{"id":1774,"date":"2021-10-29T17:41:08","date_gmt":"2021-10-29T16:41:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=1774"},"modified":"2021-10-29T17:41:08","modified_gmt":"2021-10-29T16:41:08","slug":"das-zeitalter-der-drachen-6","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=1774","title":{"rendered":"Das Zeitalter der Drachen"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"has-text-align-center\">Kapitel 10 &amp; 11<\/h3>\n\n\n\n<p><em>Guten Abend, liebe Vorab-Leser! Der Roman ist nun erschienen. Aber das hei\u00dft nicht, dass wir nicht noch ein bisschen tiefer in die Geschichte hineinlesen k\u00f6nnen. Weiter geht es mit Aylens Geschichte in der Vergangenheit und dem weiteren Weg von ihr und Nireka in der Gegenwart. Wie immer werden f\u00fcnf signierte B\u00fccher unter allen verlost, die einen Kommentar hinterlassen. Ich dr\u00fccke euch die Daumen und bedanke mich f\u00fcr euer Mitlesen und eure R\u00fcckmeldungen!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">* <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Kapitel 10<\/p>\n\n\n\n<p>Als Kind hatte Aylen ihre Mutter gefragt, was Zeit war. Doch die stets besch\u00e4ftigte Frau hatte ihr keine befriedigende Antwort geben k\u00f6nnen, ebenso wenig wie alle anderen Erwachsenen, die sie fragte. Wie konnte es sein, dass nichts blieb und alles verging? Woher wusste man \u00fcberhaupt, dass etwas gewesen war und nicht blo\u00df ein Traum? Wie kam es, dass ein Tag, den Aylen im Wald verbrachte, so rasch vergehen konnte und ein Morgen bei der Feldarbeit l\u00e4nger w\u00e4hrte als eine Woche? Und wer wusste schon, wie viel Zeit wirklich verstrich, w\u00e4hrend man schlief \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>An diesem Morgen weckte Aylen frischer Tau, der ihr k\u00fchl in den Kragen rollte. Sie verzog das Gesicht, dann streckte sie sich und st\u00fctzte sich r\u00fccklings auf die Unterarme. Nebel hing \u00fcber den Wiesen, doch ein leuchtend blauer Himmel verdr\u00e4ngte die Nacht, und die ersten Sonnenstrahlen f\u00e4cherten sich im Dunst auf. Aylen rieb sich \u00fcber die Haare, die wieder angenehm kurz waren, und Besen sch\u00fcttelte neben ihr sein Reisig aus, dass der Tau in alle Richtungen spr\u00fchte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eR\u00fccksichtsvoll wie immer\u201c, knurrte Aylen und hob sch\u00fctzend eine Hand. Wie so oft fragte sie sich, ob Besen in all den Jahren nicht doch eine eigene Pers\u00f6nlichkeit entwickelt hatte oder ob er wirklich ein Spiegelbild ihrer selbst war.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas denkst du? \u00c4hnelt er mir?\u201c, fragte sie die grauschwarze Stute, die an dem knorrigen Busch angebunden war, unter dem sie geschlafen hatte. Die Stute schnaubte gleichg\u00fcltig und widmete sich dann wieder dem Gras.<\/p>\n\n\n\n<p>Aylen hatte ein wenig Hunger, beschloss aber, bis zur n\u00e4chsten Rast mit dem Essen zu warten. Die Grauen Elfen hatten ihr getrocknetes Fleisch, d\u00fcnn gebackenes Brot, Nusskuchen und Honig mitgegeben, aber sie wusste nicht, wie lange sie mit dem Proviant w\u00fcrde auskommen m\u00fcssen, darum ging sie lieber sparsam damit um. Sie stand auf, streckte sich noch mehr und sch\u00f6pfte Wasser aus dem kleinen Strom, der hier \u00fcber die Felsen floss und B\u00fcsche und B\u00e4ume zwischen die Felsen wachsen lie\u00df. Sie wusch sich und trank, bis sie sich kalt und frisch f\u00fchlte wie die Morgenluft. Dann sattelte sie die Stute, band sie los, schwang sich auf ihren R\u00fccken und lie\u00df zu, dass Besen sich an ihre Schulter lehnte wie ein zutrauliches Haustier. Die Stelle, an der ihre Hand meistens auf dem Stiel ruhte, war weicher und glatter als der Rest; ansonsten schien Besen nie abzunutzen. Reisig, der einmal abbrach, wuchs immer nach, denn dem Holz wohnte Aylens Wille inne, zu leben. Manchmal knospte auch ein Zweig, gr\u00fcne Sch\u00f6sslinge erschienen, und Aylen hatte einen Schw\u00e4cheanfall, der wenige Atemz\u00fcge, Stunden oder gar mehrere Tage dauern konnte \u2013 je nachdem, wie schnell es ihr gelang, alles Gr\u00fcn abzuschneiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie setzte ihre Reise nach Nordwesten fort, wo das Reich der Wei\u00dfen Elfen lag und in den tiefen W\u00e4ldern der Zauberberg Faysah. Wie weit es noch war, wusste sie nicht. Sie wusste nur, dass sie es vor dem Winter dorthin schaffen musste, um Lehrling des Erzmagiers der Elfen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Weile gab sie sich ihrem Hass auf Salemandra hin, der sie auf dem Berg Gothak zu Unrecht abgelehnt hatte. Aber an die Gemeinheiten zu denken, die man ihr angetan hatte, war auf Dauer zerm\u00fcrbend, und so wanderten ihre Gedanken bald zu angenehmeren Dingen. Die ern\u00fcchternde Wahrheit war, dass man sich auf langen Reisen irgendwie selbst besch\u00e4ftigen musste und unweigerlich in Fantasien versank, die man zu Hause, w\u00e4hrend der Vorbereitung auf das gro\u00dfe Abenteuer, noch als Zeitverschwendung abgetan h\u00e4tte. Erlebnisse mit jungen M\u00e4nnern, an die Aylen damals allerh\u00f6chstens vor dem Einschlafen einen Gedanken verschwendet hatte, begleiteten sie jetzt st\u00e4ndig. Ein schmachtender Blick, ein paar s\u00fc\u00dfe, von Wein befl\u00fcgelte Worte, H\u00e4nde, die sich beim Tanzen um ihre Taille gelegt hatten, lie\u00dfen sie in lange seichte Tagtr\u00e4ume abdriften.<\/p>\n\n\n\n<p>Aylen waren nie Herzen zugeflogen wie anderen M\u00e4dchen, die nach der Kindheit zu reizender Sch\u00f6nheit erbl\u00fchten oder mit ihrer Liebensw\u00fcrdigkeit und ihrem bereitwilligen Lachen jede Situation mit Licht und W\u00e4rme zu erf\u00fcllen vermochten. Im Gegenteil, irgendetwas an Aylen weckte in anderen den Wunsch, sie zu verletzen \u2013 vielleicht, weil ihre magische Gabe so herausragend war und sie sich daf\u00fcr nicht sch\u00e4mte, sondern Anerkennung einforderte. Das machte sie angreifbar, und Angriffe sch\u00fcchterten sie nicht ein. Im Gegenteil, sie hatte eine wilde, geradezu selbstzerst\u00f6rerische Freude daran.