00fcr einen Moment tauchte ihre Wabenkammer im hohlen Baum vor ihrem inneren Auge auf, in der sie w\u00e4hrend ihrer Ausbildungsjahre geschlafen hatte, das Rascheln des Schilfs in der Nacht und das Vogelzwitschern am Morgen und vor allem die Ger\u00fcche \u2013 das Trockenmoos und die Lavendelstr\u00e4u\u00dfe in ihrer Matratze, die dampfende Butternussmilch zum Fr\u00fchst\u00fcck, der staubige Duft der Wollgr\u00e4ser, die in langen, gl\u00e4nzenden F\u00e4den zum Trocknen von den Zweigen hingen und aus denen die Alten und die Gelehrten in and\u00e4chtiger Konzentration Maru\u00e9-Stoff woben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSeid gesegnet!\u201c, gr\u00fc\u00dfte Alarion, k\u00fchl wie immer, und bedeutete ihnen, an ihrem kleinen Feuer Platz zu nehmen. Laurien, Savionne und Erinian lie\u00dfen sich nieder. Niran schien mit einiger M\u00fche seine Reglosigkeit zu \u00fcberwinden, um vor jeden von ihnen einen Steinbecher zu stellen und mit Butternussmilch zu f\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da die Sonne im Zenit stand, befanden sich alle anderen beim Mittagsmahl. Nichts r\u00fchrte sich um sie herum. Nur ein wenig frostglitzerndes Herbstlaub taumelte, von einem Luftzug getragen, am Gel\u00e4nder der Pagode entlang. Eine Weile genoss Laurien den hei\u00dfen Becher in ihren H\u00e4nden und die kalte Luft in ihren Lungen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIst Heganen bereit, von seinen Heiratspl\u00e4nen abzusehen?\u201c, fragte Alarion.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein.\u201c Laurien verkniff sich ein Seufzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alarion trank einen Schluck. \u201eHast du ihm ausgerichtet, dass wir ihn nicht als K\u00f6nig von Ivenhall anerkennen werden? Dass jeder, der sich zum Herrscher des Gro\u00dfreiches erkl\u00e4rt, unser Feind ist?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGebt ihm Zeit. Die Situation ist \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu hast es ihm nicht gesagt\u201c, stellte Alarion fest. \u201eDu widersetzt dich dem Befehl der Weisen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Abschaffung von Ivenhall braucht Zeit\u201c, beharrte Laurien. \u201eHeganen hat nicht Unrecht damit, dass Ordnung in das Chaos gebracht werden muss, das der Krieg verursacht hat. Die Territorien brauchen Hilfe, um ihre eigenen Regierungen zu bilden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch stimme zu\u201c, sagte Savionne.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch ebenfalls\u201c, bekr\u00e4ftigte Erinian, aber erst nach einigem Z\u00f6gern.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHeganen will die Prinzessin heiraten\u201c, sagte Niran in scharfem Ton. \u201eDie Hochzeit darf nicht stattfinden. Das Blut der K\u00f6nige von Ivenhall muss ausgerottet werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Es war das erste Mal, dass Laurien so harte Worte aus dem Mund eines Weisen vom Brunnen h\u00f6rte. Einen Moment lang schwiegen alle erschrocken.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich reckte sich Alarion. \u201eEs darf keinen Menschen geben, der \u00fcber Bestien herrscht. Das war unser Grund, gegen K\u00f6nig Sagamenon Krieg zu f\u00fchren \u2013 und wir werden auch gegen jeden seiner Nachkommen Krieg f\u00fchren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Laurien verkniff sich einzuwerfen, dass das nicht stimmen k\u00f6nne, da die Weisen vom Brunnen in der Vergangenheit mit etlichen K\u00f6nigen von Ivenhall paktiert hatten. Und au\u00dferdem hatten sie doch den Zauberkessel zerst\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Savionne allerdings war nicht so zur\u00fcckhaltend. Die Befehlshaberin der Wasserklingen warf ein: \u201eWir haben an der Seite der Menschen gek\u00e4mpft und waren in den Territorien. Die Dinge k\u00f6nnen nicht so schnell abgeschlossen werden, wie Ihr es gern h\u00e4ttet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Alarion wandte sich demonstrativ an Laurien: \u201eWir wollen mit dir allein sprechen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Laurien nickte Erinian und Savionne zu, die die Augen verdrehte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs war mir wie immer eine Ehre\u201c, sagte Savionne zum Abschied und verneigte sich tief vor den beiden Weisen vom Brunnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erinian entschied sich daf\u00fcr, ohne Abschiedsgru\u00df zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Laurien sah ihnen nach. Dass die beiden fortgeschickt wurden, war ein schlechtes Zeichen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu verehrst Heganen zu sehr\u201c, sprach Alarion leise. \u201eDas beunruhigt uns. Du m\u00fcsstest doch erkennen, welcher Wandel sich an ihm vollzieht. Laurien \u2026 Er will die K\u00f6nigstochter heiraten! Und die Bestien in den Drachent\u00fcrmen hat er auch noch nicht t\u00f6ten lassen. Weil er sie nutzen will. Er wird ein Kind mit der Prinzessin zeugen. Ein Kind, das ihn liebt und alles f\u00fcr ihn tun wird. Zum Beispiel Bestien gegen seine Feinde hetzen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Laurien atmete tief durch. \u201eWas gedenkt ihr zu tun?