{"id":1756,"date":"2021-10-10T16:40:32","date_gmt":"2021-10-10T15:40:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=1756"},"modified":"2021-10-10T16:40:32","modified_gmt":"2021-10-10T15:40:32","slug":"das-zeitalter-der-drachen-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=1756","title":{"rendered":"Das Zeitalter der Drachen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"has-text-align-center\">Kapitel 2 &#8211; 3<\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Gem\u00fctlichen Sonntagabend w\u00fcnsche ich euch! Und schon geht es weiter mit Kapitel 2 &#8211; 3. Wir sind immer noch in Ydras Horn und lernen Nireka und die Untergrundfestung besser kennen. Au\u00dferdem kommen Besucher &#8211; und insbesondere einer von ihnen wird noch ein wenig wichtiger f\u00fcr Nireka. Denn was w\u00e4re eine Geschichte ohne das eine oder andere Techtelmechtel? Mit diesem Ausblick w\u00fcnsche ich euch viel Vergn\u00fcgen beim Schm\u00f6kern und freue mich auf eure Kommentare!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Kapitel 2<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka war schon wach, als Ydras Horn noch in tiefer Nachtstille versunken lag. Sie erinnerte sich nicht, zu sich gekommen zu sein, so seicht war ihr Schlaf gewesen. Gedankenf\u00e4den waren ununterbrochen durch ihr Bewusstsein geribbelt und hatten verhindert, dass sie tiefer als in ein D\u00f6sen absank. Heute w\u00fcrden sie zum ersten Mal seit zwei Monden an die Oberfl\u00e4che gehen und sich ansehen, was w\u00e4hrend der Belagerung durch den Drachen passiert war.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie stand auf, schl\u00fcpfte in ihre Beinkleider und Stiefel und ihren Kapuzen\u00fcberwurf. Noch w\u00e4hrend sie den G\u00fcrtel festzog, schlich sie aus dem dunklen Quartier, das sie sich mit ihrem Vater teilte. Patinon schlief im Nebenraum; sie h\u00f6rte ihn tief und pustend atmen. Im Kamin des Vorzimmers glomm noch ein wenig Glut. Leise schloss sie die Holzt\u00fcr hinter sich. Der Waschsaal mit seiner hohen, gew\u00f6lbten Decke lag am Ende des Korridors und wurde von den Bewohnern aller sieben Quartiere auf dieser Seite des sechsunddrei\u00dfigsten Stockwerks geteilt. Nireka ging hin und wusch sich das Gesicht im Schein einer einsamen Fettlampe. Dann stieg sie die schier endlose Treppe empor, die vom Sonnendeck tief unten bis hinauf zum ersten Stockwerk f\u00fchrte. Sie kam an Korridoren links und rechts mit Quartieren vorbei, die so identisch waren wie Waben in einem Bienenstock. Nichts regte sich. Alles schlief, als w\u00fcrde die Untergrundfestung den Atem anhalten, und ein gleichm\u00e4\u00dfiger hohler Widerhall erf\u00fcllte die Luft, der von feinsten Windstr\u00f6mungen aus den Sch\u00e4chten kommen musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Nireka sich warmgelaufen dem ersten Stockwerk n\u00e4herte, kam ihr ein Duft entgegen. Sie war also nicht die Einzige, die schon auf war. Sie bog links in den offenen Korridor ab, der breiter war als alle unteren, und trat in den hohen Saal, in dem Licht glomm. Lange Tische waren hier aufgebaut, an denen rund zwanzig M\u00e4nner und Frauen in Sch\u00fcrzen Teig mischten und zu verschiedenen Brotlaiben formten. Viele der B\u00e4cker waren Mischlinge wie Nireka. Sie waren etwas gr\u00f6\u00dfer als die Zwerge, hatten nicht das typische krause, helle Haar und die quadratischen Gesichter mit den gro\u00dfen M\u00fcndern und rundlichen Nasen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kunst des Brotbackens hatten die Menschen mitgebracht, die in Ydras Horn Zuflucht gefunden hatten. Luftige ges\u00e4uerte Wei\u00dfbrote, leicht wie Wolken, und dunkle, mit Malz ges\u00fc\u00dfte Schrotziegel, s\u00fc\u00dfe Nusskringel und weiche Milchkuchen waren allesamt Erfindungen der Menschen, die nun ein fester Bestandteil von Ydras Horn geworden waren. Dreiback, das einzige Brot, das die Zwerge traditionell herstellten, war d\u00fcnn, hart und \u2013 wie der Name schon sagte &#8211; dreifach gebacken, was es lange haltbar machte. Denn die Zwerge waren urspr\u00fcnglich ein Volk von Seefahrern gewesen, und das merkte man ihrer K\u00fcche an, obwohl es heute kein Fischer mehr wagte, weiter als eine Feldl\u00e4nge von der K\u00fcste wegzurudern.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNa, wer kommt da reingetrapst?\u201c, begr\u00fc\u00dfte Rignan sie, der in der B\u00e4ckerei arbeitete, seit Nireka denken konnte. Der gro\u00dfe, schwere Mann mit der Halbglatze stemmte die F\u00e4uste in die H\u00fcften, wobei Mehl seine Sch\u00fcrze umw\u00f6lkte. \u201eF\u00fcr Diebe ist es aber noch zu fr\u00fch. Die erste Fuhre ist noch im Ofen.\u201c Rignan deutete auf die zwei Dutzend eisernen, in die Wand eingelassenen \u00d6fen hinter ihm. Angenehme W\u00e4rme strahlte von ihnen ab, die gerade erst zu duften begann.<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka st\u00fctzte die H\u00e4nde auf den alten Holztisch. \u201eIch bin ein geduldiger Dieb und kann warten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDann mach dich n\u00fctzlich, und hol mir zwei S\u00e4cke Weizenmehl aus dem Lager, das einfach gesiebte!\u201c, befahl Rignan.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWird gemacht.\u201c Sie holte das Mehl. Es auch nur das kurze St\u00fcck vom Lager zu den Werktischen zu tragen brachte sie bereits ins Schwitzen. Rignan gab ihr noch weitere Aufgaben und lie\u00df sie sogar ein paar Roggenschnecken formen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSehen fast wie Roggenschnecken aus\u201c, urteilte er mit einem einzigen schnellen Blick.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch werde sie selbst essen\u201c, versprach Nireka.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten Brote wurden aus den \u00d6fen gezogen. Sie dufteten k\u00f6stlich, und der einzige Grund, weshalb Nireka sich zusammenrei\u00dfen konnte und nicht tats\u00e4chlich zur Diebin wurde, war der, dass sie sich gestern Abend beim Fest pappsatt gegessen hatte und eigentlich nicht sehr hungrig war. Sie half, die Brote in die Speises\u00e4le im dritten Stockwerk zu tragen, wo sich Ydras Horn morgens zum Fr\u00fchst\u00fccken versammelte oder die Leute sich ihre Brotration abholten. Helfer aus den K\u00fcchen waren schon dabei, Schafsk\u00e4se, R\u00e4ucherfisch und Asip, einen Aufstrich aus Schafsrahm, Kartoffelbrei und Knoblauch, auf die Tische zu stellen. Bald trafen auch die ersten Hungrigen ein, jedoch merklich weniger als sonst. Schlie\u00dflich war es eine lange Nacht gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka hielt Ausschau nach ihrem Vater und ihrer Schwester Patinka und deren Kindern, aber niemand kam au\u00dfer ihrer kleinen Nichte, die ebenfalls Nireka hie\u00df. Sie holte Brot f\u00fcr die Familie, die heute unter sich fr\u00fchst\u00fccken wollte. Nireka a\u00df daher mit Rignan und den B\u00e4ckern. Rignan tauschte eine seiner perfekt geformten Roggenschnecken gegen eine, die Nireka gemacht hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSchmeckt sogar fast wie eine Roggenschnecke!\u201c, sagte er lobend.