{"id":758,"date":"2014-10-19T10:51:59","date_gmt":"2014-10-19T08:51:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=758"},"modified":"2014-10-19T15:41:49","modified_gmt":"2014-10-19T13:41:49","slug":"8-testlese-woche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=758","title":{"rendered":"8. TESTLESE-WOCHE"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">Was f\u00fcr ein sch\u00f6ner Herbstmorgen! Ich hoffe, ihr sitzt mit euren Bildschirmen im Park oder Garten und genie\u00dft einen K\u00fcrbisgew\u00fcrzpunsch mit Sonnenlicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Weiter geht&#8217;s\u00a0mit NoN. Nachdem das letzte Kapitel recht kurz war &#8211; und gemeinerweise im freien Fall endete -, gibt es heute ein bisschen mehr zu lesen als sonst. Nicki erf\u00e4hrt, wer ihr geheimnisvoller Retter ist. Ach Mist, jetzt hab ich ja schon verraten, dass sie nicht in den Tod st\u00fcrzt. Oder? Vielleicht st\u00fcrzt sie ja lange genug, um noch einen Plausch zu halten. B\u00f6se, b\u00f6se Ideen. H\u00f6rt lieber nicht auf mich, lest selbst!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Viel Vergn\u00fcgen w\u00fcnscht wie immer<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">eure Jenny<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right;\">.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Die Wahrheit riecht nach Zwiebeln<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicki hatte nie vom Fliegen getr\u00e4umt. Nur einmal konnte sie sich im Traum mit weiten Spr\u00fcngen vorw\u00e4rts bewegen, aber das war unendlich anstrengend gewesen, und sie war schwei\u00dfgebadet erwacht. Das Gef\u00fchl, frei zu schweben \u2013 nicht schwerelos, sondern von der Luft selbst gehalten \u2013, war ihr vollkommen neu.<\/p>\n<p>Es f\u00fchlte sich erstaunlich gut an. W\u00e4re sie nicht in Todesangst gewesen und h\u00e4tte sie nicht gegen den Geschmack von Magens\u00e4ure ank\u00e4mpfen m\u00fcssen, der ihren Gaumen hochdr\u00e4ngte, w\u00e4re es sogar eine recht angenehme Art gewesen, Abschied von der Realit\u00e4t zu nehmen. Die Stra\u00dfe, die Weiden, der Kanal und s\u00e4mtliche H\u00e4user trieben unter ihnen dahin wie ein Teppich aus Lichtklecksen und Quadraten. Nicki \u00fcberlegte, ob sie vielleicht gestorben war und das nun ihre Todesvision. Aber was hatte der Junge darin verloren?<\/p>\n<p>\u201eIch hei\u00dfe Tallis. Jucitell Tallis\u201c, murmelte er dicht an ihrem Ohr. \u201eNett, dich kennenzulernen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Im-Flug.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-760\" src=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Im-Flug-500x428.jpg\" alt=\"Im Flug\" width=\"500\" height=\"428\" srcset=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Im-Flug-500x428.jpg 500w, http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Im-Flug-1024x877.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Er hielt sie fest umschlungen, seine Finger verhakt mit ihren. Wie ein Paar, das Walzer tanzt, und Nicki musste an ein Gem\u00e4lde von Marc Chagall denken, wo eine Braut und ihr Br\u00e4utigam genau so durch n\u00e4chtliches Blau segelten. Und eine Ziege und eine Geige waren auch dabei,[kommentierbar id=&#8221;24&#8243;] in dem Gem\u00e4lde.[\/kommentierbar]<\/p>\n<p>Als sie der Erde n\u00e4her kamen und Nicki einzelne Leute auf den B\u00fcrgersteigen erkannte und sie sogar der Luftzug einer U-Bahn traf, die eine Br\u00fccke entlangrauschte, begriff sie allm\u00e4hlich, dass das hier immer noch die Wirklichkeit war.