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ergriff Niran das Wort: \u201eUm die Prinzessin werden wir uns k\u00fcmmern. Du stehst Heganen nah. Wenn er sie heiratet und sich kr\u00f6nen l\u00e4sst, musst du einen Weg finden \u2026 ihn zu beseitigen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Laurien erz\u00e4hlte Savionne und Erinian nichts von dem Auftrag der Weisen vom Brunnen. Weniger, weil es Verrat gewesen w\u00e4re, sondern weil sie es nicht wahrhaben wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch werde noch einmal mit Heganen sprechen\u201c, sagte sie den beiden ausweichend.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie suchte ihn in einem der k\u00f6niglichen Prunkgem\u00e4cher auf, wo er sich von einem Diener rasieren lie\u00df, und beschwor ihn, keine voreilige Entscheidung zu treffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch seine Antwort war niederschmetternd: \u201eIch werde die Hochzeit nicht um einen einzigen Tag hinausschieben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Laurien konnte ihn kaum ansehen, wie er so seelenruhig unter dem Rasiermesser lag. Sie wandte sich ab und trat vor eins der hohen Fenster. \u201eDie Weisen vom Brunnen werden dich nicht als K\u00f6nig von Ivenhall anerkennen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd das Elfenheer?\u201c, erwiderte er.<\/p>\n\n\n\n<p>Laurien starrte ins Land hinaus, das im Schneetreiben flimmerte. \u201eZwing mich nicht, eine Spaltung meines Volkes zu provozieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Heganen lie\u00df ein brummendes Lachen vernehmen. \u201eVielleicht ist eine Spaltung an der Zeit. Du kannst nicht f\u00fcr die Herrscher deines Volkes k\u00e4mpfen <em>und<\/em> f\u00fcr die Gerechtigkeit. Eins muss dir wichtiger sein. W\u00e4hle.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie anma\u00dfend, dich selbst als Gerechtigkeit zu bezeichnen!\u201c Sie drehte sich zu ihm um. Mittlerweile hatte er sich aufgerichtet und wischte sich das Gesicht an einem Tuch ab. Laurien fuhr fort: \u201eIch habe nicht f\u00fcr die Weisen vom Brunnen gek\u00e4mpft. Und ich werde auch nicht f\u00fcr dich k\u00e4mpfen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSondern f\u00fcr Perak\u00edn?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie zuckte zusammen. \u201eWas?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er beobachtete sie genau. \u201eTu nicht so, als w\u00fcsstest du nicht, dass F\u00fcrst Githeons j\u00fcngerer Sohn Gegner meiner Kr\u00f6nung um sich schart. Und das ist es doch, was du mir androhst \u2013 dass die Hohen Elfen Perak\u00edn unterst\u00fctzen werden, wenn ich den Weisen vom Brunnen nicht gehorche. Du solltest von allen am besten wissen, dass ich mich nicht von Drohungen einsch\u00fcchtern lasse, Laurien. Ich werde weiterhin das tun, was richtig ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie bebte vor Zorn. War ihr fr\u00fcher nie aufgefallen, wie herablassend er mit ihr sprach? Vielleicht hatte Alarion recht: Sie verehrte ihn zu sehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch selbst wenn das nun vorbei war, konnte sie ihn nicht \u2026 Nein, unm\u00f6glich. Sie sah ihn verzweifelt an. Wenn sie ihm nur klarmachen k\u00f6nnte, in welche Lage er sie und sich selbst brachte!<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas ist nur aus dir geworden?\u201c, fragte sie bitter.<\/p>\n\n\n\n<p>Er warf das Tuch zu Boden. \u201eEin Aufst\u00e4ndischer, der an der Macht ist. Mit all der Verantwortung, die damit einhergeht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wollte ihm glauben. So wie fr\u00fcher. Und hatte er nicht Recht? Alles war im Wandel. Bedeutungen ver\u00e4nderten sich. Sie wollte es glauben \u2026 doch sie schaffte es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie trat vor Heganen und diesmal war sie es, die eine Hand auf seine Schulter legte. Es machte ihr nichts aus, dass er merkte, wie sie zitterte. \u201eWenn du die Prinzessin heiratest und dich kr\u00f6nen l\u00e4sst, stehen wir nicht mehr auf derselben Seite.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil zwei &#8211; Kapitel 6 + 7 Wie schnell die Zeit vergeht. Heute kommt unser letzter Leseabschnitt &#8211; das Ende von Teil zwei. 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