{"id":866,"date":"2014-11-30T10:54:41","date_gmt":"2014-11-30T09:54:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=866"},"modified":"2014-12-16T07:10:56","modified_gmt":"2014-12-16T06:10:56","slug":"13-testlese-woche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=866","title":{"rendered":"13. TESTLESE-WOCHE"},"content":{"rendered":"<p>Uhh\u00e4\u00e4rg, was f\u00fcr eine novemberliche D\u00fcsterfr\u00fch. Das hei\u00dft, perfektes Lesewetter! (Die Lautmalerei ist als wohliges G\u00e4hnger\u00e4usch zu verstehen. Alternativ als Zombieverwandlung durch Vitamin-D-Mangel.)<\/p>\n<p>Seid ihr bereit f\u00fcr das n\u00e4chste Kapitel NoN? Letzte Woche musste Nicki sich wieder im Alltag zurecht finden, nachdem sie von der Unterwelt erfuhr. Verdr\u00e4ngung stand nicht zur Option, denn abends fing sie Tallis vor ihrem Wohnhaus ab &#8211; in einer anderen Dom\u00e4ne, also g\u00e4nzlich anders aussehend. Was er nun von Nicki will und wie sie darauf reagiert, kommt heute raus. Wie immer bin ich sehr gespannt auf eure Meinung!<\/p>\n<p>Noch ein Wort zur Testlese-Aktion. Mir ist aufgefallen, dass nur noch vier\u00a0Kapitel bis zum Ende des ersten Teils fehlen. Wir haben tats\u00e4chlich schon mehr als 110 Buchseiten gemeinsam gelesen! Wenn wir durch sind, ist es auch allerh\u00f6chste Zeit f\u00fcr das Manuskript, in den Druck zu gehen, damit es rechtzeitig erscheinen kann. Die Zeit bis dahin werde ich noch mit entfallenen Szenen, Hintergrundmaterial und ein paar h\u00fcbschen Extras f\u00fcllen &#8211; es wird also keinen leeren Sonntag geben, keine Sorge!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Hinter Schleiern aus 000ern und 1111ern am Bildschirm klebend:<\/p>\n<p>eure Jenny<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\">.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Eine Nacht mit Victor Hugo<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">.<\/p>\n<p>Er vollf\u00fchrte eine schwungvolle Verbeugung. \u201eBestimmt lauern dir rund um deine Wohnung ein Dutzend Verehrer auf. Aber du hast richtig geraten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu \u2026\u201c<\/p>\n<p>Ihre Verwirrung lie\u00df sein L\u00e4cheln schrumpfen. \u201eIrritiert dich die Pigmentierung [kommentierbar id=&#8221;39&#8243;]meiner Haut[\/kommentierbar]?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein. Ich meine, ich wusste nicht \u2026 Wie viele K\u00f6rper hast du?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIn dieser Stadt? Nicht viele. Drei. Vier.\u201c<\/p>\n<p>Sie sp\u00fcrte, wie sich etwas in ihr dagegen str\u00e4ubte, diese Tatsache zu akzeptieren \u2013 wahrscheinlich ihre Vernunft. Sie k\u00e4mpfte sie nieder. \u201eWas, was machst du hier?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu wolltest mir doch erz\u00e4hlen, wer der Gl\u00fcckliche ist, der in der Unterwelt deine Rehe streichelt.\u201c Er fegte ein paar Bierdeckel von der n\u00e4chsten Bank und lie\u00df sich darauf nieder. Dann bef\u00f6rderte er zwei Dosen Litchisaft aus seinem Mantel, wovon er eine Nicki reichte. Er prostete ihr zu. \u201eIch habe seit Sonnenuntergang auf dich gewartet. Weil du nicht drangehst, wenn ich anrufe.\u201c<\/p>\n<p>Verdutzt nahm sie ihr Handy aus der Pullovertasche.<\/p>\n<p>\u201eUm Himmels Willen, [kommentierbar id=&#8221;44&#8243;]pack den Elektrokram weg[\/kommentierbar].\u201c Tallis nahm einen Schluck. \u201eIch habe dich im klassischen Sinne <em>angerufen<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie, auf dem Festnetz meiner Mutter?