{"id":803,"date":"2014-11-02T11:55:26","date_gmt":"2014-11-02T09:55:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=803"},"modified":"2014-11-02T11:55:26","modified_gmt":"2014-11-02T09:55:26","slug":"10-testlese-woche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=803","title":{"rendered":"10. TESTLESE-WOCHE"},"content":{"rendered":"<p>Mon dieu, schon die 10. Testlese-Woche, die Zeit geht weg wie Toastscheiben. (Eigentlich esse ich nie Toast. Ich sollte sagen: wie Buchweizensprossenbrotscheibchen.) Nur noch dreieinhalb Monate, dann erscheint der Roman. Bis dahin sind\u00a0aber noch einige Kapitel eurer Pr\u00fcfung zu unterziehen. Seid ihr gut ausgeschlafen, ungest\u00f6rt\u00a0und hochkonzentriert? Mit Hei\u00dfgetr\u00e4nken eurer Wahl versorgt? Ich hab jedenfalls meine kuscheligen neuen Socken an, von mir aus kann&#8217;s losgehen! (Socken sind die Hauptst\u00fctzpfeiler von Wohlgef\u00fchl und Selbstwertsch\u00e4tzung. Wer mit mehreren Geschwistern und nur einer Sockenschublade aufwuchs, wei\u00df, wovon ich spreche.)<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Letzte Woche wollte Nicki einen Einspruch gegen den Pakt\u00a0mit Tallis erheben, und die beiden machten sich auf den Weg zur Kanzlei der Unterwelt, zu der kein anderer Weg f\u00fchrt als der der Vorstellungskraft. Vor einem recht bekannten Geb\u00e4ude in Berlin blieben sie stehen. Welches das ist, hat Keshia in einem Kommentar l\u00e4ngst festgestellt: das Gebr\u00fcder-Grimm-Zentrum, die &#8220;Laufsteg-Bibliothek&#8221;, wie man sie auch nennt, weil dort so viele modische Studenten ihre Klamotten spazieren f\u00fchren. Aber obwohl Nicki und Tallis hineingehen, kommen sie nicht in die Bibliothek&#8230; Was das schon wieder hei\u00dfen soll, k\u00f6nnt ihr ab jetzt nachlesen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viel Vergn\u00fcgen w\u00fcnscht wie immer:<\/p>\n<p>eure Jenny<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\">.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Der Schlund der Unterwelt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicki kannte das Geb\u00e4ude. Sie hatte schon mal ein Foto in einem Zeitschriftenartikel gesehen, in dem es um Berliner Universit\u00e4ten ging: Es war das Gebr\u00fcder-Grimm-Zentrum, eine Bibliothek f\u00fcr Studenten. Man konnte von au\u00dfen auch welche sehen, die mit Plastikt\u00fcten durch die Eingangshalle schlurften, in Kaffeebecher pusteten oder Handys zwischen Ohr und Schulter balancierten. Ein stilles Gef\u00fchl der Bewunderung stieg in Nicki auf. Sie wollte nach der Schule auch studieren \u2013 Malerei oder Chemie oder Literaturwissenschaft, [kommentierbar id=&#8221;32&#8243;]das w\u00fcrde sie dann noch sehen[\/kommentierbar]. Es w\u00e4re wie Schule, nur dass sie das lernen k\u00f6nnte, was sie wirklich interessierte. Dann h\u00e4tte sie im gro\u00dfen Bauwerk der Wissenschaften ein eigenes Zimmer gemietet, w\u00e4re frei und unabh\u00e4ngig \u2026 w\u00fcrde arbeiten und alt werden \u2026 An ihre Zukunft zu denken tr\u00f6stete und betr\u00fcbte sie gleicherma\u00dfen, und sie konnte nie entscheiden, ob es daran lag, dass alles so vorhersehbar war, oder daran, dass \u00fcberhaupt nichts vorhersehbar war.<\/p>\n<p>\u201eSieht so aus, als w\u00fcrde sie gerade schlie\u00dfen\u201c, meinte Tallis. \u201eBeeilen wir uns.