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber alle Feindseligkeiten waren wie vergessen, wenn getanzt wurde. Seit sie denken konnte, hatte sie sich zu Musik bewegt. Bevor sie bewusst gezaubert hatte, hatte sie getanzt \u2013 und wenn sie eins mit der Musik war, dann wurde sie beachtet, anerkannt und sogar geliebt. Dann konnte sie mit dem Finger auf einen Mann zeigen, und er kam zu ihr, zitternd vor Begehren, um mit ihr im Kreis zu wirbeln. Dann konnte sie die Frauen anl\u00e4cheln, die sonst \u00fcber sie spotteten, und die Frauen klatschten ihr zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher hatte sie nicht gewusst, dass ihr Tanz bereits Zauberei war. Erst mit f\u00fcnfzehn kam sie darauf, w\u00e4hrend eines Bauernfestes, bei dem sie mit allen jungen M\u00e4nnern getanzt hatte, die ihr gefielen, und mit jedem anders &#8211; ein Zauberbann nach dem anderen, ohne dass sie es recht wusste. Fast einen Mond lang hatte sie danach ein Dutzend Verehrer gehabt, die um das Haus ihrer Tante schlichen und sie beim H\u00fcten der K\u00fche belagerten, ehe der Zauberbann nach und nach von den jungen M\u00e4nnern abfiel und ihre Blicke wieder desinteressiert oder verst\u00f6rt \u00fcber Aylen hinwegstrichen. Die Eifersucht der jungen Frauen hielt l\u00e4nger an.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach hatte sie eigene, merkw\u00fcrdige T\u00e4nze ausprobiert, wenn sie allein war, zum Takt von Regen und dem Tropfen in Grotten, zu Gewitter und Vogelzwitschern. Sie hatte erprobt, wie sie r\u00fcckwirkend mit ihren Bewegungen die Kl\u00e4nge verzerren konnte und mit den Kl\u00e4ngen die Zeit und mit der Zeit die ganze Wirklichkeit. Aber sie hatte nur m\u00e4chtiger werden wollen, statt ihre Gabe zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gefahr von Macht, die sich selbst nicht begreift, musste sie bald am eigenen Leib erfahren. Sieben Monde lag sie nach dem fatalen Unfall im Haus ihrer Tante, zu schwach, um sich zu regen, w\u00e4hrend der Holzstab mit dem B\u00fcschel aus nackten Zweigen, die aus einem Ende sprossen, \u00fcber ihr schwebte wie eine h\u00f6hnische Erinnerung an ihren Fehler oder wie ein Todesurteil. Einen Sommer lang hatte sie ihn angestarrt, diesen unheimlichen beseelten Gegenstand, der einem Besen emp\u00f6rend \u00e4hnelte. Sie wuchs vom Tag des Unfalls an keinen Fingerbreit mehr, ihre Haut wurde fahl, die Ringe um die Augen dunkel, ihre Arme und Beine klapperig. Und egal wie viel Rinderbr\u00fche sie trank, sie erholte sich nicht mehr, denn ihr Wille zu leben floss nun unabl\u00e4ssig in etwas anderes ab.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Zeit, als ihr Leben auf der Kippe stand, hatte sie beschlossen, nicht zu sterben, ehe sie das Wesen der Zauberei ergr\u00fcndet hatte. Und vielleicht \u2013 vielleicht lernte sie bei dem Erzmagier der Menschen ja auch, wie sie den Zauber r\u00fcckg\u00e4ngig machen konnte, der sie zugrunde richtete wie eine Wunde, die nie aufh\u00f6rte zu bluten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, h\u00e4tte sie Besen nicht erschaffen, h\u00e4tte ihr Leben gewiss einen anderen Kurs genommen. Sie h\u00e4tte fr\u00fch einen h\u00fcbschen Kerl durch Zauberei an sich gebunden, wie man es Hexen nachsagte, h\u00e4tte Kinder gro\u00dfgezogen und kranke K\u00fche geheilt und w\u00e4re nie aufgebrochen, um die gr\u00f6\u00dfte Zauberin von ganz Tana zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie \u00fcberlegte, welcher junge Mann zu Hause dieses Verh\u00e4ngnis am ehesten h\u00e4tte werden k\u00f6nnen, und vertrieb sich damit den Morgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Sonne im Zenit stand, sa\u00df Aylen ab, um die Stute zu schonen, und wanderte neben ihr \u00fcber die hellgrauen Felsen, zwischen denen raschelnde Gr\u00e4ser sprossen. Sie a\u00df ein wenig Brot und Trockenfleisch und begann danach zu singen, um sich dadurch von ihrem ungestillten Appetit abzulenken. Die Lieder von zu Hause hatten hier, in der Ferne, einen anderen Klang. Wie fremde V\u00f6gel flatterten sie ins weite Land hinaus und wirkten ein wenig verloren.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich sollte nicht hier sein.<\/em> Das war der Gedanke, der in ihr zitterte und auch ihren Gesang einf\u00e4rbte. <em>Ich sollte auf dem Berg Gothak sein, den ich erobert habe, und dort die Kunst des Zauberns von dem Erzmagier lernen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wohin w\u00fcrde ihre Reise noch f\u00fchren? Sie f\u00fcrchtete, dass der Berg Faysah nicht das Ende sein w\u00fcrde, aber sie wollte nicht zu viel auf diese dunkle Ahnung geben. Sie musste es so oder so versuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder drehte sie sich um und hielt Ausschau nach Verfolgern. Salemandra hatte sie in Gestalt eines Schattens vom Berg Gothak herab verfolgt und versucht, sie in der Nacht zu erw\u00fcrgen. Aber Aylen hatte ihm seinen Zauber abgeschaut und sich ebenfalls in Schatten und Licht aufgespalten. Dass sie so von dem Erzmagier gegen dessen Willen lernte, war ihr ein besonderes Vergn\u00fcgen. Sie hatte gemerkt, dass sie Salemandra mit einem falschen Licht oder Schatten in die Irre f\u00fchren konnte, und seitdem mehrere gesponnen. Vermutlich folgte er gerade dem Stamm der Grauen Elfen, weil Aylen dort den Adler und die Schlange aus Schatten gelassen hatte. Die Vorstellung, ihn so an der Nase herumf\u00fchren zu k\u00f6nnen, am\u00fcsierte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch als sie sich diesmal umdrehte und wieder nach vorn