\u201c<\/p>\n<p>Weil sie ihn unverst\u00e4ndig anstarrte, \u00f6ffnete er ihre Dose f\u00fcr sie. \u201eNein, auch nicht auf dem Festnetz, Tochter des technischen Zeitalters. H\u00f6r das n\u00e4chste Mal einfach auf dein Herz.\u201c<\/p>\n<p>Sie erinnerte sich an das Gef\u00fchl, das sie in der S-Bahn \u00fcberkommen hatte. Und dass sie auf dem Heimweg wie eine Schlafwandlerin gewesen war \u2013 lag das nur an diesem \u201aAnruf\u2018? Sie nahm einen Schluck und verzog das Gesicht. Der Saft war reinster Zuckersirup mit Seifenduft.<\/p>\n<p>\u201eJedenfalls bin ich ganz Ohr. Wer ist dein Geliebter?\u201c<\/p>\n<p>\u201eCanon ist nicht mein Geliebter.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd doch nennst du ihn, wenn ich nach deinem Geliebten frage.\u201c Er prostete ihr zu. \u201eAlso, lass mich raten. Du bist ihm nachgeschlichen, weil er pl\u00f6tzlich so komisch war \u2013 weil du dachtest, er trifft sich mit einer anderen. Und so bist du in Frau La Psies Boudoir gelandet. Stimmt\u2019s? Klassische Geschichte. Die meisten freuen sich, dass ihr Geliebter nicht untreu ist, sondern besessen.\u201c<\/p>\n<p><em>Besessen<\/em>. Sie sah Canons Gesicht vor sich, die dunklen, klaren, konzentrierten Augen. Dass er nicht der war, f\u00fcr den sie ihn hielt, weil ein anderes Wesen in ihm nistete, erschreckte sie am meisten. Nicht einmal die Vorstellung von Tallis in ihr kam ihr so furchtbar vor.<\/p>\n<p>Tallis zog sie kurzerhand neben sich auf die Bank und streifte ihr den Rucksack von den Schultern. Es h\u00e4tte sie w\u00fctend machen sollen, dass er sich schon wieder herausnahm, sie anzufassen, aber irgendetwas daran missfiel ihr nicht. Nerv\u00f6s nahm sie noch einen Schluck Litchisaft. Er schmeckte wirklich grauenhaft.<\/p>\n<p>\u201eWie war dein Tag?\u201c, fragte er behutsam.<\/p>\n<p>\u201eAlso wir sehen uns jetzt t\u00e4glich, das ist dein Plan?\u201c<\/p>\n<p>Er schwieg eine Weile. \u201eIch wusste gleich, dass du ein Mensch bist. Flie\u00dfwesen haben ein Gesp\u00fcr f\u00fcr die, mit denen sie paktieren k\u00f6nnen. Uns verbindet etwas. Eine Seelenverwandtschaft. Deshalb war mir vom ersten Moment an klar, dass du mir geh\u00f6ren sollst.\u201c<\/p>\n<p>Sie sah ihn skeptisch an. Sollte sie sich dar\u00fcber etwa freuen?<\/p>\n<p>\u201eDu erinnerst mich au\u00dferdem an jemanden, den ich vor langer Zeit kannte.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu erinnerst mich an Anmachspr\u00fcche, die vor langer Zeit neu waren.\u201c<\/p>\n<p>Er grinste und breitete dabei unauff\u00e4llig die Arme hinter ihr aus. \u201eIm Moment w\u00fcrde ich dich am liebsten jede Nacht sehen. Aber keine Sorge, meine Schw\u00e4rmereien haben meist eine kurze Lebensdauer.\u201c<\/p>\n<p>Sie setzte ein L\u00e4cheln auf. \u201eDann muss ich mir doch kein Pfefferspray kaufen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSei einfach du selbst.\u201c<\/p>\n<p>Sie sah weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Plattenbau.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-871\" src=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Plattenbau-436x500.jpg\" alt=\"Plattenbau\" width=\"436\" height=\"500\" srcset=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Plattenbau-436x500.jpg 436w, http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Plattenbau-893x1024.jpg 893w\" sizes=\"(max-width: 436px) 100vw, 436px\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u201eNoch ein Tipp\u201c, sagte er. \u201eM\u00e4nnergeschichten t\u00f6rnen mich richtig ab. Erz\u00e4hl von deinem Herzchen Canon, dann wirst du mich schneller los.