<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka grinste und verpasste dem B\u00e4cker einen Knuff, der ihn nicht einmal ansatzweise ins Schwanken brachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck versammelte sich eine kleine Gruppe vor dem Speisesaal. Es waren die Freiwilligen, die sich gemeldet hatten, um an die Oberfl\u00e4che zu gehen. Nireka gesellte sich zu ihnen. Sie besprachen, wer wohin gehen w\u00fcrde: Die Felder und Obstwiesen mussten \u00fcberpr\u00fcft werden, auch die Lichtungen im Wald, auf denen sie j\u00e4hrlich neue Pappeln und Birken f\u00fcr Brennholz pflanzten, und die Schafweiden. Nireka erkl\u00e4rte sich bereit, nach den B\u00e4umen zu sehen, die am weitesten von der Untergrundfestung entfernt lagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie holten sich \u00c4xte und entz\u00fcndeten Fackeln, dann machten sie sich auf den Weg. Nireka und ihre Gruppe folgten dem Tunnel, der zum Wald f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine halbe Ewigkeit folgten sie ihm geradeaus und nur leicht bergauf durch die Finsternis, in der ihr Atem und ihre Schritte weit hallten. Dann tauchten Ecken auf, die den geraden Weg unterbrachen, um Feuer abzuhalten, das von au\u00dfen hineingeblasen werden mochte. Sie waren dem Ausgang nah.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber schmale, steile und verschachtelte Treppen stiegen sie aufw\u00e4rts. Die Luft ver\u00e4nderte sich, wurde frischer, bewegter. Laub raschelte unter ihren F\u00fc\u00dfen, und Wurzeln zeigten sich wie Adern in den W\u00e4nden. Schlie\u00dflich schimmerte ein wei\u00dfer Lichtfleck vor ihnen auf. Nirekas Herz schlug schneller. Sie l\u00f6schten ihre Fackeln und lehnten sie gegen die Wand, dann stiegen sie die letzten knorrigen Holzstufen empor und hinaus aus einer ausgeh\u00f6hlten Eiche.<\/p>\n\n\n\n<p>In der zerfurchten Rinde war der Eingang kaum zu sehen. Der Baum war riesig und schon lange tot, sofern er \u00fcberhaupt je gelebt hatte und nicht die Sch\u00f6pfung eines Zauberers war. Kein Blatt hing an den Zweigen, doch es war schier unm\u00f6glich, einen abzurei\u00dfen &#8211; das Holz war hart wie Metall.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie kletterten \u00fcber die Wurzeln der Eiche, legten die K\u00f6pfe zur\u00fcck und seufzten.<\/p>\n\n\n\n<p>Luft.<\/p>\n\n\n\n<p>Sonnenlicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war so ungewohnt hell, dass Nireka die Augen zusammenkneifen musste. Sie nahm tiefe Atemz\u00fcge. Der Fr\u00fchlingswald war voller D\u00fcfte. Die milchige Sch\u00e4rfe von Trieben, von jungen, noch weichen Tannennadeln und von dicken Dotterblumen waberte \u00fcber den warmen Aromen des Waldbodens. Vor kurzem musste Regen gefallen sein, denn auch totes Holz und welkes Laub verstr\u00f6mten ihre dunkle S\u00fc\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wanderten quer durch den Wald, den Markierungen in den Baumst\u00e4mmen folgend, die ihnen den Weg zu den Lichtungen wiesen. Nireka genoss es, mit den Stiefeln im weichen Moos und in dem Teppich alter Tannennadeln zu versinken. Warm strichen die Sonnenstrahlen durch die Baumkronen und \u00fcber ihr Gesicht. Die ersten Schmetterlinge flatterten \u00fcber sumpfigen Blumenwiesen, und im Gezweig zwitscherten und sangen unz\u00e4hlige V\u00f6gel um die Wette. Nireka hatte das Gef\u00fchl, der Wald erf\u00fclle sie mit jedem Atemzug ein bisschen mehr, mache sie zu einem Teil dieser herrlichen, hellen, duftenden Welt. Fast wurde ihr ein wenig schwindelig, so viel Gutes wirkte auf sie ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einiger Zeit erreichten sie einen Hain junger Pappeln, die mit silbrigen Bl\u00e4ttern in der Brise winkten. Nireka atmete auf. Auch die anderen klopften sich erleichtert auf die Schultern und inspizierten die B\u00e4ume, die sie vor drei Jahren gepflanzt hatten. Keiner war besch\u00e4digt. Sie wanderten weiter, \u00fcber einen H\u00fcgel und zu H\u00e4ngen, die mit Birken bepflanzt waren. Kein Anzeichen von Feuer. Alles wuchs, wie es sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sie in den letzten zwei Monden ihre Vorr\u00e4te nicht hatten auff\u00fcllen k\u00f6nnen, f\u00e4llten sie f\u00fcnf B\u00e4ume, die das richtige Alter hatten. W\u00e4hrend sie die St\u00e4mme zuschnitten und f\u00fcr den R\u00fcckweg schn\u00fcrten, hielt immer einer Ausschau. \u00dcber den Pflanzungen war der Himmel offen. Sie w\u00e4ren sofort sichtbar, wenn der L\u00e4rm der \u00c4xte und fallenden B\u00e4ume sie verriet.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Nireka eine Pause vom Holzhacken brauchte, behielt sie eine Weile mit klopfendem Herzen und verschwitzt den Himmel im Blick. Die zartesten Wolken wanderten \u00fcber das Blau. Sonst regte sich nichts. Doch bei jeder Brise, die durch die Wipfel der B\u00e4ume strich, spannten sich ihre Muskeln an.<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich bewegte sich etwas Wei\u00dfes im Unterholz. Nireka hob instinktiv die Axt, aber dann erscholl ein langgezogenes, vorwurfsvolles \u201eM\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4hhhh\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Schaf. Zerzaust und grimmig stand es zwischen den Wurzeln der B\u00e4ume und be\u00e4ugte die Zwerge. Nireka senkte ihre Axt. Es war ein Schaf von Ydras Horn. So weit von den Weiden und Unterst\u00e4nden entfernt \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas machst du denn hier, Freundchen?\u201c, murmelte Nireka. Sie schob die Axt in ihren G\u00fcrtel und ging auf das Schaf zu. Erst wich es ver\u00e4ngstigt zur\u00fcck, aber schlie\u00dflich lie\u00df es sich von Nireka kraulen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBist du ganz allein hier?\u201c, fragte Nireka und untersuchte das Schaf auf Verletzungen. Doch abgesehen von Zweigen, Laub und Erde in seinem Fell, schien es unversehrt. \u201eBist in den Wald geflohen, hm? Das hast du ganz richtig gemacht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen waren die anderen auf sie aufmerksam geworden. Nireka wandte sich zu ihnen um. \u201eIch bringe es zur\u00fcck zu den Weiden. Wahrscheinlich sind mehrere in den Wald gefl\u00fcchtet, vielleicht finde ich auf dem Weg noch weitere.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die anderen warfen unsichere Blicke in den Himmel, nickten aber.<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka brach auf. Von der verzauberten Eiche aus, in die der Tunnel von Ydras Horn m\u00fcndete, kannte sie den Weg zu den Schafweiden. Sie w\u00fcrde ein gutes St\u00fcck unter freiem Himmel \u00fcber Wiesen laufen m\u00fcssen. Aber sie versuchte sich damit zu beruhigen, dass auch der Wald, durch den sie zuerst musste, im Grunde keine Sicherheit bot.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch hatte sie ein mulmiges Gef\u00fchl dabei, als die Axthiebe der anderen hinter ihr immer leiser wurden. Was f\u00fcr einen Unterschied es machte, ob man allein war oder zusammen, auch wenn die Gefahr dieselbe war! Wenigstens hatte sie das Schaf an ihrer Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem sie die verzauberte Eiche passiert hatten, \u00e4nderte sich der Wald. Pinien mit schirmartigen, hohen Baumkronen standen hier in weitem Abstand zueinander, und die Landschaft war viel offener. Die Luft wurde salziger. Schlie\u00dflich endete der Wald. Vor Nireka lagen sanfte H\u00fcgel mit B\u00fcschen und Heidekraut, das seine kleinen, violetten Bl\u00fcten im Wind sch\u00fcttelte. Die Sonne strahlte auf das Land herab, und einen Moment konnte Nireka sich nicht r\u00fchren, so sehr \u00fcberw\u00e4ltigte sie die schiere Weite der Insel, die ihre Heimat war. Von einem Horizont zum anderen erstreckten sich die H\u00fcgel, und der Himmel war endlos.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schaf wollte wieder in den Wald zur\u00fccklaufen. Nireka musste es festhalten und mit sich zerren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch wei\u00df, du hast Angst\u201c, murmelte sie. \u201eAber jetzt wird alles gut.