blickte, begann Besen aufgeregt auf dem Sattel zu h\u00fcpfen. Besen bemerkte oft Dinge, die Aylens Bewusstsein nicht erreichten, und konnte sie so warnen. Aylen blieb stehen und sah noch einmal hinter sich. Sie kniff die Augen zusammen. Da war etwas am Himmel. Nur zwei schwarze Punkte, eng nebeneinander, als h\u00e4tte der Horizont Augen bekommen. Doch sie wurden gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n\n\n\n<p>Aylen l\u00e4chelte ein wenig, auch wenn ihr Puls schneller ging. Sie konnte erraten, was f\u00fcr V\u00f6gel es waren. Adler. Vermutlich Lehrlinge Salemandras und nicht er selbst. Wom\u00f6glich sogar die beiden Nichtsnutze, die ihren Platz bekommen hatten. Wenn es die beiden waren, dann w\u00fcnschte sie sich eine Konfrontation. Aber ihre Vernunft setzte sich durch. Sie beschloss, es nicht auf eine Begegnung ankommen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie h\u00e4tte wieder ihren Schatten losschicken k\u00f6nnen, aber vielleicht hatten die Verfolger inzwischen gemerkt, dass sie ihnen damit entkam. Und da gerade ihr Gesang zum Spiegelbild ihrer Gedanken geworden war, wollte sie versuchen, hieraus einen Zauber zu spinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Langsam ging sie weiter, eine Hand am Zaumzeug und die Verfolger im Blick, und nahm das Singen wieder auf. Es war ein einfaches, heiteres Lied \u00fcber eine L\u00e4rche, die beschworen wurde, sich auf einem Finger niederzulassen. Nat\u00fcrlich war mit der L\u00e4rche eine Frau gemeint und mit dem Finger nicht wirklich ein Finger. Aber die Worte waren, ebenso wie die Melodie, nur H\u00fcllen f\u00fcr ihre Empfindungen und Gedanken. Sie lie\u00df alles hineinstr\u00f6men: ihre Wut, ihre Hoffnungen, ihre Einsamkeit, ihre simplen Sehns\u00fcchte, ihre Angst. Auch die Angst vor den Verfolgern. Sie durfte nichts verschweigen oder verstecken, nur so w\u00fcrde die Illusion glaubhaft werden. Sie w\u00fcrden sie h\u00f6ren und wissen, was in ihr vorging \u2026 und der unverf\u00e4lschte Einblick in ihre Gef\u00fchle w\u00fcrde sie glauben machen, dass sie sie wirklich sahen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ihr Gesang sie klar genug spiegelte, konnte sie sich davon l\u00f6sen. Es f\u00fchlte sich an, als w\u00fcrde sie etwas Gro\u00dfes, Schwereloses von sich abzupfen. Und so war es auch. Sie schickte einen langen Atemsto\u00df in die Luft. Ihre Stimme war weiterhin zu h\u00f6ren, obwohl sie nicht mehr sang. Die Stute spitze die Ohren. Sie merkte, dass die Wirklichkeit sich aufgetan hatte und etwas Neues hineingehuscht war wie ein Lichtreflex.<\/p>\n\n\n\n<p>Aylen ging weiter, pustete bei jedem Ausatmen, und der Gesang schwebte, getragen von diesem zarten Windhauch, in die andere Richtung davon wie eine unsichtbare Blase aus Klang. Nach ein paar Schritten begann Aylen dort, wo der Gesang waberte, eine Gestalt zu erkennen, die denselben Gang hatte wie sie. Das einzig Verr\u00e4terische war, dass diese Gestalt Zaumzeug in der Hand hielt, das an nichts festgemacht war, und dass sie kein Besen begleitete.<\/p>\n\n\n\n<p>Aylen schwang sich auf die Stute. \u201eUnd jetzt ein kleiner Sprint, ja? Danach hast du dir eine Pause verdient.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie dr\u00fcckte ihre Fersen in die Flanken der Stute, diese galoppierte los, und Besen schoss wie ein Speer hinterher.<\/p>\n\n\n\n<p>Das graue R\u00fcckenfell des Pferdes gl\u00e4nzte vor Schwei\u00df, und auch Aylen atmete schwer, als sie endlich erlaubte, dass es in Trab fiel. Inzwischen stand die Sonne im Westen, und die hellgrauen Felsen des Hochlands hatten einen rosigen Schimmer angenommen. Ihre Verfolger waren l\u00e4ngst vom Kurs abgekommen \u2013 sie waren dem kleinen Fluss Richtung S\u00fcdosten gefolgt, wohin der Wind ihren Gesang getragen hatte, w\u00e4hrend Aylen sich nach Nordwesten gehalten hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Aylen sah sich um. Vor ihr, wo die Nacht bereits \u00fcber den Horizont kroch und der Welt ihre Farben entzog, fielen ein paar schroffe Klippen ab. Sie glaubte ein Rauschen zu h\u00f6ren, das vielleicht nur der Wind war, vielleicht aber auch Wasser.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie trieb die Stute zu den Klippen, sa\u00df ab und f\u00fchrte sie an den Z\u00fcgeln durch schmale Spalten und an Vorspr\u00fcngen entlang in die Tiefe. Grillen zirpten in der D\u00e4mmerung, und irgendwo quakten Fr\u00f6sche. Aylen folgte dem Froschquaken. Schlie\u00dflich fand sie einen Bach, der unter dichten B\u00fcschen dahinstr\u00f6mte und kurz darauf einen T\u00fcmpel speiste. Sie sch\u00f6pfte aus dem Bach, wo er am lautesten \u00fcber die Felsen st\u00fcrzte, und ging im Kreis um die Stute, wobei sie das Wasser zwischen ihren H\u00e4nden hervorrinnen lie\u00df. Sechsmal machte sie das, wobei sie versuchte, mit jedem Schritt den Rhythmus des rauschenden Baches zu halten und ebenso rauschend durch die Z\u00e4hne ein- und auszuatmen. Dann ging sie mit gesenkten Augen an dem Kreis entlang, gefolgt von Besen, und lauschte. Wo sie das Wasser vergossen hatte, hing ein Rauschen \u00fcber dem Gras, als w\u00fcrden gleich mehrere wilde B\u00e4che vorbeistr\u00f6men. Es war nur eine Klangillusion, aber wie schon ihr Gesang zuvor konnte das Geh\u00f6rte beeinflussen, was jemand sah.