{"id":923,"date":"2014-12-28T16:24:26","date_gmt":"2014-12-28T15:24:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=923"},"modified":"2014-12-28T16:24:26","modified_gmt":"2014-12-28T15:24:26","slug":"lyrik-flashmob-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=923","title":{"rendered":"Lyrik-Flashmob #1"},"content":{"rendered":"<p>Wie versprochen geht es heute los mit der Offenlegung meiner und hoffentlich auch eurer weichen, austerigen Herzen von damals und heute &#8211; in lyrischer Form. (Wie sonst?)<\/p>\n<p>Es war ganz sch\u00f6n schwer, mich zwischen all den Gedichten aus meinem Ordner zu entscheiden, die sich in den letzten sechs Jahren angeh\u00e4uft haben. Sechs Jahre, weil ich damals wieder mit Lyrik\u00a0anfing, und zwar ziemlich ahnungslos.<\/p>\n<p>Darum ist eins der Gedichte, die ich heute ver\u00f6ffentlichen will, auch eins der ersten, die ich schrieb. Es handelt ganz konkret davon, warum ich mich \u00fcberhaupt an die Lyrik gewendet habe, n\u00e4mlich aus einer Schreibkrise heraus. Ich tat mich schwer, an meinem Roman zu arbeiten. Es f\u00fchlte sich an, als geh\u00f6rte das Romaneschreiben nicht mehr mir, als sei es das Mittel von Zwecken geworden, die andere Leute verfolgten. So hab ich mich in Gedichte zur\u00fcckgezogen.<\/p>\n<p>Das zweite Gedicht ist ein aktuelleres. Ich habe es ausgew\u00e4hlt, weil es thematisch \u00e4hnlich ist und von Nostalgie handelt, von einer Verkl\u00e4rung der Jugend. Lest selbst.<\/p>\n<p>Ich bin sehr gespannt auf eure Reaktionen und noch mehr auf die Gedichte, die ihr in den Kommentaren postet. Immerhin arbeiten wir hier an einem Lyrik-Flashmob!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2009:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/20120419_232900.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-925\" src=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/20120419_232900-391x500.jpg\" alt=\"20120419_232900\" width=\"391\" height=\"500\" srcset=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/20120419_232900-391x500.jpg 391w, http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/20120419_232900-801x1024.jpg 801w\" sizes=\"(max-width: 391px) 100vw, 391px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Drei Tage Klagen<\/p>\n<p>Tag1<br \/>\nNur einen Satz hab ich heute verf\u00fcttert<br \/>\nAn den stumpfsinnigen Goldesel Roman.<br \/>\nDa hockt er und glotzt verbittert. Ein Satz.<br \/>\nAus dem R\u00fcckgrat gedr\u00fcckter Lebertran.<br \/>\nAus Trotz lutsch ich Gedichte wie Honigwaben<br \/>\nUnd tr\u00e4um, meinen Schl\u00fcssel zu verschlucken<br \/>\nUnd mich an den Stra\u00dfenrand zu legen,<br \/>\nWange auf weich getretene Pflastersteine,<br \/>\nmir eine Krone aus Disteln und Plastik flechtend,<br \/>\nUm jedem Passanten, der kommt<br \/>\nMeine Weltall weite Liebe in die Hand zu geben,<br \/>\nGekratzt auf einen Zettel mit Reimen.<br \/>\nSo ein Leben h\u00e4tte ich gewollt.<br \/>\nDann w\u00e4r ich reich. Ein sinnlicher Esel<br \/>\nIn einer Welt aus Gold.<\/p>\n<p>Tag2<br \/>\nManchmal w\u00e4r ich lieber ein sterbender Wal.<br \/>\nZu Hass verdaute Langeweile schleift die por\u00f6sen Knochen der Zeit.<br \/>\nIch trinke und trinke den Brei aus Kreide: mein Jetzt ist f\u00fcr immer.<br \/>\nHeute Abend ist mir selbst das Atmen zuwider.<br \/>\nLieber als schreiben w\u00fcrd ich durch Finsternis treiben<br \/>\nGew\u00e4sser so steif und vor K\u00e4lte unfassbar<br \/>\nDass das Leben verstummt und sich selbst nicht begreift<br \/>\nUnd die Seele, die noch Worte spuckend ertrinkt<br \/>\nIn den fremden vier W\u00e4nden und der Kneipe ums Eck<br \/>\nin begehrlichen H\u00e4nden und jedem freundlichen Blick<br \/>\nnicht mehr vorwurfsvoll aufz\u00e4hlt, woran sie verreckt.