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie fragte sich, was das Schaf gesehen haben musste, dass es sich jetzt so vor dem offenen Land f\u00fcrchtete. Bang erklomm sie den n\u00e4chsten H\u00fcgel. Als sie auf eine Anh\u00f6he gelangte, sah sie vor sich in der Ferne den graublauen Streifen Wasser, der hinter den schroffen Klippen die Grenze ihrer Welt markierte. Sie atmete tief durch. Der Wind wehte ihr nicht nur den Geruch des Meeres entgegen. Da war etwas Verbranntes.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sah zur Seite, wo die Felder und Weiden von Ydras Horn lagen. Oder gelegen hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Unterst\u00e4nde der Schafe waren vollst\u00e4ndig verschwunden. Nur ein schwarzer Krater in der Erde markierte die Stelle. Die Z\u00e4une waren ebenfalls an mehreren Stellen verkohlt. Nireka sah, dass Zwerge aus Ydras Horn daran arbeiteten, sie wieder aufzubauen. Ein paar Schafe wurden aus den H\u00fcgeln zusammengetrieben und zur\u00fcckgebracht. Aber wo war der Rest ihrer Herde?<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka schluckte schwer. Weiter hinten erstreckten sich verkohlte Fl\u00e4chen. Ihre Milchbohnen, ihre Leinsamen, ihre kostbaren Mehlwurzeln \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schaf versuchte wieder auszub\u00fcchsen und holte Nireka aus ihrer Verzweiflung zur\u00fcck. Die Belagerung war vorbei. Es war noch immer Fr\u00fchling. Sie hatten genug Saatgut, um es noch einmal zu versuchen. Irgendwie w\u00fcrden sie es schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka f\u00fchrte das Schaf den H\u00fcgel hinab zu den Weiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><br>*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Kapitel 3<\/p>\n\n\n\n<p>Ein R\u00e4uspern lie\u00df Nireka von dem Bericht aufblicken, den sie schrieb.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201ePatinon. Nireka\u201c, gr\u00fc\u00dfte sie Kedina. Er trat durch den hohen, schmalen Eingang in die Kammer der Weisen. Von drau\u00dfen umriss ihn der Schein der Sternlichter, die \u00fcber dem Sonnendeck schwebten. \u201eWir haben Besuch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVon wem?\u201c, fragte Patinon, der am anderen Ende des langen Tisches gegen\u00fcber von Nireka sa\u00df, umgeben von Wetterberichten der letzten Jahre, aus denen er eine \u00dcbersicht erstellen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie H\u00e4ndlertruppe von Resa Schlangenfu\u00df\u201c, sagte Kedina. \u201eSie kommen bereits die Treppe herunter.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Patinon nickte, schob Feder und Tinte beiseite und erhob sich. \u201eDann wollen wir sie willkommen hei\u00dfen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Nireka stand von ihrer Arbeit auf und holte den roten, mit Goldfaden durchwirkten Mantel aus dem Schrank, den Patinon bei offiziellen Anl\u00e4ssen trug, damit man ihn als Stimme von Ydras Horn erkannte. Sie half ihm in das lange, pr\u00e4chtige Gewand, das Patinon mit derselben Ergebenheit und Gelassenheit trug wie all seine Verantwortung. Er dr\u00fcckte Nirekas Arm zum Dank, und Nireka merkte, wie k\u00fchl seine Hand war. Fr\u00fcher war Patinon wie ein Ofen gewesen \u2013 nichts hatte Nireka so viel Geborgenheit schenken k\u00f6nnen wie seine Umarmung, wenn sie ganz in seiner W\u00e4rme versinken durfte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Er ist alt.<\/em> Der Gedanke schoss ihr durch den Kopf, und obwohl das der normale Lauf der Dinge war, schmerzte die Erkenntnis sie wie eine schreckliche Ungerechtigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Blick begegnete Kedinas, der beim Eingang wartete. Er l\u00e4chelte unbestimmt und sah weg. Seit er und Kani verk\u00fcndet hatten, dass sie Eltern werden w\u00fcrden, hatte Nireka das Gef\u00fchl, dass er ihr aus dem Weg ging. Vielleicht bildete sie es sich aber auch nur ein.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWoran arbeitest du?\u201c, fragte er und nickte in die Richtung ihrer Papiere.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch verfasse einen Bericht \u00fcber \u2026\u201c Sie err\u00f6tete. \u201e\u00dcber Geisterschatten bei jungen Frauen und die Frage, ob eine Schwangerschaft den Fluch vertreiben kann.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHm\u201c, machte er, als d\u00e4chte er sich nichts dabei. \u201eBist du schon zu einem Ergebnis gekommen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs scheint einen Zusammenhang zu geben. Aber oft bewirkt die erste Schwangerschaft \u2013 oder die zweite \u2013 erst eine Besessenheit. Wir haben immer noch zu wenige Informationen, um sicher zu sein, ob es einen Zusammenhang gibt, f\u00fcrchte ich. Und bei den von Geisterschatten befallenen M\u00e4nnern gibt es gar keine Angaben, ob sie kurz vorher oder w\u00e4hrenddessen ein Kind gezeugt haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber wenn wir alles dokumentieren, haben die Generationen nach uns hoffentlich genug Informationen\u201c, sagte er auf seine ruhige Art.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie nickte nur und antwortete nicht, denn sie hatte einen Klo\u00df im Hals. Sie hatte immer gemocht, dass er auf unaufgeregte Weise zuversichtlich war und sich das in Kleinigkeiten wie solchen Bemerkungen zeigte. Ihr wurde bewusst, wie oft sie schon zu dritt in der Kammer der Weisen gewesen waren \u2013 ihr Vater, Kedina und sie -, und wie wohl sie sich immer in diesem Dreiergespann gef\u00fchlt hatte. Aber nichts blieb, wie es war. Sie hatte nur gehofft, dass es noch ein wenig <em>l\u00e4nger<\/em> so sein w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie auf das Sonnendeck hinaustraten, sahen sie bereits die H\u00e4ndlertruppe, die inmitten einer neugierigen Menge die gro\u00dfe Treppe herabkam. Es waren haupts\u00e4chlich M\u00e4nner, aber auch ein paar Frauen in Segelkluft, mit ledernen Beinkleidern und Kapuzenumh\u00e4ngen f\u00fcr jedes Wetter. Sie trugen schwere S\u00e4cke, Kisten und Truhen. Als sie am Fu\u00dfe der rund angeordneten Sitzstufen anlangten, legten sie ihr Gep\u00e4ck ab und breiteten ihre Waren aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine von ihnen stellte sich mit erhobenen H\u00e4nden zwischen die \u00fcbrigen H\u00e4ndler und die Menge. \u201eLiebe Leute von Ydras Horn! Bitte lasst uns ein wenig Platz, damit wir unsere Sch\u00e4tze pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen. Habt keine Sorge, jeder wird alles zu sehen bekommen! Einen Schritt zur\u00fcck, wenn ich bitten darf. Wir haben seit einem Mond nicht mehr gebadet. Mehr N\u00e4he w\u00e4re unsittlich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Schon allein an der rauen, lauten Stimme h\u00e4tte Nireka die Anf\u00fchrerin der H\u00e4ndlertruppe \u00fcberall erkannt. Resa Schlangenfu\u00df war eine gro\u00dfe, breitschulterige Frau mit struppigem, blondem Haar, aus dem nur eine einzelne lange, zu einem Zopf geflochtene Str\u00e4hne hinter ihrem linken Ohr herabhing. Das Bemerkenswerteste an ihrer Erscheinung war jedoch der lebendige Hut auf ihrem Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>Zumindest wirkte der Hut lebendig. Je nach Wetterlage konnte er eine breite Krempe ausrollen oder sich eng und warm um ihre Ohren schmiegen. Nireka hatte schon gesehen, wie er sich im Handumdrehen zu einem Kissen zusammenfaltete, um Resa Schlangenfu\u00df eine Kopfst\u00fctze beim Schlafen zu sein, und wie er sich zu einem metallharten Schild aufspannte, um einen Schneeball abzufangen, der sie ansonsten ins Gesicht getroffen h\u00e4tte. Im Augenblick war der Hut weit zur\u00fcckgeschoben und wirkte beinah wie ein normales Kleidungsst\u00fcck, h\u00e4tte seine Spitze sich nicht unerm\u00fcdlich in alle Richtungen geneigt wie die Schnauze eines Tieres, das Witterung aufnimmt. Resa Schlangenfu\u00df trug den verzauberten Hut so selbstverst\u00e4ndlich, als w\u00e4re er ein Teil ihres K\u00f6rpers, der sich nun einmal bewegte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie und ihre Truppe waren Ruineng\u00e4nger \u2013 aus allen Himmelsrichtungen vom Wind zusammengetragene Leute, die furchtlos durch das Land streiften und nicht nur G\u00fcter zwischen den Untergrundfestungen und versteckten Waldd\u00f6rfern transportierten, sondern auch die Ruinen der alten Welt nach Sch\u00e4tzen absuchten \u2013 der Gefahr zum Trotz, sich oft fern jeglicher Schutzst\u00e4tte an der Oberfl\u00e4che aufzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka folgte ihrem Vater, als er auf die H\u00e4ndler zutrat.