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie trat aus dem Kreis heraus und kletterte ein St\u00fcck weiter weg auf die Felsen. Von hier oben aus, nur einen Steinwurf entfernt, waren Besen und die Stute nicht mehr zu erkennen. Stattdessen sah sie dunkel schimmernde B\u00e4che durchs Gras flie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zufrieden kehrte sie in den Bannkreis zur\u00fcck. Sie nahm den Sattel von der Stute und streichelte sie. Noch immer zitterten die Muskeln des gro\u00dfen Tieres. Doch es hatte begonnen, die saftigen Gr\u00e4ser und Wildblumen am Ufer abzugrasen, und auch Aylen bediente sich an ihrem Proviant, froh, dass sie nicht auf Froschfang gehen musste. Nicht nur, weil Fr\u00f6sche keine besonders \u00fcppige Mahlzeit waren, sondern auch, weil sie so kein Feuer brauchte, um sich ihr Essen zuzubereiten. Vermutlich w\u00e4re der Zauber stark genug gewesen, um das Feuer zu verbergen, aber riskieren wollte sie es lieber nicht. Schon jetzt blickte sie alarmiert auf bei jeder Fledermaus, die durch den Abendhimmel flatterte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dunkelheit schien aus den Dingen selbst zu wogen. Dann gl\u00fchten die Sterne am Firmament auf. Aylen lie\u00df sich auf den R\u00fccken sinken und durchwanderte die endlose Weite des Himmels mit ihrem Blick. Es hie\u00df, dort oben, noch jenseits der Sonne und des Mondes, l\u00e4ge die Sph\u00e4re des G\u00f6tterlichts, in der keine Zeit existierte, sondern Ewigkeit. Darum standen die Sterne in Wahrheit still. Dass sie sich zu verschieben schienen, lag nur an der Bewegung Tanas \u2013 denn hier unten war alles endlich, alles im Wandel, ein Kampf zwischen der Ewigkeit oben und der Ewigkeit unten. Die unten nannte man Geisterschatten. Sie war das Spiegelbild des G\u00f6tterlichts, das exakte Gegenteil. Aylen fragte sich, ob dort unten ebenfalls Sterne glommen, tief im Scho\u00df der Erde. Die gl\u00e4nzenden Metalle und funkelnden Kristalle, die man mancherorts ausgraben konnte, lie\u00dfen jedenfalls darauf schlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie hatte geglaubt, vor Nervosit\u00e4t wegen ihrer Verfolger die ganze Nacht keinen Schlaf zu finden, aber morgens erwachte sie mit einem Schreckenslaut mitten in dichtem Nebel, ohne sich zu erinnern, wo sie war. F\u00fcr einen Moment w\u00e4hnte sie sich zur\u00fcck auf den verschneiten H\u00f6hen von Gothak, in der t\u00f6dlichen K\u00e4lte, in der sie die Stimmen b\u00f6ser Zauber fast dazu \u00fcberredet hatten, sich in die Tiefe zu st\u00fcrzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst das Schnauben der Stute neben ihr brachte sie zur\u00fcck in die Wirklichkeit. Zitternd wischte sie sich \u00fcber das Gesicht, auf dem sich der Dunst mit ihrem Schwei\u00df mischte. Sie \u00e4rgerte sich \u00fcber ihre eigene \u00c4ngstlichkeit, stand auf und pinkelte neben einen Strauch. Das Rauschen des Schutzbanns war noch zu h\u00f6ren, wenn auch nur leise, und immerhin w\u00fcrde der Nebel sie noch eine Weile vor Blicken aus der Luft sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sattelte die Stute und brach auf. Der Nebel war so dicht, dass sie kaum das Gras sehen konnte, in das die Pferdehufe traten. Wenn die Sonne h\u00f6her stieg, w\u00fcrde sie ihn sicher wie Rauch aufl\u00f6sen. Doch obwohl es heller wurde, zeigte sich kein Sonnenstrahl. Der Himmel musste dicht bew\u00f6lkt sein und die Feuchtigkeit herabdr\u00fccken. Oder ging es nicht ganz mit rechten Dingen zu? Aylen rieb nerv\u00f6s am Besenstiel und widerstand dem Drang, sich immer wieder umzudrehen, denn sie konnte ohnehin nichts sehen \u2013 erst recht nicht, wenn es ein zauberischer Nebel war. Wie konnte sie also pr\u00fcfen, ob sie sich in einer Falle befand?<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst musste sie sich von ihren Gef\u00fchlen unabh\u00e4ngig machen. Aus Angst heraus w\u00fcrde sie immer nur reagieren und nichts erschaffen, was aber die Voraussetzung f\u00fcr Zauberei war.<\/p>\n\n\n\n<p>Um sich zu beruhigen, begann sie, die Stute beruhigend zu t\u00e4tscheln. <em>Weil alles alles spiegelt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir m\u00fcssen noch einen Namen f\u00fcr dich finden\u201c, murmelte sie. \u201eWie w\u00fcrdest du denn gern hei\u00dfen? Oder hast du schon einen Namen, den ich erraten muss?\u201c Sie kraulte ihr die schwarze M\u00e4hne. \u201eEinen Namen, der dein sanftes Wesen spiegelt? Heleta, die Ruhe?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stute lie\u00df ein paar Pferde\u00e4pfel fallen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNa gut, nicht Heleta also! Vermutlich ist es anma\u00dfend, dich nach deinem Wesen zu benennen. Ich kenne dich ja noch gar nicht so gut. Soll ich dich lieber nach deinem Aussehen benennen? Dar\u00fcber gibt es auch Sch\u00f6nes zu sagen. D\u00e4mmerung?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stute sch\u00fcttelte tats\u00e4chlich den Kopf. Sicher war es nur Zufall \u2026 aber eigentlich glaubte Aylen nicht an Zuf\u00e4lle. \u201eD\u00e4mmerung ist zugegebenerma\u00dfen ein bisschen abgedroschen. Also etwas Einfacheres. Du siehst auch aus wie Asche und Kohle, so grauschwarz. Ascheko? Was h\u00e4ltst du davon?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stute trabte gelassen weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAscheko\u201c, wiederholte Aylen. \u201eKein Einspruch. Dann bleiben wir f\u00fcrs Erste dabei. Aber lass mich wissen, wenn der Name sich nicht mehr richtig anf\u00fchlt. H\u00f6rst du, Ascheko? Wenn du dich weiterentwickelst und dich irgendwie nicht mehr wie Ascheko f\u00fchlst &#8230; Na ja, wir k\u00f6nnen \u00fcber alles reden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie strich weiter durch die Pferdem\u00e4hne. Es hatte funktioniert \u2013 die Ruhe, die sie dem Pferd eingefl\u00f6\u00dft hatte, war in sie selbst gestr\u00f6mt. Nun konnte sie sich \u00fcberlegen, wie sie mit ihren m\u00f6glichen Verfolgern umging. Hier im Nebel hatte sie keinen Schatten, den sie als Illusion fortschicken konnte. Besser, sie versuchte wieder einen Klangzauber. Doch durch den Nebel w\u00fcrde ihr Gesang weithin zu h\u00f6ren sein, und vielleicht war das die Falle \u2013 dass sie sich verriet, indem sie laut wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie r\u00e4tselte noch, was sie tun sollte, als der Dunst in Bewegung geriet und vor ihr aufriss. Glei\u00dfende Sonnenstrahlen stie\u00dfen aus dem Himmel auf die Erde herab. Aylen z\u00fcgelte Ascheko.