{"id":685,"date":"2014-09-28T10:56:50","date_gmt":"2014-09-28T08:56:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=685"},"modified":"2014-09-29T11:07:40","modified_gmt":"2014-09-29T09:07:40","slug":"5-testlese-woche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=685","title":{"rendered":"5. TESTLESE-WOCHE"},"content":{"rendered":"<p>Was f\u00fcr ein zartlichtiger, herbstlicher Sonntagmorgen! Seid ihr alle ausgeschlafen, eingekuschelt und hochkonzentriert? Denn jetzt geht es weiter mit dem Testlesen von NoN!<\/p>\n<p>Im letzten Kapitel ist Nicki U-Bahn gefahren, sonst ist nichts passiert. Die Welt w\u00e4re schrecklich langweilig, wenn wir kein\u00a0Innenleben h\u00e4tten. Doch dank eines ebensolchen konnte\u00a0Nicki noch einmal ihre erste Begegnung mit Canon Revue passieren lassen. Was praktisch ist, denn so erfuhren auch wir, wie die beiden sich kennenlernten.<\/p>\n<p>Nun kommt Nicki im Restaurant TITANIC an, wo ihr Leben sich von Grund auf \u00e4ndern wird. Ob das Restaurant auch weiterhin TITANIC hei\u00dfen wird, liegt aber an euch &#8211;\u00a0zwei Optionen stehen zur Auswahl bereit.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Anders als sonst habe ich heute \u00fcbrigens eine inoffizielle Deadline f\u00fcr das Einarbeiten eurer Kommentare. Ein Verlag\u00a0schickt regelm\u00e4\u00dfig Vertreter an s\u00e4mtliche Buchh\u00e4ndler, um die neuen Werke vorstellen zu lassen. Manchmal\u00a0produziert der Verlag auch\u00a0sogenannte Leseexemplare &#8211;\u00a0unredigierte, oft nur wei\u00df gebundene Rohfassungen eines Buches, die die Buchh\u00e4ndler\u00a0vorab zum Lesen bekommen. Aus Kosten- und Zeitgr\u00fcnden sind Leseexemplare aber die Ausnahme. Auch NoN war nicht rechtzeitig fertig. Daf\u00fcr soll es aber jetzt ein sogenanntes Kofferraumexemplar geben: Das ist im Prinzip dasselbe, nur dass es nicht per Post an die Buchh\u00e4ndler geht, sondern erst von den Vertretern mitgebracht wird &#8211; quasi aus dem Kofferraum.<\/p>\n<p>Diesen Montag, also morgen, muss ich die aktuelle Version des Manuskriptes daf\u00fcr abschicken. Das hei\u00dft, alle Vorschl\u00e4ge und Ideen von eurer Seite kann ich noch heute einbauen. Danach ist es f\u00fcr das Kofferraumexemplar zu sp\u00e4t &#8211; allerdings auch nur f\u00fcr das Kofferraumexemplar. In den endg\u00fcltigen Roman, der im M\u00e4rz erscheint, werden noch bis zuletzt eure Vorschl\u00e4ge einflie\u00dfen.<\/p>\n<p>Das aber nur am Rande. Ganz unabh\u00e4ngig davon, ob und wann ihr kommentiert,\u00a0w\u00fcnsche ich euch viel Vergn\u00fcgen beim\u00a0Lesen!<\/p>\n<p>An eurem Innenleben interessiert:<\/p>\n<p>Jenny<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Geheimweg ist der einzige Weg ins Verbotene<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ihr Vater hatte sie fr\u00fcher, wenn gerade Geld da gewesen war, gelegentlich in Restaurants ausgef\u00fchrt. Einmal hatte er sie auch in eine Eckkneipe mitgenommen, wo er mit einem angeblichen Fu\u00dfballtrainer ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Banken und Politik anfing und Nicki zwei Stunden lang in ihre Cola starren lie\u00df. Aber nie hatte er sie in <em>so<\/em> ein Etablissement gebracht.