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSollen wir euch zuerst ein Bad vorbereiten?\u201c, fragte Patinon.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein L\u00e4cheln breitete sich auf dem schlauen, zerfurchten Gesicht von Resa Schlangenfu\u00df aus. \u201eEhrenwerte Stimme. Seid gegr\u00fc\u00dft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWillkommen zur\u00fcck in Ydras Horn, Freunde. Lasst eure Sachen liegen. Zuerst wollen wir uns um euer Wohlergehen k\u00fcmmern. Habt ihr noch nichts gegessen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAuf dem Weg nach unten haben uns eure fabelhaften B\u00e4cker schon Nussbrot in die H\u00e4nde gedr\u00fcckt.\u201c Resa Schlangenfu\u00df \u00f6ffnete eine Schicht ihres Umhangs und zeigte einen halben Nusskringel, der aus einer Tasche ragte.<\/p>\n\n\n\n<p>Patinon sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eIch wei\u00df nicht, wer gerade oben in der B\u00e4ckerei ist, aber ich muss mich f\u00fcr ihre Manieren entschuldigen. Ihr h\u00e4ttet im Speisesaal festgehalten werden m\u00fcssen, bis ihr satt seid.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Gesch\u00e4ft geht vor, mein Guter.\u201c Resa Schlangenfu\u00df stie\u00df eine Kiste mit ihrem Fu\u00df auf. Eisenwaren kamen zum Vorschein. \u201eWenn alle fertig getauscht haben, nehme ich gern ein Bad und esse, bis ihr nichts mehr auftischt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo machen wir es\u201c, sagte Patinon und schmunzelte \u00fcber die Direktheit der Ruineng\u00e4ngerin.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer mehr Bewohner von Ydras Horn kamen die gro\u00dfe Treppe herab, um sich die Waren der H\u00e4ndler anzusehen. Es war stets ein Spektakel, wenn G\u00fcter von fern her eintrafen. Rignan war f\u00fcr den Tausch gr\u00f6\u00dferer Mengen von Nahrungsmitteln zust\u00e4ndig, aber ebenso, wie das Essen in Ydras Horn geteilt wurde, teilte man auch die Gold- und Kupferm\u00fcnzen auf, die in guten Jahren durch den Verkauf von D\u00f6rrfisch und Wolle eingenommen wurden, sodass fast jede Familie ein paar M\u00fcnzen besa\u00df. Diese wurden jetzt f\u00fcr kleine Freuden ausgegeben: F\u00e4rbemittel f\u00fcr Stoffe aus anderen Untergrundfestungen und D\u00f6rfern, deren Bewohner Seide herzustellen wussten, aber auch geheimnisvolle Pilze, Kr\u00e4uter, Gew\u00fcrze und getrocknete Fr\u00fcchte aus dem reich besiedelten Land um den Zauberberg Tahar\u2019Marid, s\u00fc\u00dfer als alles, was bei ihnen wuchs, Schmuck, kunstvoll geschmiedete Klingen und Werkzeuge aus Metall und nat\u00fcrlich die Sch\u00e4tze aus den Ruinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige H\u00e4ndler kamen zu Patinon, um ihm halb zerfallene B\u00fccher und vergilbte Schriftrollen anzubieten. Ein Anteil aller Eink\u00fcnfte von Ydras Horn ging an die Kammer der Weisen, um Texte aus der alten Welt zu erstehen. Patinon pr\u00fcfte alles, was ihm angeboten wurde, und Nireka und Kedina halfen ihm. Aber sie kauften selten etwas. Die meisten Schriften waren heute bedeutungslos: Briefe, Kriegsberichte, Abschriften von M\u00e4rchen und Heldensagen, die es bereits in der Kammer der Weisen gab.<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka bl\u00e4tterte lange in einem Buch \u00fcber Kochk\u00fcnste an einem K\u00f6nigshof der Menschen, obwohl sie wusste, dass sie daf\u00fcr kein Geld ausgeben durften.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEin Zauberbuch\u201c, sagte der H\u00e4ndler und zwinkerte. Sein glattes, mit Holzperlen verziertes Haar war so schwarz, dass es beinah bl\u00e4ulich gl\u00e4nzte. Seine mandelf\u00f6rmigen Augen und seine leicht spitz zulaufenden Ohren verrieten, dass er dem Geschlecht der Wei\u00dfen Elfen entstammte, die noch seltener jenseits ihres Reiches anzutreffen waren als Graue Elfen. Mit seiner hellen Haut und den klaren Z\u00fcgen war er geradezu m\u00e4dchenhaft sch\u00f6n, doch etwas an seinem Ausdruck verlieh ihm etwas Derbes. Vielleicht die Nase, die aussah, als w\u00e4re sie schon mehrfach gebrochen worden, oder die Narbe, die sich durch seine linke Augenbraue und bis \u00fcber den Wangenknochen zog.<\/p>\n\n\n\n<p>Er fuhr mit den Fingern \u00fcber das Buch, wobei er Nirekas Hand streifte. \u201eIch habe es in einem zerfallenen Schloss gefunden. Es enth\u00e4lt Spr\u00fcche, um sich und seine Lieben vor Gefahren zu sch\u00fctzen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOder zu ern\u00e4hren\u201c, sagte Nireka und klappte das Buch mit einem h\u00f6flichen L\u00e4cheln zu. Sie vermutete, dass er nicht lesen konnte und wegen der Zutatenlisten davon ausgegangen war, dass es sich um Zauberspr\u00fcche und Trankmischungen handelte. Sie reichte ihm das Buch zur\u00fcck. \u201eEs enth\u00e4lt Rezepte der damaligen K\u00fcche. Vielleicht kauft es jemand im Reich der Menschen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eFlie\u00dft in dir nicht auch Menschenblut?\u201c Wieder ber\u00fchrte er ihre Hand. Diesmal war sie sicher, dass es kein Versehen war. Wie unverfroren!<\/p>\n\n\n\n<p>Sie zog die Hand weg. \u201eJa, aber ich habe kein Interesse daran, zu kochen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Elf runzelte sp\u00f6ttisch die Stirn und holte etwas anderes unter seinem Wams hervor, was er geheimniskr\u00e4merisch in der geschlossenen Faust verbarg. Dann schwenkte er die Faust in alle Richtungen und sagte laut: \u201eWer braucht schon Anleitungen zur Zauberei, die heute nicht mehr funktionieren, wenn man auch echtes, funktionierendes Zauberwerk aus der versunkenen Zeit haben kann?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Als genug Blicke an seiner Faust hingen, warf er den Inhalt in die H\u00f6he, fing ihn wieder, ehe jemand mehr als ein Blitzen h\u00e4tte erkennen k\u00f6nnen, und lie\u00df dann eine Kette zwischen den Fingern herabgleiten. Daran hing ein Medaillon. \u201eIn diesem Medaillon, das ein liebeskranker Zauberer erschaffen haben muss, schlagen zwei filigrane Herzen aus Gold seit Jahrhunderten. Und noch in Abertausend Jahren, wenn unsere Knochen l\u00e4ngst zu Staub zerfallen sind wie die des Zauberers und seiner Angebeteten, werden die Herzen im Medaillon schlagen. Sie schlagen f\u00fcr alle Zeiten, denn in ihnen ist ein Funke Ewigkeit gefangen. Doch jetzt ist unsere Zeit. Wer will seiner Liebe dieses Denkmal setzen und so an der Ewigkeit teilhaben? Wer bietet drei Goldst\u00fccke?