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor ihnen erstreckten sich bis in die Ferne tiefgr\u00fcne H\u00fcgel, umhaucht von Sonnenlicht, und aus den T\u00e4lern wallte der Dunst wie Abbilder der Drachen, die angeblich in den Zauberbergen gefangen gehalten wurden. Dies war nicht mehr die Hochebene der Grauen Elfen. Dies war das Waldreich der Wei\u00dfen Elfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und in seinem Herzen thronte der Berg Faysah.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Kapitel 11<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka \u00f6ffnete die Augen, als ein sanfter Stups des Drachen sie aus der Vergangenheit hinausbef\u00f6rderte. Wie seltsam, wieder in ihrem eigenen K\u00f6rper zu sein. In ihrer eigenen Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sonne br\u00fctete im Westen, ein glosender Fleck in den Wolkenb\u00e4nken. Ohne diesen Anhaltspunkt h\u00e4tte Nireka erst nicht sagen k\u00f6nnen, ob wenige Atemz\u00fcge oder ganze Tage verstrichen waren. Doch der Duft der bratenden Fische verriet ihr, dass es nun Zeit war, zu essen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLass sie nicht verbrennen\u201c, sagte Aylen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka erwiderte den stillen Blick des Drachen. Sie konnte jetzt nur noch die Zauberin in ihm sehen. Sicher war das der Grund, warum Aylen ihre Erinnerungen mit ihr teilte: Sie wollte als Frau erkannt werden. Sie wollte, dass Nireka verstand, warum sie die Erzmagier besiegt und die Drachen auf die Welt losgelassen hatte. Aber es gab keine Rechtfertigung daf\u00fcr. Es durfte keine geben!<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka erhob sie sich und k\u00fcmmerte sich um das Essen. Ihre Knie und H\u00e4nde zitterten. Sie dachte, sie k\u00f6nnte nichts hinunterbekommen, aber ihr Hunger war st\u00e4rker als alle anderen Gef\u00fchle. Sie nahm die Fische vom Spie\u00df und musste sich zwingen, langsam zu essen. Wenn man l\u00e4ngere Zeit nichts zu sich genommen hatte, sollte man nicht schlingen, das lernte jedes Kind in Ydras Horn. Der Gedanke an ihre Heimat tat weh; alles kam ihr so fern, so klein und unbedeutend vor. Was war schon ihre Heimat? Ein Ort, der f\u00fcr eine Weile bestand, ein paar Herzen, die in Angst schlugen und verstummten. Erinnerungen, die mit dem letzten Atemzug verwehten. Selbst Aylen, die die Welt ver\u00e4ndert hatte und noch Jahrhunderte sp\u00e4ter am Leid von Hunderttausenden Mitschuld trug, war vergessen worden. Ersetzt und namenlos gemacht durch eine gemeine Legende.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nein, das stimmte nicht. Aylen war nicht vergessen. Sie war unsterblich, ganz gleich, ob sie ihre Erinnerungen teilte oder nicht. Sie war ein Drache.<\/p>\n\n\n\n<p>Nirekas Finger zitterten nun so sehr, dass sie aufh\u00f6ren musste, zu essen. Die Wirklichkeit schien ihr zu entgleiten. Sa\u00df sie tats\u00e4chlich hier und schaute in die Vergangenheit einer Bestie? Die Vorstellung, dass Drachen einmal Frauen wie sie gewesen waren, schockierte sie nicht nur, es zerst\u00f6rte sie, langsam und mit Verz\u00f6gerung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGeht es dir gut?\u201c, fragte der Drache.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa\u201c, murmelte Nireka, dankbar, dass er nicht in ihren Gedanken sprach und in sie hineinhorchte, wie er es ja auch durchaus konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu hilfst mir, mich zu erinnern\u201c, sagte der Drache. \u201eIch \u2026 ich habe keinen guten Zugang zu meinem Ged\u00e4chtnis. Wenn du in meine Vergangenheit tauchst, bringst du die Dinge erst wieder f\u00fcr mich ans Licht. Ich danke dir. Wenn du fertig gegessen hast, k\u00f6nnen wir weitermachen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBist du nicht hungrig?\u201c, fragte Nireka und biss sich erst danach auf die Zunge. Nat\u00fcrlich fra\u00dfen Drachen keine Fische.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEin Drache ist kein Lebewesen. Ich muss nicht essen, trinken oder schlafen. Ich brauche nur eine Quelle.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Mich<\/em>, dachte Nireka.<\/p>\n\n\n\n<p><em>So ist es<\/em>, hallte die klanglose Stimme in ihr herauf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBitte mach das nicht\u201c, sagte Nireka. \u201eEinfach so \u2026 auftauchen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu bist selbst aufgetaucht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnabsichtlich.\u201c Nireka atmete tief durch. <em>Wenn ein Drache nicht frisst, was hast du dann mit Sabriel gemacht?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas war jetzt Absicht?\u201c, fragte der Drache.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa. Ich \u00fcbe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nun, ich habe Sabriel \u2026<\/em> Der Drache schien nach Worten zu suchen. Schlie\u00dflich sagte er laut: \u201eIch habe Sabriels Lebenswillen in mich aufgenommen. All die Kraft, die sie in sich angesammelt hatte. Es sieht so \u00e4hnlich aus, wie wenn ein Lebewesen frisst, stimmt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka blickte auf ihre Essensreste hinab und wusste, dass sie nichts mehr davon zu sich nehmen konnte. Es tat ihr leid um die Fische. Der Zauberbesen kam und kehrte die Reste vorsichtig zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas habe ich ihn noch nie tun sehen\u201c, bemerkte Aylen verbl\u00fcfft. \u201eSich wie ein Besen verhalten, meine ich. Die lange Zeit allein hat ihn wunderlich gemacht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn er kein Besen ist, was ist er dann?