<\/p>\n<p>\u201eWas \u2026 oh Gott\u201c, stammelte sie. Sobald ihre F\u00fc\u00dfe reflexartig nach Boden suchten, sackte sie zwei Meter in die Tiefe. Ihr Schrei musste sehr laut sein, denn der Junge wich mit dem Kopf so weit zur\u00fcck, wie er konnte, w\u00e4hrend er sie wie einen Mehlsack an sich presste.<\/p>\n<p>\u201eKeine Sorge. Alles ist gut. Konzentrier dich auf meinen Mantel. Ist h\u00fcbsch, oder? Neu gekauft heute. Perfekt f\u00fcr die Jahreszeit.\u201c<\/p>\n<p>Sie wimmerte unkontrolliert.<\/p>\n<p>\u201eHey, hey. Verr\u00e4tst du mir deinen Namen? Du hast dich noch gar nicht vorgestellt. War auch ein bisschen hektisch.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch hei\u00dfe \u2026 ich hasse meinen Namen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVielleicht hasse ich ihn ja auch. Versuch\u2019s mal.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNenn mich Nicki.&#8221;<\/p>\n<p>\u201eNicki ist doch gar nicht \u00fcbel. Von Nicki bis Kunigunde ist alles unproblematisch. Konzentrier dich auf den Mantel!\u201c<\/p>\n<p>So albern es auch war, sie befolgte seinen Rat und hielt ihren Blick eisern auf das oberste Knopfloch gerichtet, als ginge sie alles andere nichts mehr an. Schlie\u00dflich stolperten sie, noch immer verschlungen und sich dementsprechend oft auf die F\u00fc\u00dfe tretend, \u00fcber Pflasterstein, bis Nicki mit dem R\u00fccken gegen eine Hauswand stie\u00df.<\/p>\n<p>\u201eAlles gut. Wir sind am Boden. Wenn du so weit bist, lasse ich dich los, dann kannst du selbst sehen.\u201c<\/p>\n<p>Er sprach mit ihr wie mit einem Hund. Vielleicht strich er ihr sogar \u00fcber den Hinterkopf, aber sie wusste es nicht genau. Ihr K\u00f6rper war sehr weit weg. Immer noch starrte sie auf das Knopfloch. Ein zartes, zimtiges Parfum stieg unter dem Mantel hervor, aufgew\u00fchlt von seiner K\u00f6rperw\u00e4rme. Ihr fiel auf, dass er nicht besonders gro\u00df war. Sie h\u00e4tte ihre Nasenspitze an sein Kinn dr\u00fccken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eWir sind geflogen, oder?\u201c, murmelte sie schwach.<\/p>\n<p>\u201eIch w\u00fcrde es \u201asegeln\u2018 nennen. \u201aSegeln\u2018 klingt glaubw\u00fcrdiger.\u201c Irgendwo klirrte Glas. Zwei M\u00e4nner liefen vorbei, der eine hatte seine Bierflasche auf die Stra\u00dfe rollen lassen. Autos hielten an einer roten Ampel. Alles schien normal.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Es-Schweben-nennen.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-759\" src=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Es-Schweben-nennen-387x500.jpg\" alt=\"Es Schweben nennen\" width=\"387\" height=\"500\" srcset=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Es-Schweben-nennen-387x500.jpg 387w, http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Es-Schweben-nennen-793x1024.jpg 793w\" sizes=\"(max-width: 387px) 100vw, 387px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Er l\u00f6ste sich so weit von ihr, dass er ihr ins Gesicht sehen konnte. \u201eWie geht es dir?\u201c<\/p>\n<p>Nicki schluckte. \u201eWie ist das \u2026\u201c<\/p>\n<p>Er streckte sich und seufzte. Oder war das ein Lachen? \u201eAch, Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4che! Aber nicht ohne was zu Bei\u00dfen. Wei\u00dft du, wo es hier in der N\u00e4he ein gutes Restaurant gibt? Irgendwas, egal, obwohl ich schon Lust h\u00e4tte auf diese kleinen eingelegten Gurkenscheibchen, kennst du die?\u201c<\/p>\n<p>Sie blinzelte angestrengt. \u201eRedest du mit mir?