\u201c<\/p>\n<p>Sie stiegen die Stufen zu den Dreht\u00fcren empor und warteten, bis eine Gruppe diskutierender Studenten herausgekommen war. Dann schl\u00fcpften sie in eine Dreht\u00fcr.<\/p>\n<p>Zu Nickis \u00dcberraschung trat Tallis nicht in die Eingangshalle, als sie eine halbe Umdrehung gemacht hatten. Stattdessen schob er die T\u00fcr noch schneller an. Bei der zweiten Umdrehung hatten sie schon so viel Fahrt aufgenommen, dass Nicki nicht mehr sehen konnte, ob man ihnen befremdliche Blicke zuwarf. Bei der dritten Umdrehung wurde ihr allm\u00e4hlich schwindelig. Tallis schob weiter. Sie joggten jetzt um sich selbst. Endlich zog Tallis Nicki schwungvoll in die Eingangshalle.<\/p>\n<p>Das Licht schien f\u00fcr einen Sekundenbruchteil zu verwischen.<\/p>\n<p>Alle beobachten uns, durchschoss es Nicki. Tats\u00e4chlich herrschte ein L\u00e4rm und ein Trubel um sie herum, der eine Menschenansammlung verhie\u00df. Als sie sich umblickte, war jedoch kein einziger Student mehr zu sehen. Was daran lag, dass die Eingangshalle verschwunden war.<\/p>\n<p>Sie befanden sich nun in einer Art Kathedrale mit m\u00e4chtigen Portalen, hinter denen identische Kathedralen zu liegen schienen. Die steinernen Fassaden waren gr\u00fcnlich und schwarz angelaufen, als h\u00e4tte sich das R\u00e4ucherwerk von Jahrhunderten dort abgelagert. Darunter konnte man noch immer die gigantischen Engel erkennen, die ihre Schwerter durch die H\u00e4lse von Ungeheuern fegten oder Schilde gegen feuerspeiende Drachen hoben. In von S\u00e4ulen umschlossenen Nischen glommen Gem\u00e4lde aus Gold und verblassten Farben. An der Decke liefen s\u00e4mtliche Pfeiler in ein kompliziertes Geflecht zusammen, das den Eindruck erweckte, der Stein verwandle sich in eine weichere, flie\u00dfende Konsistenz. Dazwischen war Buntglas eingesetzt, das Festgelage, Jagdszenen und verschlungene Liebespaare zeigten.<\/p>\n<p>Die Gew\u00f6lbe waren voller Leute. Aufgeregt plappernde M\u00e4dchen standen herum und verursachten Staus, M\u00e4nner in Fr\u00e4cken und mit hohen Zylindern f\u00fchrten Damen am Arm, deren gepuderte Frisuren die Form von Schiffen hatten, eine Greisin lie\u00df sich den Weg von ihren Bodyguards freimachen. Kinder rannten johlend zwischen ihren Beinen hindurch und warfen Knallfr\u00f6sche. In einer Nische \u00f6ffnete sich ein Gem\u00e4lde und zwei lachende junge M\u00e4nner kamen heraus, umsp\u00fclt\u00a0[kommentierbar id=&#8221;33&#8243;]vom L\u00e4rm einer Jazzbar.[\/kommentierbar]<\/p>\n<p>Doch es herrschte nicht nur ausgelassene Stimmung. Nicki fing den verst\u00f6rten Blick eines Mannes in mausgrauem Anzug auf, den eine sch\u00f6ne Frau hinter sich her zerrte. Ein M\u00e4dchen, kaum \u00e4lter als Nicki, kauerte weinend vor einem Altar mit Kerzen. Unger\u00fchrt ging ein muskul\u00f6ser Mann an ihr vorbei, der einen ohnm\u00e4chtigen oder schlafenden Jungen in den Armen trug, und als Nicki ihm nachblickte, erschrak sie: Die Dreht\u00fcr, durch die sie gekommen waren, rotierte jetzt in einem Portal. Dahinter war <em>nichts<\/em>.<\/p>\n<p>\u201eGuck nicht zu lange in die kosmische M\u00f6glichkeits\u00fcberlappung, die ist blickschluckend.