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Drache z\u00f6gerte. \u201eEin Teil von mir.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Als h\u00e4tte der Besen ihn geh\u00f6rt, flog er zu dem Drachen und strich ihm z\u00e4rtlich um die Wangen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNicht mit all den Fischresten, Besen\u201c, murrte der Drache gutm\u00fctig und neigte sich weg, um eine Tatze auf den Zaubergegenstand zu legen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu nennst ihn Besen, obwohl er keiner ist\u201c, sagte Nireka und dachte nach. \u201eIch habe dich erweckt, indem ich deinen Namen gesagt habe, nicht wahr?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Drache nickte. \u201eAuch daf\u00fcr danke ich dir.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka wollte gerade zugeben, dass es eher ein Versehen gewesen war, da richtete sich der Drache pl\u00f6tzlich auf, die Augen weit aufgerissen. <em>Sabriel!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas ist mit \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sag ihren Namen nicht<\/em>, donnerte die Stimme in Nireka, sodass sie zusammenfuhr.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch Idiot\u201c, fauchte der Drache, und Feuer zischte links und rechts aus seinem Maul. Hektisch begann er zwischen den Wogen zu suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka schluckte schwer. Wenn auch ein besiegter Drache dadurch erwachte, dass jemand ihn beim Namen nannte \u2026 dann betete sie, dass Sabriel au\u00dfer H\u00f6rweite war.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Drache hielt inne. Er schien etwas gefunden zu haben. <em>Ich hatte gehofft, das Ei w\u00e4re von den Wogen raus ins Meer getragen worden. Aber es war hier. Die ganze Zeit.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nireka f\u00fchlte Aylens Panik, noch bevor der Drache sich umdrehte und den Kristall hochhielt, der dumpf knackte und schon nicht mehr ganz eif\u00f6rmig war.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was jetzt?<\/em>, fragte Nireka. <em>Wird sie wieder \u2026 schl\u00fcpfen? M\u00fcssen wir sie nochmal besiegen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Drache stie\u00df ein tiefes St\u00f6hnen aus, das weit \u00fcber das Meer wehte. <em>Entweder das, oder wir verhindern das Wachstum ihres Drachenk\u00f6rpers.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie denn?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Besen drehte sich nerv\u00f6s im Kreis wie eine Spule, und es dauerte eine Weile, bis Aylen sich zu einer Antwort durchringen konnte. <em>Indem wir Sabriel in einen Zauberberg bannen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Laut sagte der Drache: \u201eWenn wir fliegen, erreichen wir Tahar\u2019Marid vielleicht in vier Tagen. Er ist der n\u00e4chste Zauberberg.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka schluckte schwer. \u201eWir?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Drache blitzte sie an. \u201eDu kannst mitkommen und mir als Quelle dienen. Oder du bleibst hier, und wir lassen sie noch einmal schl\u00fcpfen.\u201c Ohne eine Antwort abzuwarten, kletterte er am Turm empor, dass der Salzstein knirschte. Nireka sah das kristallene Ei in seiner Klaue. F\u00fcr einen Augenblick erkannte sie in dem goldbraunen durchscheinenden Gestein den Umriss der wahren Bestie \u2013 die M\u00f6rderin, wie sie wirklich aussah: langes, dunkles Haar, ein rundliches, eher fr\u00f6hliches Gesicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka wurde schlecht. Sie musste wegsehen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir k\u00f6nnen nicht einfach nach Tahar\u2019Marid reisen\u201c, sagte sie. \u201eIch habe doch erz\u00e4hlt, dass die Leute um den Zauberberg nicht versteckt leben, sondern unter freiem Himmel. Ihre Felder und Weiden werden nicht verbrannt, denn Tahar\u2019Marid steht unter dem Schutz eines m\u00e4chtigen Drachen, der alle anderen Bestien fernh\u00e4lt. Der Preis daf\u00fcr ist, dass ihm s\u00e4mtliche Bewohner von Tahar\u2019Marid geopfert werden m\u00fcssen, die von Geisterschatten besessen sind.\u201c Nireka verschr\u00e4nkte fr\u00f6stelnd die Arme. \u201eDu siehst, weder du noch ich sind dort sicher.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWie hei\u00dft der Drache?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka zuckte mit den Schultern. \u201eBis ich dich getroffen habe, wusste ich nicht, dass Drachen einmal Frauen waren, geschweige denn, dass sie Namen hatten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Drache schien nachzudenken. Dann sagte er: \u201eDer Drache von Tahar\u2019Marid ist nur ein Grund mehr, hinzufliegen. Ich werde versuchen, mit ihm zu reden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEr wird versuchen, dich umzubringen\u201c, sagte Nireka. <em>Und mich<\/em>, f\u00fcgte sie in Gedanken hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas werden wir verhindern. Steig auf.\u201c Der Drache neigte den Kopf und bot ihr offenbar an, in seinen Nacken zu klettern.<\/p>\n\n\n\n<p>Nireka h\u00e4tte abgelehnt, wenn sie eine Wahl gehabt h\u00e4tte. Aber war es eine Option, in dem verfallenen Turm im Meer zu bleiben, ohne Boot? Mit einem Drachen, der bald schl\u00fcpfen w\u00fcrde? Sie \u00fcberwand sich und trat n\u00e4her. Aylens Schuppen waren spiegelglatt. Doch in den Fugen dazwischen fand Nireka Halt, bis sie sich an den H\u00f6rnern entlang der Wirbels\u00e4ule hochziehen konnte und der Drache ihr mit einer leichten Kopfbewegung nachhalf. Sie unterdr\u00fcckte einen Laut des Entsetzens, als sie unvermittelt rittlings in seinem Nacken sa\u00df. Dann hob er den Kopf, sodass sie hoch \u00fcber der Turmspitze schwebte, und spreizte die Fl\u00fcgel. Sie klammerte sich an einem Horn fest und f\u00fchlte, wie sie mit dem R\u00fccken gegen das hinter ihr rutschte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWei\u00dft du inzwischen, wie du fliegen kannst?