\u201c<\/p>\n<p>Nicki versuchte ihm mit einem kurzen Blick klarzumachen, wie fern es ihr lag, sich ihm anzuvertrauen. Aber zu ihrer eigenen Best\u00fcrzung stellte sie fest, dass sie wirklich das Bed\u00fcrfnis hatte, mit jemandem zu sprechen, der ihr glaubte. Und daf\u00fcr qualifizierte sich im Moment nur Tallis.<\/p>\n<p>Sie drehte die Dose in den H\u00e4nden und rang mit sich. Er wartete. Schlie\u00dflich nahm sie einen beherzten Schluck, seufzte und sagte: \u201eEr ist verschwunden. Irgendwas Schlimmes ist passiert. Ich war in seiner Wohnung und &#8230; da war lauter Blut. Und ein Zettel, auf dem TITANIC und Frau La Psie stand. Den Rest hast du mitgekriegt.\u201c<\/p>\n<p>Etwas in seinem Blick glomm auf. \u201eSieht er gut aus?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAussehen ist nicht f\u00fcr alle Leute <em>alles<\/em>. Selbst wenn du besser aussehen w\u00fcrdest als er, w\u00fcrde ich nicht automatisch \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eDass er mit mir nicht mithalten kann, ist klar. Ich frage, weil ich ihn vielleicht gesehen habe. Und an gutaussehende Menschen erinnere ich mich nun mal besser.\u201c<\/p>\n<p>Kurzerhand zog sie ihr Skizzenbuch aus dem Rucksack und zeigte ihm die Zeichnungen, die sie von Canon gemacht hatte. Auf dem S-Bahn-Sitz kauernd, in seine Arbeit vertieft.<\/p>\n<p>\u201eEr ist es tats\u00e4chlich\u201c, murmelte Tallis.<\/p>\n<p>\u201eDu kennst ihn?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas w\u00e4re zu viel behauptet. Ich hab ihn vor zwei Tagen gesehen. In den Zeichnungen ist er h\u00fcbscher als in echt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWo?\u201c, fragte sie atemlos.<\/p>\n<p>\u201eIn Frau La Psies Boudoir. Welcher D\u00e4mon in ihm steckte, kann ich dir aber nicht sagen. Und wir zwei sind auch nicht die einzigen, die das brennend interessiert.\u201c Er runzelte die Stirn, als glaubte er ihr nicht, dass sie wirklich ahnungslos war. \u201eMit welchem D\u00e4mon [kommentierbar id=&#8221;46&#8243;]dein S\u00fc\u00dfspatz[\/kommentierbar] auch im Bunde ist, er wird von m\u00e4chtigen Feinden gesucht. Er hat Frau La Psie get\u00f6tet.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicki starrte ihn verst\u00e4ndnislos an. Ihr Mund machte Sprechversuche, ohne dass sie es kontrollieren konnte. \u201eAber sie war doch \u2026 Ich hab sie doch gesehen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa klar, D\u00e4monen sterben ja auch nicht, wenn man ihre Dom\u00e4ne attackiert. Es kostet sie nur sehr viel Flie\u00dfendes Wort, die Dom\u00e4ne wieder zu reparieren \u2013 schlimmstenfalls so viel Flie\u00dfendes Wort, dass der D\u00e4mon zu schwach wird, um die Welt weiterhin zu betreten. Das ist der Sinn solcher K\u00e4mpfe: den Gegner zu schw\u00e4chen und letztlich in die Unterwelt zu verbannen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eErz\u00e4hl mir ganz genau, was passiert ist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs war irgendwann in der Nacht. Alle vergn\u00fcgten sich. Da erschien dein besessener Freund. Er muss ein Messer aus der K\u00fcche geklaut haben, damit schnitt er der s\u00fc\u00dfen Chinesin den Kopf ab. Wenn du w\u00fcsstest, wie viel Blut und Schleim in so einem Menschen steckt, u\u00e4\u00e4gh. Jedenfalls schleuderte einer von Frau La Psies weniger intelligenten Dienern den Angreifer durch ein Aquarium. Er flog aus dem Geb\u00e4ude. Das war sein Abgang.