<\/p>\n<p>Tag3<br \/>\nGro\u00dfe Fl\u00fcsse durchstr\u00f6men mein Herz<br \/>\nGraben Risse ins Fleisch<br \/>\nBei\u00dfen K\u00fcsse hinein<br \/>\nIm Rausch sp\u00fcr ich das alles nicht<br \/>\nWill zerrissen sein von lautlosen Pfeilen<br \/>\nSo muss es auch sein, sagen Frauen und M\u00e4nner<br \/>\nSie wissen wohl besser, was wichtig ist<br \/>\nIch werf meine Fische in die Gew\u00e4sser<br \/>\nWie silberne Sch\u00fcsse gehen sie unter<br \/>\nSchneiden Gedanken von ihrem Gewicht<br \/>\nDie einen ins Licht, das andere tiefer<br \/>\nKehren mit wenig, kehren niemals wieder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2013:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/20130609_210150.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-926\" src=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/20130609_210150-399x500.jpg\" alt=\"20130609_210150\" width=\"399\" height=\"500\" srcset=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/20130609_210150-399x500.jpg 399w, http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/20130609_210150-817x1024.jpg 817w\" sizes=\"(max-width: 399px) 100vw, 399px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stereogramme sammle ich, von hinten beleuchtet wie Honigtunke:<br \/>\nFeuchtes Auge erfreut sich an der Bildsequenz von Matrosenn\u00e4chten.<br \/>\nDa flackern die Gecken mit Winkeh\u00e4nden, ihre Wimpel entbl\u00e4ttern sich selbst<br \/>\nund die glockenvibrierende Trockenpflaume, schluck-schluck, in mir<br \/>\nwill ersaufen an so viel \u00dcberschussgl\u00fcck. Damals wuchs bei Bier und Mettwurst<br \/>\nwas aus den Kinderschuhen, sch\u00f6n wie Fliegen, wie Pr\u00fcgel m\u00f6gen, nur fester<br \/>\n\u00fcberspannen den Bogen, ein Traum wischt den n\u00e4chsten, Riesenrad \u2013 g\u00e4hn!<br \/>\nviel zu fade, Karussell dreht sich schneller, platzt Angst in Gel\u00e4chter<br \/>\nund der Zungenzipfel saugt mit Moschus sich auf. Blaue Kerls und die Liebchen<br \/>\nr\u00fclpsen Schw\u00e4rmereien wie hochprozentig gesprenkelte Schmetterlingsschw\u00e4rme \u2013<br \/>\nhastig, hastig, nach oben! Um sich gleich zu verknuspern an den K\u00fcssen unerreichbar<br \/>\ngedachter Birnen. So viel Asche in den Lungen, und es macht nichts, oder doch Popcornm\u00e4ulchen<\/p>\n<p>leckt ja: tats\u00e4chlich, die Jugend quetscht aus. Pl\u00f6tzlich war ich<\/p>\n<p>ein Brocken in faltigen Decken. Ich hab mich gemietet und fast vergessen.<br \/>\nFernsehen brabbelt seitw\u00e4rts. Taktloser Haarwuchs. Kehlkopfkrebst F\u00fchler ins Sichtfeld.<br \/>\nHinter H\u00e4userfronten, stur und Pappmach\u00e9, in gebuttert dicken Fensterscheiben<br \/>\nNoch ein Glimmen feuchtes Rosa am Schmelzen. Da ist es gewesen. Aber Reden<br \/>\nist Spiegeln in falschem Silber, noch leben hei\u00dft treiben, als w\u00e4r\u2019s f\u00fcr immer<br \/>\ndas L\u00f6ffellutschen, Schluchzen wie Schmatzen, an den schrecklichen Tagen<br \/>\ndie man gl\u00fccklich war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie versprochen geht es heute los mit der Offenlegung meiner und hoffentlich auch eurer weichen, austerigen Herzen von damals und heute &#8211; in lyrischer Form. (Wie sonst?) Es war ganz sch\u00f6n schwer, mich zwischen all den Gedichten aus meinem Ordner zu entscheiden, die sich in den letzten sechs Jahren angeh\u00e4uft haben. Sechs Jahre, weil ich damals wieder mit Lyrik\u00a0anfing, und zwar ziemlich ahnungslos. Darum ist eins der Gedichte, die ich heute ver\u00f6ffentlichen will, auch eins der ersten, die ich schrieb. Es handelt ganz konkret davon, warum ich mich \u00fcberhaupt an die Lyrik gewendet habe, n\u00e4mlich aus einer Schreibkrise heraus. Ich tat mich schwer, an meinem Roman zu arbeiten. 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