\u201c, rief sie ihm zu. <em>Bei deinem ersten Versuch sah es noch nicht danach aus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch werde es jetzt lernen\u201c, grollte der Drache.<\/p>\n\n\n\n<p>Irrte sich Nireka, oder war da ein vergn\u00fcgter Unterton in seiner Stimme?<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBist du bereit?\u201c, fragte er.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nein<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber da stie\u00df er sich bereits von dem Turm ab, das Ei fest gepackt, segelte in den Himmel \u2026 geriet pl\u00f6tzlich ins Trudeln \u2026 und raste mit flatternden Fl\u00fcgeln in die Tiefe.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAylen, flieg!\u201c, stie\u00df Nireka aus.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr einen Augenblick sp\u00fcrte sie, dass sie mit der Nennung des Namens ein Tor in den Drachen aufgesto\u00dfen hatte, und zwar ein gewaltiges. Er zuckte zusammen und fing sich fast noch vor dem Aufprall \u2013 aber nur fast. Wie ein Pfeil schoss er \u00fcber das Meer hinweg, dann durchbrach er mit einem gewaltigen Platschen die Wasseroberfl\u00e4che. Seine Fl\u00fcgel sch\u00fctzten Nireka leidlich. Gischt spr\u00fchte auf, w\u00e4hrend er strampelte, den Kopf gereckt wie ein Schwan. Sie kniff die Augen zu und klammerte sich an ihm fest. F\u00fcr eine Weile schwamm er mit flatternden Fl\u00fcgeln und reckte sich vergebens in die H\u00f6he, das Kristallei fest in den Klauen. Sie sah ihn mit den Tatzen paddeln. Die kr\u00e4ftigen Fl\u00fcgelschl\u00e4ge gaben ihm Geschwindigkeit und hoben seinen Leib ein St\u00fcck empor, sodass es aussah, als w\u00fcrde er auf dem Wasser laufen. Aber er l\u00f6ste sich nicht von der Oberfl\u00e4che.<\/p>\n\n\n\n<p>Besen flog mit zitterndem Reisig neben ihnen her, und Nireka w\u00fcnschte sich, sie k\u00f6nnte auf ihm fliegen statt auf Aylen. M\u00fchsam flatterte, schwamm und strampelte der Drache. Wie lange er das durchhielt! Die Kr\u00e4fte, die seinem K\u00f6rper innewohnten, schienen so unersch\u00f6pflich wie seine Flugversuche vergeblich. Doch endlich siegte seine St\u00e4rke. Seine Hinterl\u00e4ufe verlie\u00dfen das Wasser. Sie hoben ab!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Luft krachte unter seinen Schwingen. Rasch gewannen sie an H\u00f6he. Nireka stie\u00df einen Schrei aus, weil die Angst in ihr sich Bahn brechen musste. Aber als sie sich etwa zwanzig Meter \u00fcber dem Meer eingependelt hatten und sie sich an die Gleichm\u00e4\u00dfigkeit seiner Bewegungen gew\u00f6hnte, gelang es ihr nach und nach, etwas lockerer zu werden. Sie musste sich nicht mit aller Macht festklammern. Solange er keine unvorhersehbaren Flugman\u00f6ver vornahm, h\u00e4tte sie sogar das Horn loslassen und sich gegen das Horn hinter ihr lehnen k\u00f6nnen. Nicht, dass sie so verr\u00fcckt gewesen w\u00e4re, sich tats\u00e4chlich zu entspannen.<\/p>\n\n\n\n<p>Besen schoss mit klapperndem Reisig neben ihr her, was ihr einen gewissen Trost spendete. Nireka redete sich ein, dass er sie auffangen w\u00fcrde, wenn sie st\u00fcrzte. Sofern der Zaubergegenstand wirklich ein Teil von Aylen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter ihnen raste das Meer dahin, eine scheinabr endlose, eint\u00f6nige Fl\u00e4che aus Grau und Blau. Die Wellen sahen von hier oben so harmlos aus. Dabei h\u00e4tte Nireka nicht lange da unten als Schwimmerin \u00fcberlebt. \u00dcber die t\u00f6dliche Gefahr des Meeres einfach so hinwegzujagen, erf\u00fcllte sie mit einem ungewohnten Gef\u00fchl von Freiheit. Und Macht. Dabei war es ja nicht ihre Macht, sondern die des Drachen. Wie leicht sich das vergessen lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie waren noch nicht lange unterwegs, da tauchte am Horizont bereits die K\u00fcste auf. Nireka wusste, dass ein Segelschiff von Ydras Horn bis zum Festland bei gutem Wetter mindestens einen Tag brauchte. Den Drachen hatte es viel weniger Zeit gekostet.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich hatte Nireka noch nie das Festland gesehen, sondern immer nur davon geh\u00f6rt. Eine merkw\u00fcrdige Aufregung erfasste sie. Immer n\u00e4her kam das Land, das links und rechts bis in die Ferne weiterging, und dann waren sie mit einem Rauschen \u00fcber die Klippen hinweg und segelten \u00fcber gr\u00fcne H\u00fcgel, schroffe Felsen und d\u00fcrre B\u00e4ume. Der k\u00fchle, feuchte Hauch verschwand, der bis jetzt mit jedem Fl\u00fcgelschlag aufgewirbelt worden war, und ein warmer, trockener Wiesenduft umfing sie. Nirekas bisheriges Leben schien noch kleiner, noch ferner. Nie war sie so weit von ihrer Insel fortgekommen &#8211; und es war nicht einmal wirklich weit. Sie w\u00e4re alt geworden und gestorben, ohne je Gewissheit zu haben, dass es \u00fcberhaupt ein Festland gab. Riwan kam ihr in den Sinn, und endlich verstand sie, warum er gefragt hatte, ob sie sich nicht manchmal zu Hause gefangen f\u00fchlte.