\u201c Tallis t\u00e4tschelte ihr die Schulter. Dieser st\u00e4ndige K\u00f6rperkontakt irritierte Nicki, aber ausnahmsweise war sie froh, dass er sie von der langsamer werdenden Dreht\u00fcr wegbugsierte. Das <em>Nichts<\/em>, in das sie geblickt hatte, blieb als Flimmern vor ihren Augen haften. Sie \u00f6ffnete den Mund, brachte aber nicht einmal ein Fiepen zustande.<\/p>\n<p>Die Welt. Einfach verschwunden. Der Logik ihrer Wahrnehmungen: jeglicher Boden entzogen. Das lie\u00df sich nicht nebenbei verkraften.<\/p>\n<p>Nicki grub die Finger in Tallis\u2019 Mantel. \u201eWo sind wir? Was ist das?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHab keine Angst. Wir sind in der Kanzlei. Im Schlund der Unterwelt, wie man so sch\u00f6n sagt. Du kannst zur\u00fcckkehren, wann immer du m\u00f6chtest.\u201c Er l\u00e4chelte sich Gr\u00fcbchen ins Gesicht, und obwohl sie wusste, dass dieses L\u00e4cheln nur darauf abzielte, sie zu beruhigen, funktionierte es. \u201eAu\u00dferdem bin ich doch verpflichtet, dich zu retten, schon vergessen? Dir kann also gar nichts passieren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNur wenn der Pakt g\u00fcltig ist.\u201c<\/p>\n<p>Er machte die Augen schmal. \u201eWenn du schlau w\u00e4rst, w\u00fcrdest du mir deinen Namen jetzt verraten.\u201c<\/p>\n<p>Sie ging gar nicht erst darauf ein. <em>Im Schlund der Unterwelt. <\/em>Die Leute ringsum mussten das wissen. Wie konnten sie dann so unbeschwert sein? Dabei kam ihr ein grauenvoller Gedanke: Waren sie \u00fcberhaupt Menschen?<\/p>\n<p>Nicki traute sich nicht zu fragen. Etwas in ihr wollte zusammenschrumpfen und welken, um sich nicht mehr an den Unm\u00f6glichkeiten ringsum zu schneiden. Doch Tallis f\u00fchrte sie schulterklopfend durch eins der Portale.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/In-der-Kanzlei.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-805\" src=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/In-der-Kanzlei-408x500.jpg\" alt=\"In der Kanzlei\" width=\"494\" height=\"605\" srcset=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/In-der-Kanzlei-408x500.jpg 408w, http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/In-der-Kanzlei-835x1024.jpg 835w\" sizes=\"(max-width: 494px) 100vw, 494px\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u201eJucitell!\u201c, rief eine schrille Frauenstimme.<\/p>\n<p>\u201eOh nein\u201c, murmelte er. Und lauter: \u201eSnesane, Zuckerb\u00e4ckchen!\u201c<\/p>\n<p>Aus der Menge l\u00f6ste sich eine bebrillte, dicke Frau in einem mittelalterlichen Samtkleid, das ihre Leibesmitte wie einen Schinken verschn\u00fcrte. Ihre Augen schienen hinter den Gl\u00e4sern vor Traurigkeit vergr\u00f6\u00dfert wie zwei \u00fcber die Ufer getretene Seen. Sie packte Tallis und vergrub ihn in ihrem m\u00e4chtigen Dekollet\u00e9.<\/p>\n<p>\u201eIch habe geh\u00f6rt, du hast mich in Frau La Psies Boudoir mit einem Menschen verwechselt? Dass du an mich denkst! Mir kam es schon so vor, als h\u00e4ttest du mich in letzter Zeit gemieden. Es geht mir so schlecht. Ich habe immer noch keine neue Dom\u00e4ne gefunden, diese scheu\u00dflichen Leute heutzutage &#8230; aber du scheinst ja immer noch auf Erfolgskurs zu sein. Die Dom\u00e4ne kenne ich gar nicht. Wunderh\u00fcbsch.\u201c Sie wickelte sich eine Str\u00e4hne seines Haars um den Finger.