<\/p>\n<p>Hinter dem Samtvorhang des Eingangs er\u00f6ffnete sich ein pr\u00e4chtiger Saal voller Tische mit wei\u00dfen Decken, an denen vornehme Leute mit Kristallgl\u00e4sern und Silberbesteck hantierten, sodass es wie in einem Juwelierladen funkelte. Ihr Geplauder und das Klappern des Bestecks erf\u00fcllten die Luft mit einem hellen, glockigen Gewitter, das ein Streichquartett mit heiteren Kl\u00e4ngen begleitete. Kirschbaumholz t\u00e4felte die W\u00e4nde. Eine wuchtige Treppe, flankiert von geschnitzten Meerjungfrauen mit Leuchtkugeln in den Armen, f\u00fchrte zu einem zweiten Stockwerk hinauf, das offen und nur von einer goldenen Reling ges\u00e4umt \u00fcber die untere Etage ragte. Das Faszinierendste aber war die Decke: Sie bestand aus Glas. Dahinter schien ein Aquarium zu liegen. Wasserrippelungen zogen Lichttentakel durch den Raum, durchw\u00f6lkt von den riesenhaft verzerrten [kommentierbar id=&#8221;17&#8243;]Schatten exotischer Fische[\/kommentierbar].<\/p>\n<p>Wie Fische glitten auch die Kellnerinnen und Kellner in gest\u00e4rkten wei\u00dfen Hemden zwischen den G\u00e4sten umher, servierten kleine bunte Speiset\u00fcrmchen und lie\u00dfen Rubinrot und perlendes Gold aus Flaschen in die Kristallgl\u00e4ser flie\u00dfen.<\/p>\n<p>Nicki n\u00e4herte sich einer bauchigen Bar, ohne ihren Blick von dem Deckenaquarium losrei\u00dfen zu k\u00f6nnen. Der asiatische Mann hinter dem Tresen, der damit besch\u00e4ftigt war, Seerosen aus Servietten zu falten, wurde auf sie aufmerksam und deutete ein Nicken an.<\/p>\n<p>Nicki legte die H\u00e4nde auf die polierte Holzfl\u00e4che. \u201eIch suche Frau La Psie.\u201c<\/p>\n<p>Der Mann l\u00e4chelte vage. \u201eHat die Dame eine Reservierung gemacht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch glaube nicht.\u201c<\/p>\n<p>Der Mann hielt in seiner Arbeit inne und schien abzuwarten, ob mehr kam oder ob Nicki sich von alleine zur\u00fcckzog. Nicki nahm eine dunkelrot umkrustete Nuss aus einem der hingestellten Sch\u00e4lchen und steckte sie sich in den Mund.<\/p>\n<p>Etwas \u00e4nderte sich im Gesicht des Mannes. Als w\u00fcrde er sich erschrecken. Ohne ein weiteres Wort verschwand er durch eine Schwingt\u00fcr mit Bullauge hinter der Bar.<\/p>\n<p>Nicki sah sich stirnrunzelnd um, entdeckte aber nichts, was die Flucht des Mannes gerechtfertigt h\u00e4tte. Sie wartete. Probierte noch eine gr\u00fcne Nuss. Dann noch eine wei\u00dfe und eine gelbe und ger\u00f6stete Gem\u00fcsechips in jeder Farbe, bis sie fast ein ganzes Sch\u00e4lchen geleert hatte. Sie beobachtete die Kellner, die Teller zu den Tischen trugen und mit Kreditkarten auf Tabletts zur\u00fcckkehrten. Sie beobachtete die unheimlichen Fische, die durch die Decke schwebten, und die Kleider der Frauen, die vor Pailletten funkelten oder nur aus Schichten durchsichtiger Stoffe bestanden.<\/p>\n<p>Endlich erschien der Barmann wieder. Eine junge asiatische Frau in einem pflaumenfarbenen Hosenanzug begleitete ihn. Schon ihr Gang verriet, dass sie keine Kellnerin war: Eilig und w\u00fcrdevoll, im Bewusstsein der Unentbehrlichkeit ihrer Person, trat sie vor Nicki. Ihre Augen, die weit auseinanderstanden und schmetterlingshafte Wimpernschatten auf die Wangen warfen, musterten Nicki ausdruckslos. Auf eine fremdartige, beinah unmenschliche Art war sie sch\u00f6n. \u201eSusie Ma. Ich bin die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin. Was kann ich f\u00fcr Sie tun?