{"id":931,"date":"2015-01-04T10:50:38","date_gmt":"2015-01-04T09:50:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=931"},"modified":"2015-01-12T07:03:20","modified_gmt":"2015-01-12T06:03:20","slug":"17-testlese-woche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/?p=931","title":{"rendered":"17. TESTLESE-WOCHE"},"content":{"rendered":"<p>Es ist das letzte Kapitel. Wie schnell die Zeit verging!\u00a0Der\u00a0erste Teil von NoN endet hier und ich hoffe, ihr kriegt auch die anderen beiden Teile in die Finger, sobald\u00a0sie verf\u00fcgbar sind. Die Verlosung von 20 Exemplaren unter allen Kommentatoren steht noch bis Februar aus. Vielleicht kommt der eine oder andere von euch anschlie\u00dfend in die Leserunde mit, die zum Erscheinen des Romans stattfinden soll &#8211; ich glaube, auf lovelybooks.de. Details gebe ich bekannt, sobald ich sie kenne.<\/p>\n<p>Zwar h\u00f6rt das Testlesen an dieser Stelle auf, aber die kommenden Sonntage wird es noch viele weitere \u00dcberraschungen rund um NoN hier auf dem Blog geben &#8211; entfallene Szenen, Lesungen und anderen Krimskrams, um neugierige Nasen darin zu versenken.<\/p>\n<p>Nun aber zum Kapitel. Nachdem Nickis und Tallis&#8217; letzte Begegnung eher hakelig verlief (er unterstellte ihr Hingezogenheit, sie ihm, ein Lustmolch zu sein), verlassen wir nun zum ersten Mal Nickis Perspektive und folgen Tallis in die Nacht. Und dann gibt es eine echte Premiere: Eine Figur, die trotz dauerhafter\u00a0Abwesenheit omnipr\u00e4sent war, platzt nun endlich mit ziemlicher Unmittelbarkeit in die Wirklichkeit. Dreimal d\u00fcrft ihr raten, wer gemeint ist &#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Viel Vergn\u00fcgen w\u00fcnscht euch<\/p>\n<p>eine wehm\u00fctige Jenny<\/p>\n<blockquote><p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Erwachen in Albtr\u00e4umen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ging auf drei Uhr nachts zu. W\u00e4hrend Nicki schlief, wurde am anderen Ende der Stadt eine Opiumpfeife f\u00fcr Jucitell Tallis entz\u00fcndet.<\/p>\n<p>\u201eSie erinnert dich an jemanden, das ist ja r\u00fchrend\u201c, sagte Frau La Psie. Im d\u00e4mmrigen Schein der Papierw\u00e4nde verriet sich die Falschheit ihres L\u00e4chelns\u00a0nur am Klang.<\/p>\n<p>Tallis nahm einen tiefen Zug von der Pfeife. Dann lie\u00df er sich auf die Samtkissen sinken, verschr\u00e4nkte die Arme hinter dem Kopf und \u00f6ffnete den Mund. Die bemalte Decke des Alkovens, in den sie sich zur\u00fcckgezogen hatten, verschwamm hinter dickem, gelbem Qualm.<\/p>\n<p>Als die wasserfarbigen B\u00e4ume und Berge wieder sichtbar wurden, sp\u00fcrte Tallis bereits das Wohlgef\u00fchl des Schlafmohns, das sich \u00fcber seinen K\u00f6rper beugte wie der Schatten einer weichen Flut. Er schloss die Augen. In alle Ver\u00e4stelungen seiner Lungen schw\u00e4rmte der Rauch, rauschte durch seine Blutbahnen und quoll zwischen seinen Schl\u00e4fen zu prachtvoller, himmelweiter Ohnmacht auf.<\/p>\n<p>Leise wurde der Vorhang zur Seite geschoben und Frau La Psies h\u00fcbsche blonde Dienerin servierte ein K\u00e4nnchen schwarzen Tee mit Sahne. Tallis liebte Sahne. Man konnte sie zu allem essen. Er tunkte zwei Finger hinein und wollte sie zum Mund f\u00fchren, doch dann fiel ihm der Mund der Dienerin auf, der au\u00dfergew\u00f6hnlich sinnlich war, und seine Finger bewegten sich automatisch auf ihn zu statt auf seinen eigenen. Ein \u00fcberraschtes L\u00e4cheln wuchs unter der Ber\u00fchrung. Dann leckte sie die Sahne auf. Er sp\u00fcrte ihre Zunge und ihre Z\u00e4hne.<\/p>\n<p>\u201eGhora!\u201c, fauchte Frau La Psie.<\/p>\n<p>Mit einem Glucksen verschwand die Dienerin.