<\/p>\n<p>Er befreite sich \u00a0aus ihrer Umarmung. \u201eJa, wie hast du mich eigentlich erkannt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch rieche doch meine Tr\u00e4nen an dir. Oh Jucitell, ich laufe hier schon so lange herum und warte auf dich.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist ja \u2026\u201c Er lachte unruhig. \u201eReizend. Wie du siehst, bin ich in Begleitung: Das ist Nicki oder auch nicht. Nicki, Snesane, eine Brunnend\u00e4monin.\u201c<\/p>\n<p>Sie warf Nicki einen Seitenblick zu. \u201eNicki oder auch nicht \u2013 der Name ist ja keine Blase am Fu\u00df wert. Mit der hast du mich verwechselt? Ach, ich w\u00fcrde jede Dom\u00e4ne nehmen, du wei\u00dft ja, dass ich verzweifelt bin. Aber du kannst dir deine doch aussuchen. Was willst du mit der?\u201c<\/p>\n<p>Nicki l\u00e4chelte angespannt. Von jemandem, der nicht gerade mit Sch\u00f6nheit gesegnet war, h\u00e4tte sie mehr Nachsicht erwartet.<\/p>\n<p>\u201eWir m\u00fcssen weiter, Nicki muss morgen in die Schule. Snesane, wir sehen uns im Schneckenclub, ja?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWann?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch freu mich drauf, also, bis bald.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWann denn?\u201c<\/p>\n<p>\u201eBis dann, ich freu mich!\u201c Er winkte, als wollte er eine Fliege vertreiben, dann zog er Nicki durch ein Portal und dahinter durch noch eins. Snesane jammerte Unverst\u00e4ndliches.<\/p>\n<p>\u201ePeinlich, was aus alten Flammen werden kann\u201c, murmelte er. \u201eDabei war Snesane als Brunnend\u00e4mon mit Suizidgedanken als Essenz mal richtig beliebt bei den Menschen. Heutzutage sitzen aber kaum noch morbide M\u00e4gde und J\u00fcnglinge am Brunnen und spielen mit dem Gedanken, hinabzust\u00fcrzen. Deshalb nervt sie mich st\u00e4ndig mit Angeboten. Ich soll sie mit Realit\u00e4t f\u00fcttern, daf\u00fcr will sie mir dienen. Aber ich steh nicht auf servile Frauen.\u201c<\/p>\n<p>Das Gew\u00f6lbe, in dem sie sich nun befanden, unterschied sich kaum von den anderen, doch es herrschte nicht mehr so viel Gedr\u00e4nge. Stattdessen standen Leute vor hohen Pulten Schlange, die von unz\u00e4hligen langen Kerzen beleuchtet wurden. Zwischen den Pulten verloren sich Rolltreppen in unbestimmter Dunkelheit. Nicki bekam wieder das schwindelerregende Flimmern vor Augen, als sie hineinsah.<\/p>\n<p>Tallis ersp\u00e4hte die k\u00fcrzeste Schlange und reihte sich ein. Die Begegnung mit Snesane schien ihn beunruhigt zu haben; immer wieder blickte er sich um und fuhr sich durch die Haare, um sie in die gew\u00fcnschte Lage zu bringen.<\/p>\n<p>\u201eMit Realit\u00e4t f\u00fcttern, was hei\u00dft das? Mit Menschen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir wollen euch nicht futtern, wir wollen in euch sein. Sie will eine Dom\u00e4ne.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber sie hatte doch einen K\u00f6rper.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer war ja wohl totale M\u00e4ngelware. Und wahrscheinlich ist es auch ihr einziger. Wie gesagt, sie ist schon lange out.