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka bemerkte, dass Kedina das Medaillon aufmerksam musterte. Als er ihren Blick auffing, vertiefte er sich wieder in die vergilbten Briefe, die ihm angeboten worden waren. Nireka stellte sich unwillk\u00fcrlich vor, wie er Kani das Medaillon schenkte. Solch eine Geste schien \u00fcberhaupt nicht zu ihm zu passen, aber Nireka sah lebhaft vor sich, wie Kani sich freuen w\u00fcrde. Das musste auch Kedina durch den Kopf gegangen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka wusste, dass sie kein Recht hatte, verletzt zu sein, und dass es sogar l\u00e4cherlich war, so zu empfinden, aber f\u00fcr einen Augenblick gab sie sich ihrer Bitterkeit hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leute begannen f\u00fcr das Medaillon zu bieten. Zauberwerk der alten Welt war immer begehrt. Es gab Singv\u00f6gel, die man h\u00f6ren konnte, aber von denen nicht mehr als ein Schatten an der bemalten R\u00fcckwand des K\u00e4figs zu sehen war. Jemand bot ein Windlicht feil, das heller oder schw\u00e4cher leuchtete, je nachdem, wie m\u00fcde derjenige war, der es hielt. Winzige Puppen aus polierten Knochen, von denen fast alle Farbe abgebl\u00e4ttert war, drehten sich im Kreis wie T\u00e4nzerinnen und richteten sich, wenn sie hinfielen, wieder auf. Es war wundersames Spielzeug, in denen die Zauberer von einst ein K\u00f6rnchen Ewigkeit gefangen hatten. Die Kinder quietschten vor Freude \u00fcber die herrlichen Zaubersachen. Doch es schien niemanden zu geben, der sich an ihnen mehr erfreute als der Ruineng\u00e4nger vom Volk der Wei\u00dfen Elfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn er etwas vorf\u00fchrte, begannen seine Augen zu funkeln, als verwandelte er sich selbst in ein Kind zur\u00fcck. Er sch\u00fcttelte den Kopf, um den Ring an seinem Ohr zum H\u00fcpfen zu bringen. Der Diamant, der daran befestigt war, fiel mit einem tropfenden Ger\u00e4usch ab und zersprang in einen winzigen Lichtblitz. Doch einen Moment sp\u00e4ter bildete sich ein neuer Tropfen am Ring und wuchs zu einem Diamanten heran.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEr hat jedes Mal eine andere Farbe, seht ihr?\u201c, sagte der Ruineng\u00e4nger zu den Umstehenden. \u201eWenn er blau ist, hei\u00dft das, dass dem Tr\u00e4ger ein schlechter Traum bevorsteht, und wenn er rosa ist, dann hei\u00dft das, dass man etwas Romantisches tr\u00e4umen wird.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka beobachtete ihn. Ihr war, als h\u00e4tte sie ihn schon mehrmals in der Truppe um Resa Schlangenfu\u00df gesehen, aber er war ihr nie aufgefallen. Jetzt konnte sie sich allerdings nicht vorstellen, wie das m\u00f6glich gewesen war. Er alberte mit den Kindern herum und sah den Frauen so schamlos in die Augen wie ihr vorhin. Die M\u00e4nner forderte er mit Sticheleien dazu auf, Geschenke f\u00fcr ihre Liebsten zu kaufen, und irgendwie schaffte er es, alle zum Lachen zu bringen. Wie ein Sch\u00e4fer trieb er die Angebote f\u00fcr den Ohrring in die H\u00f6he. Als er schlie\u00dflich einen K\u00e4ufer gefunden hatte und der Tausch vollzogen war, holte er sogleich eine Perle aus seinem Wams und h\u00e4ngte sie sich ans Ohr. Diese schien aber nicht verzaubert zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Er fing Nirekas Blick auf und grinste, als h\u00e4tte er erwartet, dass sie ihn beobachtete. Er kam n\u00e4her und sagte: \u201eIch habe etwas, was besonders Schriftliebhabern gefallen wird. Schau.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl er leise gesprochen hatte, traten nicht nur Patinon, Nireka und Kedina n\u00e4her. Auch eine Gruppe von Neugierigen kam hinter ihm her. Er zog ein St\u00fcck Holzrinde aus seinem Stiefel. Vorsichtig drehte er die Rinde um und hielt sie vor Nireka. Die anderen beugten sich ebenfalls vor. Auf der glatten, hellen Innenseite der Rinde stand in geschwungener Schrift:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Lass dich vom Wind tragen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00fcber den Rand der Welt,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>und wo Horizont und Himmel eins sind,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>erfinde mit mir die Zauberei neu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Aylen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie konnte jemand so sauber mit Tinte auf ein St\u00fcck Rinde schreiben?\u201c, wunderte sich Kedina.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Nireka hatte sich das sofort gefragt. Die Schrift war saubererer und eleganter, als es auf dem Untergrund eigentlich m\u00f6glich sein sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ruineng\u00e4nger warf ihm einen funkelnden Blick zu. \u201eNun, die Botschaft wurde nicht auf die Rinde geschrieben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Patinon streckte einen Finger aus und fuhr \u00fcber die Schrift. \u201eMan kann sie ganz leicht f\u00fchlen. Es ist keine Illusion.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein. Jetzt ist die Botschaft auf der Rinde. Aber sie wurde nicht darauf geschrieben\u201c, wiederholte der Wei\u00dfe Elf, vergn\u00fcgt \u00fcber das R\u00e4tsel, dessen L\u00f6sung nur er kannte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist eine Einladung, oder?\u201c, meinte Nireka. \u201eVon einem Zauberer, der Lehrlinge anwerben wollte? \u201a\u00dcber den Rand der Welt\u2018 \u2026 Vielleicht meint er das Meer. Dann w\u00fcrde es Sinn ergeben, dass der Wind einen tr\u00e4gt. Der Wind in den Segeln.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDarauf bin ich nicht gekommen\u201c, gab der Ruineng\u00e4nger zu und sah auf. F\u00fcr einen Moment hatte sie das Gef\u00fchl, dass ihre Blicke sich wirklich auf eine innige Weise trafen \u2013 dass sie sich erkannten. Aber dann gewann er sein leichtes L\u00e4cheln zur\u00fcck, und seine Augen gl\u00e4nzten wieder wie Spiegel. \u201eEs wundert mich nicht, dass eine Zwergin darauf kommt, eine aus dem Seefahrervolk! Ich glaube, du k\u00f6nntest recht haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWo hast du die Botschaft gefunden?\u201c, fragte Kedina.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAn der gekalkten Wand eines verfallenen Bauernhauses im Reich der Menschen\u201c, sagte der Ruineng\u00e4nger.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAlso ist es eine Abschrift?\u201c, fragte Patinon. \u201eHast du einen Beweis, dass die Einladung wirklich ein Fundst\u00fcck aus der Vergangenheit ist und nicht nur ausgedacht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mann grinste. \u201eWer glaubt, ich h\u00e4tte mir das ausgedacht, \u00fcbersch\u00e4tzt mich.\u201c Er sah sich um, dann ging er zu einer Fackel am Rand des Sonnendecks und hielt die Rinde an die Flamme. Sofort begann das Feuer daran zu fressen. Mit dem gl\u00fchenden St\u00fcck kam er zur\u00fcck und drehte es, sodass die Glut nicht starb, sondern kleine gelbe Flammenzungen bekam. Verbl\u00fcfft sahen alle zu, wie er die Rinde mit der Botschaft verbrennen lie\u00df. Schlie\u00dflich war nur noch ein winziger Fitzel \u00fcbrig. Er musste ihn fallen lassen. Das Feuer fra\u00df den letzten Rest und erlosch rauchend auf dem Boden.<\/p>\n\n\n\n<p>Entsetztes Schweigen trat ein, doch der Ruineng\u00e4nger hob eine Hand. Und da sah Nireka auf dem hellen, rauen Handr\u00fccken des Mannes die vier Zeilen mit dem Namen darunter \u2013 so fein s\u00e4uberlich notiert wie auf einem Blatt Papier.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle dr\u00e4ngten sich um seine Hand, um die Schrift zu bestaunen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201ePapier brennt. Mauern brechen zusammen. Menschen sterben. Aber die Botschaft bleibt. Sie sucht sich einfach einen neuen Untergrund und immer den reinsten, hellsten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum hatte er das gesagt, nahm er Nirekas Hand, schob ihren \u00c4rmel zur\u00fcck und entbl\u00f6\u00dfte ihr Gelenk. Die vier Zeilen flogen mit wackelnden Buchstaben \u00fcber seine Finger und auf Nirekas Haut.