\u201c Er musterte sie aufmerksam. \u201eFrau La Psie ist ein so m\u00e4chtiges Flie\u00dfwesen, dass sie sich die Reparatur der Dom\u00e4ne locker leisten konnte. Susie Ma hat von dem ganzen Spektakel nichts mitbekommen, Ehrenwort.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd Canon?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch, der Junge. F\u00fcr den m\u00fcsste sein D\u00e4mon zust\u00e4ndig sein.\u201c<\/p>\n<p>Nicki umklammerte die Dose. Canon, wie er aus einem Geb\u00e4ude flog. Canon mit einem Messer &#8230; Nein, das konnte sie sich nicht vorstellen.<\/p>\n<p>\u201eHe, es ist doch niemand gestorben. Also, nicht wirklich\u201c, munterte Tallis sie auf.<\/p>\n<p>\u201eDas kann nicht sein.\u201c Ihre Stimme war fast ein Fl\u00fcstern. \u201eCanon w\u00fcrde nie &#8230;\u201c<\/p>\n<p>Tallis seufzte. \u201eOb die Dom\u00e4ne an den Taten des D\u00e4mons Mitschuld tr\u00e4gt, dar\u00fcber streiten Philosophen seit Jahrhunderten. Eins kann ich dir aber versichern: Man ger\u00e4t nicht zuf\u00e4llig an seinen D\u00e4mon. Gewaltt\u00e4tige Menschen ziehen gewaltt\u00e4tige D\u00e4monen an. Was dein Honigjunge im besessenen Zustand getan hat, muss er so oder \u00e4hnlich schon im n\u00fcchternen Zustand getan haben.\u201c<\/p>\n<p>Nicki sah immer noch Canon vor sich. Wie sie gemeinsam beschlossen hatten, keine Tiere mehr zu essen. Wie sollte jemand, der Tieren nichts zuleide tun wollte, einer Frau <em>den Kopf abschneiden<\/em>? Sie sp\u00fcrte, wie ihr w\u00fctende Tr\u00e4nen in die Augen schossen. Canon h\u00e4tte nie eingewilligt, seinen K\u00f6rper f\u00fcrs T\u00f6ten herzugeben, niemals. Ebenso wenig wie sie in den Pakt mit Tallis eingewilligt hatte. Er war ausgetrickst worden. Wie sie.<\/p>\n<p>\u201eAlles okay?\u201c, fragte Tallis vorsichtig. Weil sie ihm ihre Tr\u00e4nen nicht zeigen wollte und den Kopf gesenkt hielt, fuhr er fort: \u201eWei\u00dft du denn, wo dein Freund jetzt ist? Dann kannst du ihn ja selbst fragen, mit wem er paktiert. Wenn er dir gef\u00e4hrlich wird, bin ich zur Stelle.\u201c<\/p>\n<p>Sie erhob sich.<\/p>\n<p>\u201eWo gehst du hin? Ich dachte, wir machen noch was.\u201c<\/p>\n<p>Sie warf ihm einen argw\u00f6hnischen Blick zu. \u201eWas?\u201c<\/p>\n<p>Sein L\u00e4cheln hatte etwas Unversch\u00e4mtes. \u201eWir k\u00f6nnten auf ein Hochhaus schweben und die Sterne beobachten. Oder wir brechen in ein Hallenbad ein. Was immer du willst.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch kann nicht. Ich hab morgen eine Buchpr\u00e4sentation in Deutsch.\u201c<\/p>\n<p>Sein L\u00e4cheln rutschte in einen eher unvorteilhaften Gesichtsausdruck ab. \u201eIst dir eigentlich klar, dass ich weltweit Empf\u00e4nge, Partys, Premieren, Rendezvous, Dinner und Maskenb\u00e4lle habe sausen lassen, um die Nacht mit dir zu verbringen? <em>Maskenb\u00e4lle<\/em>!\u201c Wie zum Beweis zog er eine schwarze Vogelmaske aus seinem Mantel.<\/p>\n<p>Ihre unger\u00fchrte Miene bewegte ihn, seine Stimme auf Schlafzimmerlautst\u00e4rke zu d\u00e4mpfen. \u201eAch so. Ich verstehe. Keine Angst.\u201c Er setzte die Maske auf. \u201eIch werde dich sehr z\u00e4rtlich entjungfern.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch muss kotzen.