\u201c<\/p>\n<p><em>M\u00e4ngelware<\/em>. Nicki strafte ihn f\u00fcr dieses harte Urteil, indem sie sich abwandte. Snesane h\u00e4tte ihr leidgetan, w\u00e4re sie nicht so unversch\u00e4mt gewesen. W\u00e4hrend sie die Menge beobachtete, sp\u00fcrte sie wieder Panik in sich aufkommen. Die <em>Unterwelt<\/em>. Wie selbstverst\u00e4ndlich alle hier herumspazierten! Zumindest die meisten. Und die anderen, die verst\u00f6rt dreinblickten, sich an S\u00e4ulen festhielten oder wie auf der Flucht schienen, wurden so wenig beachtet wie Bettler auf einer Einkaufsmeile. Nicki senkte den Blick. Sie wollte, sie durfte jetzt nicht versuchen, das Ganze zu fassen. Sonst w\u00fcrde sie zitternd zu Boden sinken, und das half auch nichts. Stattdessen begann sie zu gr\u00fcbeln: \u00a0\u201eWarum wollt ihr \u00fcberhaupt K\u00f6rper haben? Die sind doch &#8230; l\u00e4stig.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSoll das ein Witz sein? Es gibt nichts Sch\u00f6neres als die materielle Welt! Echte K\u00f6rper f\u00fchlen sich einfach \u2026 sie <em>f\u00fchlen<\/em> sich <em>an<\/em>. Gar kein Vergleich mit der flie\u00dfenden Existenz in der Unterwelt.\u201c Er schauderte wohlig. \u201eNur daf\u00fcr nimmt man die ganze M\u00fche auf sich. Schau dich um. Es gibt etwa 7000 Flie\u00dfwesen, die praktisch unsterblich sind, dazu kommen noch rund 70000 kleinere Flie\u00dfwesen, die sich mal von uns abspalten,[kommentierbar id=&#8221;34&#8243;] mal mit uns verschmelzen[\/kommentierbar]. Und alle haben diverse Pakte mit Menschen und mit einander. Man verbringt sein halbes Leben mit Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen, aber das ist es wert.\u201c<\/p>\n<p>In kleinen Schritten gelangten sie an die Spitze der Schlange, bis nur noch ein aufgebrachter Mann vor ihnen war, der die Dame am Schalter beschimpfte. Die Dame lie\u00df es unger\u00fchrt \u00fcber sich ergehen. Endlich gab sie eine knappe Erwiderung, woraufhin der Mann sich Fl\u00fcche knurrend trollte. Tallis und Nicki traten vor.<\/p>\n<p>\u201eGute Schicht w\u00fcnsche ich!\u201c, sagte Tallis.<\/p>\n<p>Zwischen ihrer Stachelfrisur und dem Kragen der Bluse, der das geschminkte Gesicht pr\u00e4sentierte wie ein Kuchenteller ein Puddingt\u00f6rtchen, zeigte sich keine Gef\u00fchlsregung. \u201eName, Anliegen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJucitell Tallis, Klassifikation Inkubus, und Nicki oder so \u00e4hnlich, Mensch. Meine Partnerin hegt Zweifel an der G\u00fcltigkeit unseres Paktes, also wollen wir ihn einsehen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEinspruch oder Kontrakteinsicht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann eher Kontrakteinsicht.\u201c<\/p>\n<p>Die Pultdame begann mit langen Fingern\u00e4geln auf etwas einzutippen, das von unten nicht sichtbar war. \u201eDie Antragsstelle f\u00fcr Kontrakteinsicht befindet sich auf Ebene Ego-15-Z, Warteraum 46, der zust\u00e4ndige Kronzeuge, beziehungsweise seine Vertretung wird Sie aufrufen.\u201c<\/p>\n<p>Ein Zettel ratterte \u00fcber den Rand des Pultes. Die Dame riss ihn mit den Fingern\u00e4geln ab und hielt ihn Tallis hin.<\/p>\n<p>\u201eVielen Dank. Welche Treppe d\u00fcrf\u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch habe noch ein Anliegen\u201c, sagte Nicki laut. Sie hatte lange nach den richtigen Worten gesucht und keine gefunden \u2013 jetzt f\u00fcrchtete sie, ihre Chance zu verpassen. Sie sammelte ihren Mut. Tallis starrte sie an, auch die Dame am Schalter schwenkte ihren t\u00f6dlich gelangweilten Blick zu ihr her\u00fcber.