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch w\u00fcrde gerne Frau La Psie sprechen. Wissen Sie, wo ich Sie finden kann?\u201c<\/p>\n<p>Susie Ma zuckte zusammen. In ihrem Blick schienen Flammen aufzulodern und langsam wieder zu verl\u00f6schen. Geistesabwesend starrte sie eine Weile durch Nicki hindurch. Dann senkte sie das Gesicht, als wollte sie ein L\u00e4cheln verbergen. \u201eEntschuldigung, aber&#8230; Sie haben sich noch nicht vorgestellt\u201c, sagte sie mit am\u00fcsierter Stimme.<\/p>\n<p>\u201eIch bin eine Freundin von einem Bekannten von Frau La Psie.\u201c<\/p>\n<p>Nun l\u00e4chelte die Frau deutlich. \u201eWenn das so ist. Freunde von Freunden sind stets willkommen. Darf ich bitten?\u201c Sie f\u00fchrte Nicki hinter die Bar, durch die Schwingt\u00fcr und in eine gro\u00dfe, dampferf\u00fcllte K\u00fcche, die seltsam verwinkelt war. Mehrmals mussten sie sich an K\u00f6chen vorbeidr\u00fccken. Die Inhalte von Woks wirbelten durch die Luft, Messer zers\u00e4gten riesige, Dornen bespickte Fr\u00fcchte und H\u00e4nde griffen in Eistruhen, um gr\u00fcn und grau gesprenkelte Hummer herauszuheben, die in stummer Klage ihre verbundenen Scheren reckten. Nicki, die schon die Haltung von Goldhamstern f\u00fcr Tierqu\u00e4lerei hielt, versuchte nicht darauf zu achten, was sonst noch um sie herum geschah. Trotzdem konnte sie nicht das Dutzend Kaninchen \u00fcbersehen, die geh\u00e4utet, ohne Ohren und Pfoten auf einem Metalltisch lagen, die Augen bl\u00e4ulich getr\u00fcbt wie eingelegte Beeren im rosa Fleisch, die Z\u00e4hne wie zu einem wahnsinnigen Grinsen entbl\u00f6\u00dft. In solchen Momenten fand sie es befremdlich,\u00a0[kommentierbar id=&#8221;18&#8243;]zur Menschheit zu geh\u00f6ren.[\/kommentierbar]<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/12a.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-710\" src=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/12a-500x386.jpg\" alt=\"12a\" width=\"500\" height=\"386\" srcset=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/12a-500x386.jpg 500w, http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/12a-1024x792.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Susie Ma \u00f6ffnete die Stahlt\u00fcr eines begehbaren K\u00fchlschranks. Sie schoben sich an vereisten Lammh\u00e4lften, aus dem Maul blutenden Fischen und Gem\u00fcsekisten vorbei, dann dr\u00fcckte die Asiatin ihren Daumen auf einen Fingerabdruckleser, der hinter einem Digitalthermometer verborgen war. Es piepte. Dampfend glitt ein Regal zur Seite.<\/p>\n<p>Vor ihnen lag das stahlverkleidete Innere eines Lastenaufzugs.<\/p>\n<p>\u201eBitte.\u201c Susie Ma lie\u00df ihr den Vortritt. Dann schob sie einen Schl\u00fcssel in das Schloss des Armaturenbrettes und tippte die 4 ein. \u201eIn China ist die 4 eine Ungl\u00fcckszahl. Daher gibt es oft kein viertes Stockwerk bei uns. Oder es gibt zwar eines, steht aber leer. Das ist nat\u00fcrlich auch eine Kostenfrage, nicht nur eine Glaubensfrage.\u201c<\/p>\n<p>Nicki wusste nicht, was sie dazu sagen sollte, also nickte sie einfach. Die Aufzugt\u00fcr glitt zu und sie fuhren nach oben. Wie schon bei Isabel Arouk im <em>Warkonia<\/em> versuchte Nicki abzusch\u00e4tzen, wie gut ihre Chancen gegen Susie Ma standen, wenn es zu Handgreiflichkeiten kam. Die Asiatin war klein, ohne Abs\u00e4tze vermutlich kleiner noch als Nicki, aber ihre stramme Haltung lie\u00df Z\u00e4hheit vermuten. Au\u00dferdem m\u00fcsste Nicki, selbst wenn sie sich gegen Susie Ma zur Wehr setzen konnte, immer noch an einem halben Dutzend K\u00f6che mit scharfen Messern vorbei.