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4lder tauchten unter ihnen auf, zerzaust und kahl im Sonnenschein. Hier und da sah Nireka Fl\u00fcsse glitzern und bekam Durst. Aber der Drache flog und flog, als kenne er keine Ersch\u00f6pfung. Oder als w\u00fcsste er nicht, wie er landen sollte. Im Meer hatte er sich einen Bauchplatscher erlauben k\u00f6nnen, aber hier? Nireka schickte in Gedanken ein Sto\u00dfgebet an ihre Ahnen, ihr beizustehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal roch Nireka Feuer, und als sie sich umsah, entdeckte sie nicht weit entfernt Rauchfahnen, die der Wind zwischen gr\u00fcn bewachsenen Klippen verwehte. D\u00f6rfer. Sie zweifelte nicht daran, dass die Leute den Drachen gesehen und so eilig wie m\u00f6glich das Feuer gel\u00f6scht hatten. War auch Nireka von dort unten sichtbar? Sie versuchte sich ihre eigene Reaktion auszumalen, wenn sie jemanden im Nacken eines Drachen entdeckt h\u00e4tte. Mit einem fliegenden Besen an der Seite. Vermutlich h\u00e4tte sie ihren Augen nicht getraut.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fl\u00fcsse weiteten sich zu T\u00fcmpeln und Teichen, und weite Sumpfwiesen mit gelben und rosa Blumen erstreckten sich unter ihnen, als das letzte Tageslicht erlosch.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich werde versuchen zu landen<\/em>, sagte Aylen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Versuchen?<\/em> Nireka klammerte sich am Horn fest. <em>Wollen wir nicht lieber einen See oder so etwas daf\u00fcr suchen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aber da hatte der Drache bereits aufgeh\u00f6rt, mit den Fl\u00fcgeln zu schlagen, und neigte sich zur Seite, um auf einer Wiese zu landen. Er bekam die Kurve nicht ganz hin und begann heftig zu flattern, um nicht in ein paar morsche B\u00e4ume zu krachen. Vogelschw\u00e4rme ergriffen nah und fern die Flucht. Schlie\u00dflich landete er polternd auf der Erde, galoppierte durch Str\u00e4ucher und Sumpfland und kam endlich auf einem Gewirr aus \u00c4sten zum Stehen, die von einem gem\u00e4chlichen Bach zusammengeschoben worden waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, da der Wind ihr nicht mehr um die Ohren br\u00fcllte, h\u00f6rte Nireka das schwere Atmen des Drachen. Seine Fl\u00fcgel zitterten, als er sie an seinen langen, schmalen Leib anlegte. Das Fliegen zehrte also doch an seinen Kr\u00e4ften.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas lief besser als erwartet\u201c, schnaufte er. \u201eDu musst durstig sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er neigte den Kopf zum Ufer des Baches, sodass sie absteigen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie kletterte hinunter. Als ihre nackten F\u00fc\u00dfe im Moos versanken, kam ihr ein Seufzen \u00fcber die Lippen. Sie hatten es geschafft. Wie viele Wunder hatten geschehen m\u00fcssen, damit sie jetzt noch lebte, konnte sie schon gar nicht mehr aufz\u00e4hlen. Sie sank ans Ufer, sch\u00f6pfte Wasser und trank nicht nur, sondern wusch sich auch den Angstschwei\u00df vom Gesicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Drache untersuchte das Kristallei, in dem Sabriel ihren Schlaf der Ewigkeit hielt. Mit einer Kralle fuhr er an der Oberfl\u00e4che entlang und knurrte, als er Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten entdeckte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wie viel Zeit bleibt uns noch?<\/em>, fragte Nireka.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schwer zu sagen. Vielleicht ein Viertelmond, vielleicht eine Nacht. Wir haben ihren Namen oft gesagt, aber von weiter weg. Und auch nur innerhalb kurzer Zeit und dann nicht mehr. Vielleicht haben wir Gl\u00fcck, und das verz\u00f6gert ihr Wachstum.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Besen hatte inzwischen Laub und Zweige zu einem Haufen zusammengekehrt, und der Drache lie\u00df ihn in Flammen aufgehen. Zufrieden sah er Nireka an. Das Lagerfeuer war offenbar f\u00fcr sie.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn du willst, zeige ich dir mehr von meiner Geschichte\u201c, bot der Drache an.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur dass es nicht wirklich ein Angebot war, sondern eine Bitte. Nireka ahnte, dass er sich selbst in Erinnerung bringen wollte, wer er gewesen war. \u00dcber dreihundert Jahre in einem Ei zu verbringen hatte gewiss so manches ins Dunkle abdriften lassen. Die Verlassenheit, die in ihm herrschen musste, konnte sie sich kaum vorstellen, und ein Teil von ihr str\u00e4ubte sich auch, Mitgef\u00fchl mit einem Drachen zu haben. Andererseits musste sie wissen, was damals vorgefallen war \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Sie ahnte, dass der Drache alle diese Gedanken h\u00f6ren oder zumindest erraten konnte, und sein stilles Verst\u00e4ndnis \u00fcberzeugte sie schlie\u00dflich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGut\u201c, sagte sie, schloss die Augen und trat hin\u00fcber.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 10 &amp; 11 Guten Abend, liebe Vorab-Leser! Der Roman ist nun erschienen. Aber das hei\u00dft nicht, dass wir nicht noch ein bisschen tiefer in die Geschichte hineinlesen k\u00f6nnen. Weiter geht es mit Aylens Geschichte in der Vergangenheit und dem weiteren Weg von ihr und Nireka in der Gegenwart. Wie immer werden f\u00fcnf signierte B\u00fccher unter allen verlost, die einen Kommentar hinterlassen. Ich dr\u00fccke euch die Daumen und bedanke mich f\u00fcr euer Mitlesen und eure R\u00fcckmeldungen! * * * Kapitel 10 Als Kind hatte Aylen ihre Mutter gefragt, was Zeit war. Doch die stets besch\u00e4ftigte Frau hatte ihr keine befriedigende Antwort geben k\u00f6nnen, ebenso wenig wie alle anderen Erwachsenen, die&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1774"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1774"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1774\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1777,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1774\/revisions\/1777"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1774"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1774"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1774"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}