\u201c<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich trat er einen Schritt zur\u00fcck und musterte sie sorgenvoll durch die schr\u00e4gen Schlitze. Offenbar konnte er diese Art von k\u00f6rperlicher Reaktion nicht mit seinem Verhalten in Verbindung bringen. Kopfsch\u00fcttelnd ging sie weg.<\/p>\n<p>\u201eWeil sie eine Buchpr\u00e4sentation in Deutsch hat!\u201c Er rang die H\u00e4nde, nahm die Maske wieder ab und lief ihr nach. \u201eIch hoffe, das Buch ist es wenigstens wert.\u201c<\/p>\n<p>\u201e<em>Der Gl\u00f6ckner von Notre Dame<\/em>. Von Victor Hugo.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas hast du gelesen?\u201c Er sah missmutig aus. \u201eDu bist meine Traumfrau.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs gibt auch eine Graphic Novel dazu, gezeichnet von Jean Bastide. Den ersten Band hab ich\u201c, sprudelte sie los, nur um schnell irgendwas hinterherzusagen. Gleichzeitig \u00e4rgerte sie sich, dass er sie mit seinem Gerede aus dem Konzept bringen konnte. <em>Entjungfern<\/em> hatte er gesagt. Nicki h\u00e4tte lieber eine Nacktschnecke in den Mund genommen als dieses Wort.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr Victor Hugo wurde ich noch nie versetzt. Aber er ist ein Rivale, den ich akzeptieren kann. Vor allem, weil er schon tot ist.\u201c<\/p>\n<p>Ein kleines, nerv\u00f6ses Kichern entrang sich Nicki.<\/p>\n<p>\u201eDann ist das wohl der Abschied.\u201c Er zerdr\u00fcckte die Dose, steckte sie sich in den Mantel und hielt ihr die Hand hin. Doch Nicki h\u00fctete sich davor, einzuschlagen.<\/p>\n<p>L\u00e4chelnd senkte er die Hand und trat vor sie, sodass sie stehen bleiben musste. Er roch nach Litschisaft. Die Ber\u00fchrung, als er ihre Wange k\u00fcsste, war so leicht, dass es vielleicht nur ein Atemzug war. \u201eBis dann.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWann?\u201c, fragte sie alarmiert.<\/p>\n<p>Er zuckte die Schultern und machte ein paar Schritte r\u00fcckw\u00e4rts, dann sprang er \u00fcber die Hecke, um zur\u00fcck zur Stra\u00dfe zu gelangen.<\/p>\n<p>\u201eHe\u201c, rief Nicki ihm hinterher. Er drehte sich um. Sie z\u00f6gerte. \u201eWas machst du jetzt? Mit der Nacht?\u201c<\/p>\n<p>Er l\u00e4chelte, w\u00e4hrend er weiterging. \u201eRumfliegen, Rum trinken, randalieren \u2026 [kommentierbar id=&#8221;47&#8243;]mal sehen[\/kommentierbar].\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Tallis-Dom\u00e4ne-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-870\" src=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Tallis-Dom\u00e4ne-2-444x500.jpg\" alt=\"Tallis Dom\u00e4ne 2\" width=\"444\" height=\"500\" srcset=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Tallis-Dom\u00e4ne-2-444x500.jpg 444w, http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Tallis-Dom\u00e4ne-2-909x1024.jpg 909w\" sizes=\"(max-width: 444px) 100vw, 444px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als sie in die Wohnung kam, stand ihre Mutter im Flur. Zum ersten Mal seit zwei Monaten trug sie etwas anderes als ihren Pyjama: Sie war aufgetakelt von den gef\u00f6hnten Haaren bis in die Spitzen ihrer Pumps und probierte vor dem Garderobenspiegel zwei verschiedene Halsketten an.<\/p>\n<p>\u201eWo warst du denn?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWo gehst du hin?\u201c, entgegnete Nicki.<\/p>\n<p>\u201eEinen Freund treffen. Er besitzt mehrere Boutiquen. Und dank meiner Erfahrung in dieser Branche \u2026\u201c, sie warf eine der Ketten auf die Vitrine und legte sich die andere um den Hals, \u201e\u2026 will er mich vielleicht anstellen. Dann ist deine Mami wieder eine Gesch\u00e4ftsfrau.