<\/p>\n<p>\u201eWarum benutzen wir einen Geheimweg?\u201c Nicki merkte, dass man die Frage nicht beil\u00e4ufig klingen lassen konnte.<\/p>\n<p>\u201eEs ist der einzige Weg. Machen Sie sich \u00fcber die Sicherheitsvorkehrungen keine Sorgen. Ihre Ungest\u00f6rtheit ist garantiert.\u201c<\/p>\n<p>Bevor sie weiterfragen konnte, glitt die T\u00fcr auf und pr\u00e4sentierte ihnen verwinkelte R\u00e4ume, die durch geschnitzte W\u00e4nde, Vorh\u00e4nge und Stufen getrennt waren. Menschen l\u00fcmmelten auf Kissenlandschaften herum und sa\u00dfen barfu\u00df in dicken Teppichen. Ein junger Mann im Anzug schwang auf einer Schaukel, die von der Decke hing. Die Decke war kunstvoll mit V\u00f6geln, Bambusw\u00e4ldern, Bergen und Wasserf\u00e4llen bemalt, die vor einem blassgelben Himmel aus allen Richtungen ineinander st\u00fcrzten. Prunkvoll gerahmte Spiegel, lackierte Holztafeln und blaue Seidentapeten beschlugen die W\u00e4nde, hier und da durchbrochen vom Ausschnitt eines Aquariums, in dem schillernde Fischschw\u00e4rme vor\u00fcberglitten. Das Ganze wirkte, als w\u00e4ren mehrere Innenarchitekten gleichzeitig am Werk gewesen, und zwar ohne Absprache. Nickis Blick schlitterte eine Weile durch die an schwerem Licht ges\u00e4ttigte Umgebung, ohne Halt zu finden. Dann merkte sie, dass es keine Fenster gab. Nur die Ausblicke in die Aquarien. Irgendwie beunruhigte sie das.<\/p>\n<p>Susie Ma verschr\u00e4nkte die H\u00e4nde hinter dem R\u00fccken. \u201eF\u00fchlen Sie sich ganz wie zu Hause. Auf der Karte finden Sie alle Rauscharten, die Berlin derzeit zu bieten hat. Und vergessen Sie nicht, der Bedienung ein <em>Flie\u00dfendes Wort<\/em> zu geben, ihre Anwesenheit ist, wie Sie sich gewiss vorstellen k\u00f6nnen, sehr kostspielig.\u201c<\/p>\n<p>Nicki hatte nicht einmal die H\u00e4lfte von dem begriffen, was Susie Ma sagte, da entschwand die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin bereits in einen d\u00e4mmrigen Korridor.<\/p>\n<p>Die Umgebung schien Nicki einzusaugen. Sie blinzelte und versuchte die Leute genauer zu betrachten. Irgendetwas an ihnen war anders als unten im Restaurant. Nicht nur dass sie so entspannt wirkten, manche sogar schlafend im Dickicht der Kissen, Draperien und Pfauenfedern \u2026 Als Nicki es begriff, wunderte sie sich, dass sie so lange daf\u00fcr gebraucht hatte: Fast alle Anwesenden waren jung.<\/p>\n<p>Die meisten schwebten zwischen Teenager- und Erwachsenenalter, manche sch\u00e4tzte sie auch j\u00fcnger ein. Ein Junge, der nicht \u00e4lter als elf sein konnte, lag mit nacktem Oberk\u00f6rper auf dem Boden, die Beine gegen die Wand gelehnt, und leckte sich ersch\u00f6pft den Mund, der \u00fcber und \u00fcber mit Schokolade verschmiert war.<\/p>\n<p>Und noch etwas war seltsam. Die Gespr\u00e4che h\u00e4tten einen L\u00e4rm erzeugen m\u00fcssen, der nach Schulhof klang. Stattdessen hing nur das Murmeln vergn\u00fcgter, wie zu Rauch sich kringelnder Bemerkungen in der Luft. Nicki hatte nie einen so gro\u00dfen Haufen Jugendlicher erlebt, die derma\u00dfen leise herumspa\u00dften.