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich rede ich mit dir. Nicki. Du und ich. Wir haben viel zu besprechen. Ich hoffe, du hast nichts vor heute Nacht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchlafen\u201c, sagte sie mechanisch.<\/p>\n<p>Er dachte wohl, das sei ein Witz, und lachte, was Nicki angesichts der eben demonstrierten Aufhebung der Naturgesetze f\u00fcr eine erschreckend gelassene Reaktion hielt. Sie war jedenfalls noch nicht in der Lage, irgendetwas lustig zu finden.<\/p>\n<p>\u201eKomm, ich lad dich ein. Magst du Chilis? Oh Mann, ich k\u00f6nnte echt ein paar Chilis vertragen.\u201c Er legte sich ihre Hand auf den Arm und zog sie plappernd die Stra\u00dfe hinunter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Obwohl er mehrfach betonte, dass sie entscheiden sollte, wohin sie gingen, landeten sie nicht wirklich zuf\u00e4llig vor einem mexikanischen Imbiss, dessen Fenster mit roten Chilis verh\u00e4ngt waren. Tallis rieb sich die H\u00e4nde, als er vor der Theke stand und das Men\u00fc studierte, das in Leuchttafeln an der Wand hing. Dann entschied er sich aber doch mit einer Genauigkeit, die Stammkundschaft vermuten lie\u00df, f\u00fcr ein Burrito-Men\u00fc, dazu eine Sch\u00fcssel saure Gurkenscheibchen und rote Chilis extra. Der Mann hinter dem Tresen nickte, als w\u00fcrden die Leute das st\u00e4ndig bestellen.<\/p>\n<p>Nicki hatte gedacht, sie w\u00fcrde nichts hinunterkriegen, aber es duftete nach Gebratenem, und sie hatte kein richtiges Abendessen gehabt, also\u00a0[kommentierbar id=&#8221;25&#8243;]entschied sie sich f\u00fcr einen Avocadowrap.[\/kommentierbar]<\/p>\n<p>Tallis holte eine Cola f\u00fcr sich und ein Wasser f\u00fcr Nicki aus dem K\u00fchlschrank, dann zogen sie sich in die hinterste Ecke des Ladens zur\u00fcck, was nicht weit hinten war, denn der Raum ma\u00df nur f\u00fcnf Schritte. Tallis fegte die Salat- und Brotkr\u00fcmel vom Tisch und anschlie\u00dfend von der Bank, bevor Nicki sich setzte.<\/p>\n<p>Er \u00f6ffnete die Coladose. \u201eWie f\u00fchlst du dich?\u201c<\/p>\n<p>Nicki sa\u00df da wie geschlagen. \u201eErkl\u00e4r. Bitte.\u201c<\/p>\n<p>Er leerte die Dose in einem Zug, dann beugte er sich zu ihr vor. \u201eNicki. Versuch mir erst zuzuh\u00f6ren, bevor du Fragen stellst. Ich bin kein Mensch.\u201c Er presste die Lippen zusammen, um ein R\u00fclpsen zu unterdr\u00fccken. Vielleicht sollte das eine Demonstration sein \u2013 ein unmenschlich kolossaler R\u00fclpser.<\/p>\n<p>\u201ePardon. Jedenfalls, in der Welt ist nicht alles so, wie es scheint. Ich zum Beispiel scheine ein gew\u00f6hnlicher Typ zu sein. In Wahrheit \u2026\u201c Er beugte sich noch weiter vor. \u201eWir sind Flie\u00dfwesen. Frag jetzt nicht warum wir so hei\u00dfen, es dauert ewig, die Herkunft von Begriffen zu erkl\u00e4ren, besonders von diesem Begriff. Du musst erstmal nur wissen, dass wir existieren. Wir sind Geister. D\u00e4monen. Gedanken. Wir sind Entit\u00e4ten mit Pers\u00f6nlichkeit, die nicht an einen K\u00f6rper gebunden sind, ohne das Verfallsdatum von Fleisch, wenn man so will. Jetzt fragst du dich bestimmt \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eNummer sechsundsechzig, Nummer neun, bitte!\u201c, rief der Mann hinter dem Tresen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4ch.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-761\" src=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4ch-500x431.jpg\" alt=\"Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4ch\" width=\"742\" height=\"640\" srcset=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4ch-500x431.jpg 500w, http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Aufkl\u00e4rungsgespr\u00e4ch-1024x884.