<\/p>\n<p>Frau La Psie legte die Pfeife beiseite und schmiegte sich an ihn. Ihr b\u00fcgelglattes Haar kitzelte ihn am Hals. Er verga\u00df die Sahne und dachte an M\u00e4dchen. M\u00e4dchen! Ihre unz\u00e4hligen Auspr\u00e4gungen von K\u00f6rper und Charakter, die die Welt \u00fcber Jahrhunderte hervorgebracht und an ihn herangetragen hatte wie Muscheln an eine willkommen hei\u00dfende Bucht: lang und dunkel und klein und blond, mollig und zierlich, niedlich und anmutig, urvertraut und f\u00fcr immer r\u00e4tselhaft &#8230; Derselbe Zauber glomm auf dem Grund dieser vielen k\u00f6stlichen Unterschiede, und er entschl\u00fcsselte und verga\u00df ihn jedes Mal aufs Neue. Wie herrlich ihr Haar war, hell oder gelockt oder kurz, ganz egal &#8230; und der Duft ihres bebenden Atems, wenn sie ihm ihre Liebe gestanden, tausendfach, immer wieder dieselben unbeholfenen Worte wie unaufh\u00f6rlich kristallisierender Zucker &#8230; Ihre H\u00e4nde, lang und filigran oder kleiner als seine, zarte Pf\u00f6tchen &#8230; Ihre H\u00e4nde an ihm, wenn sie sich k\u00fcssten, aus ihren M\u00fcndern tranken in der rhythmischen Wiederholung der Generationen&#8230;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-933 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Opium-rauchen-469x500.jpg\" alt=\"Opium rauchen\" width=\"552\" height=\"588\" srcset=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Opium-rauchen-469x500.jpg 469w, http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Opium-rauchen-961x1024.jpg 961w\" sizes=\"(max-width: 552px) 100vw, 552px\" \/><\/p>\n<p>\u201eDenk blo\u00df nicht, dass ich dir schon verziehen habe\u201c, schnurrte Frau La Psie. \u201eWenn du mir gesagt h\u00e4ttest, dass du sie unbedingt haben willst, ja, dann h\u00e4tte ich sie dir \u00fcberlassen. Aber dieses Theater vor meinen G\u00e4sten, diese dreiste L\u00fcgerei!\u201c<\/p>\n<p>Er st\u00f6hnte, als sie ihn in den Oberschenkel zwickte. Fahrig suchte er ihre Hand, die auf Erkundungstour ging. \u201eIch wollte nichts anbrennen lassen. Gefahr funktioniert nun mal am besten, um M\u00e4dchen zu kriegen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGefahr, ja? Und ich dachte schon, deine Masche ist, einen in Ungeduld schmoren zu lassen.\u201c<\/p>\n<p>Endlich fand er ihre Hand und hielt sie fest. Sie hatte begonnen, an seiner G\u00fcrtelschnalle zu nesteln. Er hob den Kopf, um ihr ins Gesicht blicken zu k\u00f6nnen. \u201eIch rede von <em>M\u00e4dchen<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Sie riss ihre Hand los. \u201eIch nehme deine Entschuldigung nicht an\u201c, fauchte sie. \u201eEinmal machst du mir den Hof, dann schnappst du mir eine Dom\u00e4ne vor der Nase weg, dann entschuldigst du dich, dann l\u00e4sst du mich zappeln. Was <em>willst<\/em> du, Jucitell?\u201c<\/p>\n<p>Er l\u00e4chelte und hustete ein wenig, sodass sie vollends den Kopf von seiner Schulter nahm und sich aufsetzte.<\/p>\n<p>\u201eIch bin, was ich bin, s\u00fc\u00dfe Herrin. Du musst mir meine Natur schon verzeihen.\u201c<\/p>\n<p>Ihre schwarzen Augen fingen das sp\u00e4rliche Licht und b\u00fcndelten es zu winzigen Flammen. \u201eDann liebe mich. Ich will endlich wissen, ob es stimmt, was man sich erz\u00e4hlt.\u201c<\/p>\n<p>Er lie\u00df zu, dass sie sich \u00fcber ihn beugte und sein Gesicht und seinen Hals mit K\u00fcssen bedeckte. Als ihre H\u00e4nde hinabglitten, hielt er sie erneut fest.<\/p>\n<p>\u201eSag mal, der Kerl, der dich neulich gek\u00f6pft hat, wurde der schon identifiziert?\u201c<\/p>\n<p>Sie starrte ihn schwer atmend an. \u201e<em>Was<\/em>?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHat man seine Dom\u00e4ne gefunden? Gibt es irgendwas Neues?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein\u201c, sagte sie verst\u00f6rt. \u201eWarum?\u201c<\/p>\n<p>Er streichelte ihren Kopf. \u201eDu bist mir doch lieb und teuer. Au\u00dferdem &#8230; bin ich \u00fcberhaupt nicht in Stimmung. Ich bevorzuge eine menschliche Frau. Zumindest im Augenblick.