<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka schnappte nach Luft, als sie das Kribbeln der Buchstaben wie kleine Insekten sp\u00fcrte. Die Botschaft war jetzt auf ihr. Sie rieb mit dem Daumen dar\u00fcber, doch die Tinte schien sich nicht verwischen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn du die Schrift loswerden willst, musst du ihr einen besseren Untergrund als deine Haut anbieten\u201c, sagte er. \u201eWas schwer werden d\u00fcrfte \u2026\u201c Er schob Nirekas \u00c4rmel weiter hoch. Der Schriftzug wanderte \u00fcber ihr Gelenk und auf die Innenseite ihres Arms, der noch blasser war. Als sie sich losmachte und den \u00c4rmel wieder herunterzog, kehrten die Zeilen wie eine Bande von Ameisen zur\u00fcck auf Nirekas Handr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie bestaunte die Botschaft immer noch. \u201eWie viel willst du daf\u00fcr?\u201c, h\u00f6rte sie sich fragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Elf verschr\u00e4nkte die Arme. \u201eDu bist darauf gekommen, dass die Einladung ins Meer hinausf\u00fchrt. Wochenlang habe ich mir dar\u00fcber den Kopf zerbrochen. Sie geh\u00f6rt dir! Mir reicht es, zu wissen, wohin dieser Zauberer m\u00f6gliche Lehrlinge locken wollte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka \u00f6ffnete den Mund, aber sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Aus irgendeinem Grund war es schwer, das Geschenk anzunehmen. Sie \u00fcberwand sich. \u201eDanke \u2026 wie lautet dein Name?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eRiwananetreva\u201c, sagte er. \u201eRiwanan f\u00fcr Zwerge. F\u00fcr Menschen Riwan.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie schmunzelte. \u201eDanke, Riwan.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl ihre Vorr\u00e4te knapp waren und die Ernten in diesem Jahr ungewiss, gab es zu Ehren der G\u00e4ste ein festliches Mahl in den Speises\u00e4len von Ydras Horn. Statt des \u00fcblichen Abendessens aus Getreidebrei oder Bohneneintopf wurden heute luftige Brote aus dreifach gesiebtem Mehl, Fr\u00fchlingskartoffeln mit Schafsk\u00e4se und gebratene L\u00e4mmer aufgetragen \u2013 geschlagene zwei Stunden sp\u00e4ter als \u00fcblich, sodass den Bewohnern der Untergrundfestung die M\u00e4gen knurrten, als die H\u00e4ndler endlich aus den Bades\u00e4len traten, rosig vom hei\u00dfen Wasser und duftend nach den Bl\u00fcten\u00f6len, mit denen sie sich hatten salben d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Ydras Horn war es \u00fcberlebensnotwendig, dass H\u00e4ndler vorbeikamen, darum wurde alles f\u00fcr deren Wohlergehen getan. Die H\u00e4ndler brachten ihnen nicht nur all die Rohstoffe und Dinge mit, die hier nicht zu finden waren, sondern auch Geschichten aus der Welt. So sa\u00dfen die Zwerge w\u00e4hrend des Mahls dicht gedr\u00e4ngt um die Ehrentische in der Mitte des Saals, um zu h\u00f6ren, was Resa Schlangenfu\u00df und ihre Truppe zu erz\u00e4hlen hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIhr seid nicht die Einzigen, die von dem Drachen belagert wurden\u201c, erkl\u00e4rte die Ruineng\u00e4ngerin, als sie satt auf ihrem Stuhl sa\u00df, einen Daumen in ihren G\u00fcrtel eingehakt. \u201eIn Taurags Horn, zwei Inseln westlich von hier, wurden Felder verbrannt wie bei euch. Und es waren gerade ein paar Ungl\u00fcckselige an der Oberfl\u00e4che. Knapp zwanzig M\u00e4nner und Frauen wurden gefressen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEr frisst wahllos\u201c, murmelte Patinon, der die Recherchen zu dem Drachen angestellt hatte. \u201eNicht nur die Besessenen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo scheint es. Ein Gl\u00fcck, dass wir ihm nicht \u00fcber den Weg gelaufen sind\u201c, sagte Resa. \u201eAllerdings scheint es bei ihm auch eine Frage zu sein, wie sehr man ihm entgegenkommt. Im Inland, an der Grenze zum Menschenreich, binden sie die Besessenen an kahl geschlagene B\u00e4ume. Ich habe die verkohlten Baumst\u00fcmpfe gesehen. Die H\u00e4user und Felder dahinter blieben verschont.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorstellung war f\u00fcr Nireka ungeheuerlich, auch wenn es nicht das erste Mal war, dass sie davon h\u00f6rte. Wie konnten Leute einander so behandeln \u2013 Nachbarn, Freunde, Familienangeh\u00f6rige an einen Pfahl binden und der Bestie preisgeben? F\u00fcr Zwerge war es selbstverst\u00e4ndlich, dass man zusammenhielt, dass die Starken die Schwachen verteidigten. Aber die Menschen pflegten einen anderen Umgang mit den Schw\u00e4chsten in ihren Reihen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist ja keinen Deut besser als in Tahar\u2019Marid\u201c, sagte jemand aus der Menge.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTahar\u2019Marid ist meines Erachtens ein sehr viel besserer Ort als die Menschend\u00f6rfer entlang der Berge\u201c, sagte Riwan, ohne den abgenagten H\u00fchnerknochen aus dem Mund zu nehmen, der ihm offenbar als Zahnstocher diente. Etwas an der Art, wie raumeinnehmend er auf seinem Stuhl hing, st\u00f6rte Nireka. Als wollte er sich so sichtbar machen wie m\u00f6glich. \u201eDie Leute dort wissen, dass ihre Felder und H\u00e4user nicht verbrannt werden. Darum ist das Land um Tahar\u2019Marid das reichste und sch\u00f6nste der Welt. Leute aus allen drei V\u00f6lkern leben dort in Sicherheit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSolange sie nicht von Geisterschatten befallen werden\u201c, erinnerte Nireka.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wei\u00dfe Elf zuckte die Schultern. \u201eDavor ist niemand von uns sicher.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHier schon\u201c, sagte Kedina und legte einen Arm um Kani, die neben ihm sa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Riwan musterte ihn mit einem L\u00e4cheln, doch in seinen schr\u00e4gen Augen tat sich ein Abgrund der Traurigkeit auf. \u201eHier zahlt ihr den Preis gemeinsam und nicht einzeln. Aber ihr zahlt ihn.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Stille entstand. Auch die H\u00e4ndler lebten nach einem Kodex, der f\u00fcr die Zwerge der Untergrundfestungen inakzeptabel w\u00e4re: Wenn ein Ruineng\u00e4nger von Geisterschatten befallen wurde, musste er die Truppe verlassen. Und keiner stand ihm in seinen letzten Stunden bei.<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka betrachtete die zerfurchten Gesichter der Ruineng\u00e4nger und erkannte darin eine H\u00e4rte, die ihr sonst nicht auffiel, wenn sie ihre entz\u00fcckenden Zauberartefakte vorstellten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNun, nach jedem Gewitter kommt wieder die Sonne zum Vorschein\u201c, sagte Patinon vers\u00f6hnlich. \u201eUnd wir hier unten sehen vom Gewitter ebenso wie von der Sonne weniger als ihr Abenteurer. Jeder lebt sein Leben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAuf das Leben, das man sich ausgesucht hat!\u201c, sagte Resa Schlangenfu\u00df und hob ihren Kelch.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd auf die Augenblicke, in denen wir es miteinander teilen k\u00f6nnen\u201c, sagte Nireka. Als sie trank, bemerkte sie, wie Riwan sie \u00fcber den Rand seines Bechers ansah.