<\/p>\n<p>Weil sie nicht wusste, wie sie Frau La Psie alleine finden sollte, trabte sie in die Richtung, in die Susie Ma davongeeilt war. Die Sohlen ihrer Schuhe versanken in einem computergrafisch wirkenden Perserteppich, ohne ein Ger\u00e4usch zu erzeugen. Zwei kichernde M\u00e4dchen jagten mit Puderquasten vorbei, pusteten sich an und ohrfeigten sich, dass es schallte. Taumelnd verschwanden sie hinter einem Vorhang. Nicki schob den Brokatstoff beiseite, um ihnen nachzublicken. Noch immer schlugen sie sich scheinbar zum Vergn\u00fcgen. In dem schummrigen Raum sahen die Puderwolken, die sie dabei in die Luft wirbelten, wie erwachende Gespenster aus.<\/p>\n<p>Gestalten lagen beieinander. Hier und da schienen sie in K\u00fcssen verschlungen oder sich gegenseitig mit Pralinen zu f\u00fcttern. Ein M\u00e4dchen hatte eine gebratene Ente zwischen den Beinen, die sie mit blo\u00dfen H\u00e4nden a\u00df. Die meisten aber waren weder dabei sich zu k\u00fcssen, noch zu essen. Sie nahmen Drogen.<\/p>\n<p>Silbertabletts mit zu Linien angeordneter P\u00fclverchen, in Schmuckschatullen pr\u00e4sentierte br\u00e4unliche Kristalle, Perlmuttmuscheln voller blauer Pastillen und Keramikteller mit Bergen aus klebrigen Kr\u00e4utern standen \u00fcberall zwischen den Sofas. Lange Pfeifen wurden gereicht. Elfenbeinr\u00f6hrchen an die Nasen gesetzt. Die s\u00e4uerlichen Ausd\u00fcnstungen der Gifte machten die Luft schwer wie einen nassgeschwitzten Pelz.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Frau-La-Psies-Boudoir1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-693\" src=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Frau-La-Psies-Boudoir1-500x357.jpg\" alt=\"Frau La Psies Boudoir\" width=\"674\" height=\"481\" srcset=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Frau-La-Psies-Boudoir1-500x357.jpg 500w, http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Frau-La-Psies-Boudoir1-1024x732.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 674px) 100vw, 674px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nicki schluckte. Sie hatte schon mal einen Mann am Bahnhof gesehen, der sich in einer Fotokabine einen Schuss setzte. Sie wusste, dass ein paar Mitsch\u00fcler Joints bei den Fahrradst\u00e4ndern rauchten. All das war irgendwie normal. Ein kaum verborgenes \u00dcbertreten der Gesetze. Doch hier, im Verborgenen, wurden die Gesetze nicht \u00fcbertreten, sondern fr\u00f6hlich <em>zertreten<\/em>, zu Konfetti zerfetzt. Ein kleines M\u00e4dchen lie\u00df sich etwas in die Halsschlagader spritzen und ein anderer leckte den Blutstropfen von der Nadel.<\/p>\n<p>Wie im Traum ging Nicki an den Jungen und M\u00e4dchen vorbei, die in runden H\u00e4ngebetten schaukelten, Rauchringe bliesen und nur wie aus Versehen Blicke durch die fl\u00fcgelzarten Vorh\u00e4nge in ihre\u00a0[kommentierbar id=&#8221;19&#8243;]Richtung kullern lie\u00dfen.[\/kommentierbar]<\/p>\n<p>\u201eH\u00fcbsche Dom\u00e4ne\u201c, murmelte eine Frau, die sich vom Boden aufst\u00fctzte, um ihr Bein zu streicheln. Nicki schrak zur\u00fcck und stie\u00df gegen einen Beistelltisch, dass die Gl\u00e4ser klirrten. Benommen ging sie weiter. Versuchte nicht zu atmen. Ihr war, als w\u00fcrden sich nun mehr Augen auf sie richten. K\u00f6pfe wurden aus den Kissen gehoben, Beine \u00fcber die Bettkanten geschwungen. Nicki wusste, dass sie sich nicht umdrehen sollte, aber sie tat es doch. Sie drehte sich nach allen Seiten um. Wohin sie guckte, begegnete sie immer neugierigeren Blicken. Bleiche, gl\u00e4nzende Gesichter wuchsen aus den Halbschatten.