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 742px) 100vw, 742px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Tallis holte das Essen und noch eine Cola.<\/p>\n<p>\u201eSieht das gut aus. Wohl bekomm\u2019s!\u201c Er balancierte seinen vor K\u00e4se triefenden Burrito zum Mund und schob sich eine ganze Chilischote hinterher. Als ihm die Augen zu tr\u00e4nen anfingen, schien er tats\u00e4chlich so etwas wie ein wohliges Seufzen auszusto\u00dfen. Er tupfte sich die Stirn mit einer Serviette ab.<\/p>\n<p>\u201eSeit allen Zeiten haben Flie\u00dfwesen und Menschen nebeneinander existiert. Man ist sich uneins dar\u00fcber, wer zuerst da war \u2013 wir oder ihr. Wenn du mich fragst, ich kann mir nicht vorstellen, dass es je die einen ohne die anderen gegeben hat. Wir sind verbunden. Und zwischen manchen Menschen und manchen Flie\u00dfenden ist die Verbindung ganz besonders stark.\u201c Er sah sie an, als h\u00e4tte er gerade etwas Bahnbrechendes angedeutet.<\/p>\n<p>\u201eUm mich klar auszudr\u00fccken \u2026\u201c Er kaute zu Ende. \u201e\u2026 Flie\u00dfende und Fleischliche schlie\u00dfen gelegentlich Pakte. Wir kriegen was von euch, ihr kriegt was von uns. Realit\u00e4t gegen <em>Flie\u00dfendes Wort<\/em>. Das hei\u00dft, wir k\u00f6nnen die Gesetze der Natur f\u00fcr euch ein wenig biegen, daf\u00fcr kriegen wir was von eurer Realit\u00e4t ab. Wir existieren n\u00e4mlich nicht von uns aus in dieser Welt. Nur <em>durch<\/em> euch.\u201c Er \u00f6ffnete seine zweite Cola und beobachtete nun sie mit einiger Skepsis. \u201eDu sagst gar nichts.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch soll doch mit den Fragen warten, bis du fertig bist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch so, ja. Im Prinzip bin ich fertig.\u201c<\/p>\n<p>Nicki zupfte an einem Salatblatt, das aus ihrem Wrap ragte. Eine Weile schwiegen sie sich an.<\/p>\n<p>\u201eDas R\u00fclpsen hat den Auftritt ruiniert, oder?\u201c, fragte er schlie\u00dflich.<\/p>\n<p>\u201eDu bist echt &#8230; komisch.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch bin kein guter Aufkl\u00e4rer. Die romantische Verkl\u00e4rung liegt mir besser. Aber du bist auch nicht gerade emotional bei der Sache. Ich bin Ausraster gewohnt. Panik. Hysterie. Wenigstens Ungl\u00e4ubigkeit, die man Schicht f\u00fcr Schicht abtragen muss. Aber du? Du bist auch komisch, Nicki. So distanziert.\u201c Letzteres sagte er nicht absch\u00e4tzig, sondern mit Interesse.<\/p>\n<p>\u201eAlso \u2026 Flie\u00dfwesen, ja?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWarum fragen eigentlich alle immer zuerst, warum wir so hei\u00dfen? Es ist so langweilig, das zu erkl\u00e4ren, all die kulturellen Referenzen und Wortspielereien &#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eKannst du dich in Luft aufl\u00f6sen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein\u201c, sagte er sehr ernst und auch froh \u00fcber den Themenwechsel. \u201eMit Luft kann man nicht paktieren, also kann man auch nicht ihre Gestalt annehmen. Ich, Jucitell Tallis, von der Klassifizierung her Inkubus, bestehe aus reinem <em>Flie\u00dfendem Wort<\/em>. Der K\u00f6rper hier \u2013 und das klingt jetzt aufgrund einiger Filme, die du gesehen haben magst, schlimmer, als es tats\u00e4chlich ist \u2013, der K\u00f6rper hier ist besessen. Er geh\u00f6rt einem Menschen, mit dem ich einen Pakt geschlossen habe. Ich helfe ihm ein wenig aus, daf\u00fcr darf ich mir manchmal seinen K\u00f6rper leihen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWo ist er dann jetzt, der Junge?