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald zogen sie vom Speisesaal wieder hinab zum Sonnendeck, wo die Quartiere f\u00fcr die G\u00e4ste lagen. Schon auf der Treppe begann man zu musizieren und sogar zu tanzen. Nireka ging neben ihrem Vater und beobachtete, wie die zauberische Botschaft auf ihrem Handr\u00fccken mit dem Lichtschein mitwanderte, der dar\u00fcber hinwegglitt. Sie w\u00fcrde von jetzt an aufpassen m\u00fcssen, wenn sie etwas Helles anfasste, denn sie wollte die Botschaft nicht verlieren. Am besten w\u00e4re es wohl, sie gleich morgen auf ein Blatt Papier laufen zu lassen und es in der Kammer der Weisen aufzuheben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ersten erreichten das Sonnendeck und begannen einen gro\u00dfen Kreis aus T\u00e4nzern zu formen. Das Stampfen ihrer F\u00fc\u00dfe und Klatschen ihrer H\u00e4nde erf\u00fcllte die Festung mit einem Rhythmus, der Nireka so vertraut war wie ihr Herzschlag. Sie blieb mit Patinon auf dem letzten Treppenabsatz stehen und sah zu, wie der Kreis sich zu einer Spirale verdichtete, und als der Platz voller Leute war, l\u00f6sten sie sich voneinander und begannen in Paaren umeinanderzuwirbeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Hand legte sich um Nirekas Taille, eine um ihren Arm und schoben sie abw\u00e4rts. Erschrocken fuhr sie herum.<\/p>\n\n\n\n<p>Riwan.<\/p>\n\n\n\n<p>Er sah sie nicht an, sein Gesicht dicht an ihrem, w\u00e4hrend sie die Stufen hinabstolperte. \u201eTanz mit mir\u201c, sagte er.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e\u00c4h, lieber nicht.\u201c Schon waren sie unten, und er zog sie an sich. Seine Hand, gro\u00df und schwielig, umschloss ihre. Unter seinem Wams aus genieteten Lederstreifen roch er nach Badeessenzen. \u201eIch \u2026\u201c Nireka stie\u00df ein nerv\u00f6ses Lachen aus und hasste sich selbst daf\u00fcr. Wieso konnte sie nicht einfach nein sagen?<\/p>\n\n\n\n<p>Er drehte sie im Kreis, aber nicht so wild, wie das Lied es eigentlich vorgab. Wie er sie anfasste, wie er sie ansah, war so vertraut, als h\u00e4tten sie schon unz\u00e4hlige Male getanzt \u2026 <em>Er<\/em> hatte sicher schon unz\u00e4hlige Male so getanzt. Mit einer anderen auf jeder Insel und in jedem Dorf.<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka schaute zu ihrem Vater empor und glaubte auch noch andere Blicke auf sich zu sp\u00fcren. Sie machte sich von Riwan los und trat zur\u00fcck. \u201eIch habe nein gesagt!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVerzeihung\u201c, erwiderte er. Mit einem Mal fiel ihr seine Jugend auf. Seine Narbe und sein selbstbewusstes Verhalten hatten sie davon abgelenkt, dass er j\u00fcnger als sie sein musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie ging zur\u00fcck, zwei Stufen auf einmal nehmend, sodass sie au\u00dfer Atem war, als sie wieder neben Patinon trat.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas war ein kurzes Vergn\u00fcgen\u201c, bemerkte ihr Vater.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wollte im Erdboden versinken. Aber warum eigentlich? Sie sah auf die Menge hinunter. Niemand beachtete sie. Sogar Riwan lie\u00df sich von mehreren Zwergen in einen Gruppentanz einweisen und schien alles andere vergessen zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich seufzte Patinon. \u201eIch gehe schlafen.\u201c Er drehte sich um, und ehe Nireka etwas antworten konnte, zeigte er mit dem Finger auf sie und f\u00fcgte hinzu: \u201eUnd wehe, du gehst auch schon.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Verdutzt blickte sie ihm nach. Sie h\u00e4tte schneller sagen sollen, dass sie ins Bett wollte. Mit gl\u00fchenden Ohren wandte sie sich wieder dem Sonnendeck zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Niemand beachtete sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war ganz egal, ob sie \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Frustriert von sich selbst, st\u00f6hnte sie auf. Dann lief sie die Stufen wieder hinunter. Sie bahnte sich einen Weg durch die Umstehenden und die Tanzenden und zupfte Riwan unbeholfen am \u00c4rmel. Die anderen in seiner Gruppe hielten inne. Sechs Augenpaare richteten sich auf sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka schluckte. \u201eWillst du \u2026?\u201c Sie brachte nicht mehr hervor.<\/p>\n\n\n\n<p>Riwan strich sich die Haarstr\u00e4hnen aus der Stirn. \u201eJa, gern.\u201c Sein Grinsen lie\u00df sie sofort bereuen, was sie getan hatte. Steif drehte sie sich um und ging. Sie f\u00fchlte seine Hand in ihrem Kreuz und spannte sich an.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter ihr klatschte jemand.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie gingen an den Balkonen entlang, die das Sonnendeck s\u00e4umten, und schwiegen. Obwohl Nirekas Gedanken rasten, fiel ihr nichts Besseres ein, als zu fragen: \u201eDu bist schon lange Ruineng\u00e4nger?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSeit ein paar Jahren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie kamst du dazu?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Wahrheit? Ich sag sie dir, wenn du versprichst, mich nicht auszulachen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas kann ich nicht versprechen\u201c, erwiderte sie. \u201eWenn ich lachen muss, muss ich lachen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er zog die Augenbrauen hoch. \u201eDu bist ehrlich. Eigentlich ein Armutszeugnis f\u00fcr die Welt, dass mich das \u00fcberrascht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAlso?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er atmete durch und biss sich auf die Lippe. \u201eNa sch\u00f6n. Seit ich klein war, hatte ich dieses Gef\u00fchl \u2013 diese tiefe \u00dcberzeugung, dass ich die Zauberei wieder in die Welt bringen w\u00fcrde. Wenn es sie fr\u00fcher gegeben hat, muss es doch m\u00f6glich sein, sie wiederzuentdecken. In den Ruinen liegen \u00fcberall Zauberdinge herum, die unzerst\u00f6rbar sind. Sie enthalten das Geheimnis. Den Schl\u00fcssel zur Zauberei. Ich will dieses Geheimnis l\u00fcften.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sch\u00fcttelte den Kopf, weil sie ihm nicht glaubte. Es war nur eine Geschichte, mit der er sich interessant machen wollte. Wahrscheinlich hatte er seine Leute an einen Drachen verloren, war ziellos allein durch die Welt gestreunt und von Resa Schlangenfu\u00df aufgelesen worden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBist du ein Fl\u00fcchtling, der hier aufgenommen wurde?\u201c, fragte er, als unterstellte er ihr umgekehrt ein \u00e4hnliches Schicksal.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMein Vater. Meine Mutter war von hier, eine Zwergin.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist also das Geheimnis deiner Sch\u00f6nheit. T\u00f6chter von Menschen und Zwergen haben mir immer gefallen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie unterdr\u00fcckte eine Grimasse. Aber er sah es doch.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDenkst du, du w\u00e4rst nicht sch\u00f6n? Oder magst du es einfach nicht, wenn man dir Aufmerksamkeit schenkt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDeine Komplimente sind so abgenutzt wie deine Schuhsohlen.\u201c Sie hatte es nicht b\u00f6se gemeint und wollte sich entschuldigen, hielt dann aber inne. Vielleicht meinte sie es ja doch b\u00f6se. Sein beleidigter Ausdruck brachte sie jedenfalls zum Schmunzeln.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAch, ja? Dann lass mal h\u00f6ren, ob deine Komplimente besser sind\u201c, forderte er.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch \u2026\u201c Sie atmete tief durch und lie\u00df sich auf das Spiel ein. \u201eNa gut. Du stellst dich in den Mittelpunkt, als m\u00fcsstest du dir selbst beweisen, dass du etwas wert bist. Deine Spr\u00fcche sind platt, und wer sich auf dich einl\u00e4sst \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch warte auf Komplimente, aber das will ich noch h\u00f6ren \u2013 wer sich auf mich einl\u00e4sst, der ist \u2026 dumm?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eDringend auf der Suche nach einer sch\u00f6nen L\u00fcge.