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd dann gibt es wieder die guten Croissants aus der B\u00e4ckerei?\u201c<\/p>\n<p>\u201eCroissants haben viele Kalorien, egal ob die billigen oder die teuren.\u201c Ihre Mutter wuselte an ihr vorbei ins Bad. \u201e\u00dcbrigens hat vorhin ein Typ hier geklingelt und nach dir gefragt.\u201c<\/p>\n<p>Nicki, die fast schon in ihrem Zimmer war, erstarrte. \u201eWie hie\u00df er?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHat seinen Namen nicht gesagt. Er meinte, er w\u00fcrde unten auf dich warten.\u201c Sie streckte den Kopf aus dem Bad, w\u00e4hrend sie sich Ohrringe anlegte, und sah Nicki fragend an.<\/p>\n<p>\u201eKeine Ahnung, da war niemand. Muss einer von den Jungs aus der Nachbarschaft gewesen sein, die Klingelstreiche machen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAha. Wie seh ich aus?\u201c<\/p>\n<p>\u201e\u00dcbertrieben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEstella!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist Jugendsprache. Das hei\u00dft \u201ah\u00fcbsch\u2018.\u201c<\/p>\n<p>Es klingelte.<\/p>\n<p>\u201eRichard!\u201c Ihre Mutter sah sich hektisch um. \u201eMein Gott, wie sp\u00e4t ist es denn?\u201c Dann griff sie nach dem H\u00f6rer der Gegensprechanlage und sagte mit ver\u00e4nderter Stimme: \u201eGuten Abend. Ich muss nur noch meinen Puder einstecken und bin dann \u2026\u201c<\/p>\n<p>Sie hielt inne. L\u00e4ssig drehte sie sich um und ging ins Bad zur\u00fcck. \u201eNoch ein Klingelstreich f\u00fcr dich.\u201c<\/p>\n<p>Nicki hastete an den H\u00f6rer. \u201eJa?\u201c<\/p>\n<p>\u201eOh, hallo. Entschuldige, dass ich nochmal st\u00f6re. Ich hab mich nur gefragt, ob du mir f\u00fcr heute Nacht <em>Der Gl\u00f6ckner von Notre Dame<\/em> ausleihen k\u00f6nntest. Hab Lust zu lesen.\u201c<\/p>\n<p>Sie musste sich auf die Unterlippe bei\u00dfen, damit ihre Mutter nicht sah, wie sie l\u00e4chelte. \u201eIch bring\u2019s dir runter.\u201c<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Uhh\u00e4\u00e4rg, was f\u00fcr eine novemberliche D\u00fcsterfr\u00fch. Das hei\u00dft, perfektes Lesewetter! (Die Lautmalerei ist als wohliges G\u00e4hnger\u00e4usch zu verstehen. Alternativ als Zombieverwandlung durch Vitamin-D-Mangel.) Seid ihr bereit f\u00fcr das n\u00e4chste Kapitel NoN? Letzte Woche musste Nicki sich wieder im Alltag zurecht finden, nachdem sie von der Unterwelt erfuhr. Verdr\u00e4ngung stand nicht zur Option, denn abends fing sie Tallis vor ihrem Wohnhaus ab &#8211; in einer anderen Dom\u00e4ne, also g\u00e4nzlich anders aussehend. Was er nun von Nicki will und wie sie darauf reagiert, kommt heute raus. Wie immer bin ich sehr gespannt auf eure Meinung! Noch ein Wort zur Testlese-Aktion. Mir ist aufgefallen, dass nur noch vier\u00a0Kapitel bis zum Ende des ersten&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/866"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=866"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/866\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":873,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/866\/revisions\/873"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=866"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=866"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=866"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}