\u201c<\/p>\n<p>Als sie sich aufrappelte, um zu gehen, landeten die Spitzen ihrer Schuhe nicht zuf\u00e4llig in seinem R\u00fccken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Susie Ma in der K\u00fcche ihres Restaurants zu sich kam, ohne sich auch nur daran zu erinnern, dass es einen geheimen Aufzug im K\u00fchlraum gab, verlie\u00df einige Kilometer entfernt ebenfalls ein D\u00e4mon den K\u00f6rper eines Menschen.<\/p>\n<p>Canon kam zu sich, als er rannte.<\/p>\n<p>Unvermittelt erwachte er in einer vor Anstrengung schmerzenden Gegenwart, wusste kaum, wer er war, geschweige denn wo und warum.<\/p>\n<p>Seine F\u00fc\u00dfe verhedderten sich, als h\u00e4tten sie mit dem Grund ihrer Hast pl\u00f6tzlich auch vergessen, wie sie sich bewegen sollten. Hart st\u00fcrzte er auf Asphalt, \u00fcberschlug sich und sah den Himmel vor\u00fcberziehen, der ebenso schwarz war.<\/p>\n<p>Asphalt. Er war auf einer Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Lichter trafen ihn, Reifen quietschten. Reflexartig hechtete er zur Seite und prallte gegen die Beine einer sp\u00e4rlich bekleideten Frau. Schimpfw\u00f6rter hagelten auf ihn herab, au\u00dferdem eine Handtasche. Um ihn tanzte ein Karussell aus grell geschminkten Gesichtern, Stimmen, dem Blinken von Ampeln, die von orange auf rot und gr\u00fcn schalteten.<\/p>\n<p>Als er aufstand, sah er im Flimmerlicht eines Clubs, dass seine Arme von Blut verklebt waren. Bahnen von Schwei\u00df fra\u00dfen sich durch das getrocknete Rot und schoben kleine, schwarze Kl\u00fcmpchen vor sich her.<\/p>\n<p>Frauen, die ihn sahen, stie\u00dfen erschrockene Schreie aus. Ein Mann in Lederjacke n\u00e4herte sich ihm, als w\u00e4re er ein gef\u00e4hrliches, in die Enge getriebenes Tier.<\/p>\n<p>Ohne zu z\u00f6gern rannte er los, floh in eine Seitenstra\u00dfe, bog in eine Gasse ab, dann in eine Toreinfahrt. Dort kletterte er \u00fcber eine Mauer, landete in einem Hinterhof zwischen M\u00fcllcontainern und trat dreimal hart dagegen, ehe seine Vorsicht seine Verzweiflung wieder \u00fcberwog. Nach Atem ringend, beinah schluchzend, legte er die Arme \u00fcber dem Kopf zusammen.<\/p>\n<p>In der Finsternis verschnaufte er.<\/p>\n<p>Und merkte erst jetzt, dass er etwas in der Faust hielt. Etwas Weiches. Feuchtes.<\/p>\n<p>Wankend trat er auf das Wohnhaus zu, bis der Bewegungsmelder die Lampe \u00fcber der T\u00fcr aufflackern lie\u00df. Im Licht drehte er den Klumpen hin und her.<\/p>\n<p>Es war eine Zunge.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Auf-Feldern-erwachen.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-935\" src=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Auf-Feldern-erwachen-480x500.jpg\" alt=\"Auf Feldern erwachen\" width=\"480\" height=\"500\" srcset=\"http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Auf-Feldern-erwachen-480x500.jpg 480w, http:\/\/www.jennymainuyen.de\/uploads\/Auf-Feldern-erwachen-983x1024.jpg 983w\" sizes=\"(max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><i>Hier zu sehen ist Canon in einer \u00e4hnlichen Situation, die fr\u00fcher stattfand als das eben Beschriebene, aber erst sp\u00e4ter von Canon erz\u00e4hlt wird. Klingt das kompliziert? Ich glaube, wenn man es liest, ist es nicht kompliziert :)<\/i><\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist das letzte Kapitel. Wie schnell die Zeit verging!\u00a0Der\u00a0erste Teil von NoN endet hier und ich hoffe, ihr kriegt auch die anderen beiden Teile in die Finger, sobald\u00a0sie verf\u00fcgbar sind. Die Verlosung von 20 Exemplaren unter allen Kommentatoren steht noch bis Februar aus. Vielleicht kommt der eine oder andere von euch anschlie\u00dfend in die Leserunde mit, die zum Erscheinen des Romans stattfinden soll &#8211; ich glaube, auf lovelybooks.de. Details gebe ich bekannt, sobald ich sie kenne. 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