<\/p>\n<p>\u201eIch m\u00f6chte sehen, in welche Pakte Canon verwickelt ist. Ich wei\u00df leider nicht, wie sein richtiger Name lautet, aber &#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eNur eigene Kontrakte k\u00f6nnen eingesehen werden. Ihr D\u00e4mon ist dazu verpflichtet, Sie wahrheitsgetreu und vollst\u00e4ndig \u00fcber s\u00e4mtliche Gesetze und Vorschriften aufzukl\u00e4ren, wenden Sie sich bitte in Zukunft an ihn, sie oder es. Der N\u00e4chste!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Die-Kanzlei.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-806\" src=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Die-Kanzlei-381x500.jpg\" alt=\"Die Kanzlei\" width=\"565\" height=\"741\" srcset=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Die-Kanzlei-381x500.jpg 381w, http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Die-Kanzlei-781x1024.jpg 781w\" sizes=\"(max-width: 565px) 100vw, 565px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Entt\u00e4uscht machte Nicki den Wartenden Platz und folgte Tallis zu einer Rolltreppe, wo er den Zettel vom Schalter in eine kugelf\u00f6rmige Maschine einf\u00fchrte, eine Kurbel drehte, sodass eine winzige Melodie erklang, und den Zettel am hinteren Schlitz wieder herauszog.<\/p>\n<p>\u201eWas war <em>das<\/em> denn gerade?\u201c, murmelte er. \u201eWer ist Canon?\u201c<\/p>\n<p>Nicki wich seinem bohrenden Blick aus, w\u00e4hrend sie eine Rolltreppe aufw\u00e4rts bestiegen.<\/p>\n<p>Aus den Stufen drang eine blecherne Kinderstimme: \u201ePassagiere: zwei. Destination: Ebene Ego-15-Z, Warteraum 46. Bitte festhalten.\u201c<\/p>\n<p>Tallis legte eine Hand auf das Gel\u00e4nder. \u201eIst Canon etwa dein Herzblatt? Na, so ernst kann es ja nicht sein.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWieso?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSonst w\u00e4rst du nicht f\u00fcr mich empf\u00e4nglich gewesen, oder?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSeh ich so aus als \u2013\u201c Sie verstummte, als sich etwas um sie herum zu ver\u00e4ndern schien.<\/p>\n<p>Das Licht der Hallen war hinter ihnen zur\u00fcckgeblieben. In der Finsternis schwebten andere Rolltreppen mit Leuten wie kreuz und quer gesponnene Spinnweben. Da fiel ihr auf, dass nicht alle von ihnen gerade herum verliefen. Einige Leute fuhren <em>kopf\u00fcber<\/em>.<\/p>\n<p>Kaum hatte sie das bemerkt, ging eine Welle durch ihren K\u00f6rper. Das Gewicht sackte ihr von den F\u00fc\u00dfen in die Schl\u00e4fen.<\/p>\n<p>Sie st\u00fcrzte.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mon dieu, schon die 10. Testlese-Woche, die Zeit geht weg wie Toastscheiben. (Eigentlich esse ich nie Toast. Ich sollte sagen: wie Buchweizensprossenbrotscheibchen.) Nur noch dreieinhalb Monate, dann erscheint der Roman. Bis dahin sind\u00a0aber noch einige Kapitel eurer Pr\u00fcfung zu unterziehen. Seid ihr gut ausgeschlafen, ungest\u00f6rt\u00a0und hochkonzentriert? Mit Hei\u00dfgetr\u00e4nken eurer Wahl versorgt? Ich hab jedenfalls meine kuscheligen neuen Socken an, von mir aus kann&#8217;s losgehen! (Socken sind die Hauptst\u00fctzpfeiler von Wohlgef\u00fchl und Selbstwertsch\u00e4tzung. 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