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEr ist nicht weg. Er <em>ist<\/em> dieser K\u00f6rper. Wenn ich ihn verlasse, erinnert er sich einfach nicht an das, was w\u00e4hrend meines Besuchs passiert ist. Er wird zu sich kommen und denken: \u201aEs ist ja schon Morgen, da war wohl wieder Jucitell Tallis zu Besuch, mein D\u00e4mon, und offenbar hat er mir einen neuen Mantel gekauft und Knoblauch gegessen.\u2018\u201c<\/p>\n<p>Nicki wollte etwas L\u00e4ssiges sagen und den ganzen Unsinn beenden. Aber es fiel ihr nichts ein. Sie konnte nur weiterfragen. \u201eDu kannst mit dem K\u00f6rper machen, was du willst?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch darf meine Dom\u00e4ne nicht besch\u00e4digen. Oder gar t\u00f6ten. Alle Gebrauchsspuren m\u00fcssen vor R\u00fcckgabe wieder getilgt werden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGetilgt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMit dem, was wir <em>Flie\u00dfendes Wort<\/em> nennen. Es ist die Energie, aus der wir gemacht sind. Ihr seid aus Stofflichem. Und so wie Stoffliches und Energie zusammenh\u00e4ngen, weil das eine aus dem anderen hervorgeht, so h\u00e4ngt auch die Vorstellungskraft mit der Realit\u00e4t zusammen.\u201c<\/p>\n<p>Endlich gelang ihr ein Schnauben. Doch der Versuch von Belustigung schlug gleich in einen noch tieferen Schrecken um. Weil sie f\u00fcrchtete, ihr k\u00f6nnten vor lauter Verwirrung Tr\u00e4nen in die Augen steigen, rieb sie sich das Gesicht. \u201eO Mann. Wahrscheinlich habe ich Drogend\u00e4mpfe eingeatmet. Du hast das auf jeden Fall.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu bestreitest, wie wir vom Dach gekommen sind?\u201c<\/p>\n<p>Sie sagte nichts, denn im Grunde war Bedrogtheit nur eine halbherzige Flucht vor der Tatsache, dass sie <em>geflogen waren<\/em>.<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df, was du jetzt durchmachst. Dein ganzes Weltbild st\u00fcrzt ein. Dass du das \u00fcberhaupt aush\u00e4ltst, liegt daran, dass du mehr Realit\u00e4t besitzt als die meisten Menschen. Weil es Dinge gibt, die du mit Sicherheit wei\u00dft und die dich jetzt davor bewahren, verr\u00fcckt zu werden. Pers\u00f6nliche Dinge. Halt sie gut fest.\u201c Ein Funkeln lag in seinen Augen, als w\u00fcsste er, dass sie an Canon dachte. \u201eIch kann w\u00e4hrenddessen ja mal versuchen, zu erkl\u00e4ren, was Flie\u00dfendes Wort ist. Aus Erfahrung wei\u00df ich, dass Geplapper in solchen Situationen beruhigend wirkt.<\/p>\n<p>Am besten stellst du dir ein Buch vor, das du mal gelesen hast. Das Buch existiert als Buchstaben auf Papier. W\u00e4hrend du sie gelesen hast, sind diese Buchstaben durch dein Bewusstsein gestr\u00f6mt. Danach wurden sie zur Erinnerung, verkn\u00fcpft mit deinen Erinnerungen daran, was du w\u00e4hrend des Lesens gemacht hast und wie du dich dabei gef\u00fchlt hast und \u00fcberhaupt, was diese lange Buchstabenkette eigentlich f\u00fcr dich bedeutet. Man k\u00f6nnte sagen, ein geistiger Abdruck des Buches existiert nun in dir. Und wenn das Buch verbrannt w\u00fcrde und es g\u00e4be auf der ganzen Welt keine Ausgabe mehr davon, dann w\u00fcrde dieser Abdruck noch in dir existieren. Und andere Abdr\u00fccke in anderen Menschen. Diese Abdr\u00fccke sind unstofflich, immateriell, aber sie sind etwas. Genauer gesagt Flie\u00dfendes Wort.<\/p>\n<p>Ich, der ich mich dieses K\u00f6rpers und seiner Stimme bediene, bin Flie\u00dfendes Wort. Ich bin ein ganz spezieller Abdruck der Menschheit.