<\/p>\n<p>\u201eWer ist das?\u201c, raunte jemand.<\/p>\n<p>\u201eSo eine Angeberin \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch finde es sch\u00f6n \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eWer bist du?\u201c<\/p>\n<p>Sie stolperte beinah gegen das M\u00e4dchen, das die Frage gestellt hatte. Es war eine von denen, die sich geohrfeigt hatten. Nur ein durchsichtiger Morgenmantel und ihre langen blonden Haare verh\u00fcllten ihren K\u00f6rper. Die Augen waren hinter ihrem Pony fast nicht auszumachen. Sie bl\u00e4hte die Nasenfl\u00fcgel wie ein Tier, das Witterung aufnimmt. \u201eGeizig gehst du ja nicht mit deiner Realit\u00e4t um. Ich steh auf Reichtum. Vor allem auf Verschwendung.\u201c<\/p>\n<p>Nicki brachte keinen Ton hervor. Das M\u00e4dchen grinste und trat so nah heran, dass Nicki zur\u00fcckwich.<\/p>\n<p>\u201eGhora. Lass sie\u201c, sagte Susie Ma mit schneidender Stimme und durchquerte den Raum. Zu Nicki gewandt, fuhr sie fort: \u201eIch habe Sie verwechselt, wie es scheint. Ich bin Frau La Psie. Folgen Sie mir bitte in mein B\u00fcro. Dort k\u00f6nnen wir in Ruhe besprechen, was Sie von mir w\u00fcnschen.\u201c<\/p>\n<p>Nicki verstand nicht. Warum war Susie Ma jetzt pl\u00f6tzlich Frau La Psie? Mit wem hatte sie sie verwechselt? Lieber als Antworten wollte Nicki hier raus. Und zwar schleunigst. Was auch immer das hier f\u00fcr Leute waren, jetzt wussten alle, dass Nicki nicht zu ihnen geh\u00f6rte. Und als sie im Kopf \u00fcberschlug, wie Besitzer solcher Mengen Rauschgift wohl mit Eindringlingen umgingen, hatte sie entweder zu wenig oder zu viel Fantasie f\u00fcr die Hoffnung, dass Frau La Psie wirklich nur reden wollte.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was f\u00fcr ein zartlichtiger, herbstlicher Sonntagmorgen! Seid ihr alle ausgeschlafen, eingekuschelt und hochkonzentriert? Denn jetzt geht es weiter mit dem Testlesen von NoN! Im letzten Kapitel ist Nicki U-Bahn gefahren, sonst ist nichts passiert. Die Welt w\u00e4re schrecklich langweilig, wenn wir kein\u00a0Innenleben h\u00e4tten. Doch dank eines ebensolchen konnte\u00a0Nicki noch einmal ihre erste Begegnung mit Canon Revue passieren lassen. Was praktisch ist, denn so erfuhren auch wir, wie die beiden sich kennenlernten. Nun kommt Nicki im Restaurant TITANIC an, wo ihr Leben sich von Grund auf \u00e4ndern wird. Ob das Restaurant auch weiterhin TITANIC hei\u00dfen wird, liegt aber an euch &#8211;\u00a0zwei Optionen stehen zur Auswahl bereit.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/685"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=685"}],"version-history":[{"count":26,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/685\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":715,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/685\/revisions\/715"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=685"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=685"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=685"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}