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSch\u00f6ne L\u00fcge\u201c, wiederholte er skeptisch. \u201eDas ist das schlechteste Kompliment, das ich je geh\u00f6rt habe. Ich nehme es an, aber wirklich \u2013 das musst du noch \u00fcben, meine Liebe.\u201c Er beugte sich vor und k\u00fcsste ihre Schl\u00e4fe, ehe er weiterspazierte. \u201eDu hast dein ganzes Leben hier verbracht? Nie Fernweh gehabt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie holte auf und hoffte, dass er ihr nicht anmerkte, wie der Kuss sich auf sie auswirkte. Warum hatte er sich nicht mehr getraut? \u201eHier sind alle, die ich liebe. Ich wollte nie weg\u201c, sagte sie und fand sich lahm.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWo ist dein Lieblingsort?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn Ydras Horn?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er nickte. Nat\u00fcrlich, was sollte er schon sonst meinen, wenn sie nie woanders gewesen war? Unglaublich, wie langsam ihr Verstand gerade arbeitete. Eine gef\u00fchlte Ewigkeit schien zu vergehen, w\u00e4hrend sie nachdachte. Nicht dar\u00fcber, welcher ihr Lieblingsort war, sondern \u2026 ob sie ihn dorthin bringen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie war schon so weit gegangen, da konnte sie es auch wagen. \u201eKomm mit\u201c, fl\u00fcsterte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie f\u00fchrte ihn die gro\u00dfe Treppe drei Stockwerke hinauf und an den Quartieren vorbei, die wie \u00fcberall Familien bis zu neun Personen beherbergten. Am Ende der langen Reihe von T\u00fcren und mit Steinschn\u00f6rkeln vergitterten Fenstern lag ein Waschsaal. Doch dieser wurde nie benutzt. Die Bewohner gingen immer zu dem am anderen Ende des Stockwerks. Niemand au\u00dfer Kindern, die Verstecken spielten, kam je hierher. Oder Erwachsene, die dieselben Absichten hatten wie Nireka.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine hohe Halle mit gew\u00f6lbter Decke bildete den Mittelteil, in dem zwei Becken in den Boden eingelassen waren. Ein Dutzend kleinere Waschr\u00e4ume mit Latrinen zweigten davon ab.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSoll ich eine Fackel hohlen?\u201c, fragte Riwan.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein, nicht n\u00f6tig. Gleich kannst du wieder etwas sehen.\u201c Nireka ging ihm in der Dunkelheit voran. \u201eIn allen Waschs\u00e4len au\u00dfer diesem flie\u00dft warmes Wasser aus den Quellen. Hier muss der Zauber nicht richtig ausgef\u00fchrt oder im Lauf der Zeit gebrochen worden sein. Darum benutzt niemand die R\u00e4ume.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sah einen Schimmer Helligkeit und steuerte darauf zu. In einem runden kleinen Raum, in dem ein Kupferspiegel hing, ging ein Riss von oben bis unten durch die Felswand. Ger\u00f6ll war dazwischen herausgebr\u00f6ckelt, und durch den Spalt drang nicht nur das Licht vom Sonnendeck herein und schimmerte auf dem Kupferspiegel, sondern auch die Ger\u00e4usche von unten, verzerrt zu einem sanften Summen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs sieht ein bisschen aus wie Sonnenlicht\u201c, fl\u00fcsterte Nireka und lie\u00df ihre Hand durch den Lichthauch gleiten, der \u00fcber dem Kupferspiegel waberte. Sie setzte sich mit dem R\u00fccken zur Wand.<\/p>\n\n\n\n<p>Riwan lie\u00df sich neben ihr nieder und lauschte. \u201eIch mag, wie das klingt. Als w\u00e4re man n\u00e4her dran und zugleich weiter weg.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie nickte. Die Musik hatte hier drinnen etwas Langsames, Geisterhaftes. Das war ihr lieber als die schnellen Rhythmen auf der Tanzfl\u00e4che. Eine Weile sa\u00dfen sie schweigend nebeneinander und h\u00f6rten nur zu. Oder jedenfalls tat Nireka so, als lauschte sie. Dabei h\u00f6rte sie eigentlich nur ihr Herz, das ihr bis zum Hals schlug. Worauf wartete er? Sie warf ihm einen Blick aus den Augenwinkeln zu. Fast schien es, als unterdr\u00fcckte er ein Grinsen. Er stellte sich also absichtlich unschuldig, um sie zu triezen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKommst du oft her?\u201c, fragte er.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie nickte. \u201eWenn gefeiert wird und ich nicht mehr dabei sein will, aber auch nicht weg von allen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd du nimmst dir immer den mit, der dir an dem Abend gef\u00e4llt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein\u201c, sagte sie und bekam gl\u00fchende Ohren. \u201eIch komme nur allein her. Normalerweise.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOh\u201c, machte er, und sie konnte ihm anh\u00f6ren, dass er ihr nicht glaubte. \u201eWieder beinah ein Kompliment. Du wirst besser.\u201c Nach einer Weile fragte er: \u201eWillst du noch eins von mir h\u00f6ren? Ein richtiges?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eLieber nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eIch sage es trotzdem.\u201c Er beugte sich vor und ber\u00fchrte ihre Wange mit seiner Hand. \u201eIch wollte dich k\u00fcssen, seit ich dich das erste Mal gesehen habe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie musste auflachen, was ihn mehr zu verletzen schien als Worte. Vielleicht war aber auch diese Reaktion von ihm einstudiert.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVorletztes Jahr, im dritten Fr\u00fchlingsmond\u201c, sagte er. \u201eDu hattest noch k\u00fcrzere Haare als jetzt und Tintenflecken im Nacken und an der Schl\u00e4fe, woraus ich geschlossen habe, dass du viel zu lange \u00fcber deine Texte gebeugt sitzt und es niemanden gibt, der dich massiert, weshalb du es mit deinen schmutzigen Fingern selbst tust. Ich habe versucht, dir ein altes Buch \u00fcber eine Heldengeschichte zu verkaufen, und du hast gesagt, ihr h\u00e4ttet bereits eine Abschrift davon und der Held sei ein unertr\u00e4glicher Angeber. Wahrscheinlich erinnerst du dich nicht. Du hattest nur Augen f\u00fcr deinen Freund, den Gehilfen deines Vaters. Den, der jetzt ein schwangeres M\u00e4dchen hat.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie starrte ihn an, entsetzt, dass er sie so durchschaute. Aber nun erinnerte sie sich vage. \u201eWillst du mir weismachen, du h\u00e4ttest nicht eine Geliebte in jedem Winkel der Welt?\u201c, stammelte sie, auch, um von sich abzulenken.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein, ich w\u00fcrde dich nicht anl\u00fcgen.\u201c Er l\u00e4chelte. \u201eIch habe nur gesagt, dass ich dich seitdem k\u00fcssen wollte.\u201c Er strich ihr das Haar aus dem Nacken und k\u00fcsste sie unterhalb des Ohrl\u00e4ppchens. \u201eTinte steht dir gut.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er beobachtete, wie sie erschauderte. Dann k\u00fcsste er erst ihre eine Wange, dann ihre andere, und als seine Lippen noch \u00fcber ihrem Gesicht schwebten, hob sie den Kopf und kam dem n\u00e4chsten Kuss mit ihrem Mund entgegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 2 &#8211; 3 Gem\u00fctlichen Sonntagabend w\u00fcnsche ich euch! Und schon geht es weiter mit Kapitel 2 &#8211; 3. Wir sind immer noch in Ydras Horn und lernen Nireka und die Untergrundfestung besser kennen. Au\u00dferdem kommen Besucher &#8211; und insbesondere einer von ihnen wird noch ein wenig wichtiger f\u00fcr Nireka. Denn was w\u00e4re eine Geschichte ohne das eine oder andere Techtelmechtel? Mit diesem Ausblick w\u00fcnsche ich euch viel Vergn\u00fcgen beim Schm\u00f6kern und freue mich auf eure Kommentare! * * * Kapitel 2 Nireka war schon wach, als Ydras Horn noch in tiefer Nachtstille versunken lag. 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