\u201c<\/p>\n<p>Nicki blinzelte. \u201eBist du <em>mein<\/em> Abdruck oder einer, der f\u00fcr alle Menschen gleich ist?\u201c<\/p>\n<p>Er deutete mit dem Finger auf sie. \u201eSehr kluge Frage! Ich bin beides. Ich bin ein Abdruck der Tr\u00e4ume s\u00e4mtlicher M\u00e4dchen weltweit \u2013 nur durch sie kann ich existieren. Aber jedes einzelne M\u00e4dchen w\u00fcrde in mir ihren eigenen Abdruck erkennen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWieso M\u00e4dchen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch sagte bereits, ich bin ein Inkubus. Ich bin sozusagen auf M\u00e4dchen spezialisiert.\u201c<\/p>\n<p>Sie sch\u00fcttelte den Kopf, als w\u00fcrde das die Gedanken in ihr sortieren.<\/p>\n<p>\u201eLass dir Zeit, du musst nicht alles gleich verstehen.\u201c<\/p>\n<p>Nicki probierte erst jetzt ihren Wrap. Er war nur noch lauwarm, aber immer noch lecker. Schlie\u00dflich lie\u00df sie ihn wieder sinken. \u201eDu bist richtig durchgeknallt.\u201c<\/p>\n<p>Seine ruhige, ernste Miene zwang sie, sich zumindest vorzustellen, dass das, was er gesagt hatte, wirklich stimmte.<\/p>\n<p>Dann w\u00e4re alles anders, als sie geglaubt hatte.<\/p>\n<p><em>Alles<\/em>.<\/p>\n<p>Nur dass der Schulstoff nichts mit der echten Welt zu tun hatte, w\u00e4re damit best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>\u201eWie auch immer&#8230; Du hast mich gerettet\u201c, stellte sie leise fest. \u201eDanke daf\u00fcr.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Jucitell-Tallis.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-762\" src=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Jucitell-Tallis-500x467.jpg\" alt=\"Jucitell Tallis\" width=\"500\" height=\"467\" srcset=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Jucitell-Tallis-500x467.jpg 500w, http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Jucitell-Tallis-1024x958.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u201eAber, aber. Das ist immerhin mein Teil des Paktes.\u201c Er l\u00e4chelte auf eine Art,\u00a0[kommentierbar id=&#8221;26&#8243;]dass sie automatisch zur\u00fcckl\u00e4cheln musste.[\/kommentierbar]<\/p>\n<p>Dann zog sie die Mundwinkel herunter. \u201eWelches Paktes?\u201c<\/p>\n<p>Er warf sich eine Chilischote in den Mund. \u201e<em>Unseres<\/em> Paktes nat\u00fcrlich.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">.<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was f\u00fcr ein sch\u00f6ner Herbstmorgen! Ich hoffe, ihr sitzt mit euren Bildschirmen im Park oder Garten und genie\u00dft einen K\u00fcrbisgew\u00fcrzpunsch mit Sonnenlicht. Weiter geht&#8217;s\u00a0mit NoN. Nachdem das letzte Kapitel recht kurz war &#8211; und gemeinerweise im freien Fall endete -, gibt es heute ein bisschen mehr zu lesen als sonst. Nicki erf\u00e4hrt, wer ihr geheimnisvoller Retter ist. Ach Mist, jetzt hab ich ja schon verraten, dass sie nicht in den Tod st\u00fcrzt. Oder? Vielleicht st\u00fcrzt sie ja lange genug, um noch einen Plausch zu halten. B\u00f6se, b\u00f6se Ideen. H\u00f6rt lieber nicht auf mich, lest selbst!<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/758"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=758"}],"version-history":[{"count":15,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/758\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":777,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/758\/revisions\/777"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=758"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=758"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=758"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}