Larmoyanz schlägt um (sich. Oder in etwas.)

Ich war lange nicht mehr hier. Der Blog fühlt sich an wie ein Zimmer, das ich gemieden habe, und dessen Wände sich kühler, lebloser anfühlen als zuvor, unergriffen von menschlichen Blicken. Das liegt daran, dass ich mich nach dem Erscheinen von NoN und einigen Lesungen so öffentlich fühlte, dass ich eine Weile gar nicht mehr darüber nachdenken wollte, dass diese Geschichte, dieser türenreiche Würfel aus dem Gebäude meines Innenlebens jetzt öffentlich ist, in den Händen von vielen.

Einerseits bin ich sehr interessiert daran, Leser zu treffen, andererseits ist es verstörend, dass sie Fremde sind, obwohl man mit ihnen doch so Intimes teilt. Eigentlich möchte ich jeden Leser mit Namen kennen, wissen, was er oder sie sonst noch liest und vielleicht selber schreibt. Aber dafür müsste ich entweder ein Monstergedächtnis und 72-Stunden-Tage haben oder so wenige Bücher verkaufen, dass ich einen Brotberuf suchen müsste. Irgendwas ist jedenfalls komisch, vielleicht sogar falsch am Publizieren von Geschichten, am Massenpublikum, an der Möglichkeit, viele zu erreichen, die als Einzelne ungreifbar bleiben.

Aber eigentlich wollte ich gar nicht so larmoyant herumfaseln. Vielmehr möchte ich erzählen, was sich in den letzten Wochen auf meinem Schreibtisch ereignet hat.

Nämlich sehr fragwürdige, teils ziellose Dinge. Ich habe einen alten Roman überarbeitet, einen neuen angefangen, auf Eis gelegt. Überlegt, ob meinem Schreiben ein Problem im Weg steht oder ob die Überlegung selbst schon das Problem ist. Mich gefragt, was ich eigentlich kann und ob dies mit dem, was ich will, überlappt. Heikle Fragen, auf die es viel zu viele Antworten gibt! Der einzige Ausweg bestand darin, etwas ganz anderes zu tun. Das hab ich dann auch. Wenn ich vorstellen darf, hier kommt HASSAN:

Hassan-Depression

 

Mit diesen vier Kästchen fing alles an. Hassan ist der negativste Mensch der Welt. Das schien mir ein tragfähiges Konzept, um die Welt in einem Comic zu verhandeln. (Anklicken zum Vergrößern.)

Hassan-Frau

 

Natürlich musste noch mehr über Hassans Persönlichkeit geklärt werden. Und sein/ihr Verhältnis zu Gott:

Hassan-Atheismus

Das war’s erstmal. Wenn niemand aufschreit, kommt bald und regelmäßig mehr von Hassan.

 

17 Comments

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17 Responses to Larmoyanz schlägt um (sich. Oder in etwas.)

  1. Yaiza

    Ich liebe die Bilder! Die ganze Idee ist so schön wirr und doch macht sie irgendwie Sinn. :) x

  2. Anh Thu

    Ich finde das Comic erschreckend genial. Vielleicht liegt das an meiner Faszination Negativen gegenüber, was eigentlich merkwürdig ist, weil gleichartige Ladungen sich abstoßen (sollten), aber ich bin wohl schon immer ein Paradoxon gewesen.

    Zu deinem Dilemma mit dem Kennenlernen deiner Leser würde mir spontan einfallen, dass man ein Wanderfreundschaftsbuch anlegen könnte, in dem die Leser die enthaltenen Fragen zu sich beantworten und ein Bild reinkleben. So lernst du uns in gewisser Weise schon kennen und musst dir die Fakten nicht merken, weil sie schriftlich festgehalten wurden und du bei Zweifeln immer wieder nachschlagen kannst.

    • Jenny-Mai Nuyen

      „Vielleicht liegt das an meiner Faszination Negativen gegenüber, was eigentlich merkwürdig ist, weil gleichartige Ladungen sich abstoßen (sollten), aber ich bin wohl schon immer ein Paradoxon gewesen.“
      Hahaha, das ist mal ein Satz! Mit dem Spruch kriegst du jeden Selbstmordgefährdeten vom Hausdach direkt ins nächste Eiscafé zum Date. ^^

      Ein Wanderfreundschaftsbuch? So was hatte ich früher tatsächlich. Oh ja, das wäre schön! Aber vermutlich wären die wenigsten bereit, es hier öffentlich auszufüllen. (Ich würde mir natürlich besondere Informationen zum Ausfüllen erdenken. „Das peinlichste Geheimnis über deinen Körper.“)

      • Anh Thu

        „[…] vom Hausdach direkt ins nächste Eiscafé […]“ Klingt ganz nach einem Superhelden. Finde ich eine aussichtsreiche Zukunft, vor allem weil der Arbeitsmarkt fur Superhelden sicherlich immer brummt. Ich ziehe es mal in Betracht. Ich brauche nur noch ein Cape und Strumpfhosen. Und Unterwäsche, die man in der Öffentlichkeit tragen kann.
        Wenn das mit dem Superheldsein nicht klappt, werde ich einfach Lebensberater. Jemand meinte nämlich einmal zu mir, dass der Beruf passend für mich wäre. Vielleicht meinte dieser Jemand damit, dass meine Negativität die eines anderen in etwas Positives verwandelt. Weil bekanntlich: negativ + negativ = positiv

        Ich dachte eher an ein richtiges Wanderfreundebuch, die man rumschickt wie so ein Wanderbuchpaket. Ich habe nie richtig die Fragen beantwortet und immer viel zu viel geschrieben. Auf deine Frage nach dem peinlichsten Geheimnis über meinen Körper würde ich wohl etwas antworten wie: „Eigentlich bin ich ein körperloser Alien.“ Oder: „Mein Körper verträgt keine Hitze. Wenn es zu heiß ist, fängt er an zu weinen.“
        Aber die Idee des Wanderfreundebuchs wäre gar nicht machbar, glaube ich. Finde ich eigentlich schade, weil mich schon interessiert, welche Menschen genauso Fans von deinen Büchern sind wie ich.

  3. chris dam

    „Irgendwas ist jedenfalls komisch, vielleicht sogar falsch am Publizieren von Geschichten, am Massenpublikum, an der Möglichkeit, viele zu erreichen, die als Einzelne ungreifbar bleiben.“
    Ein interessanter Gedanke von dir, der mir länger durch den Kopf ging. Ich bin mir nicht sicher, ob etwas falsch daran ist für ein Publikum zu publizieren, das du vielleicht nie kennenlernen wirst. Ein Buch ist im Grunde eine Bühne, auf der ein Autor seine Seele auftreten läßt, oftmals kostümiert, manchmal auch ganz unverstellt.
    Ich glaube aber, dass nichts falsch daran ist für ein „fiktives“ Publikum zu schreiben. Ich weiß nicht ob du den Autor Jonathan Carroll kennst. Er lebt in Wien und schreibt beeindruckende Bücher. Sein Roman „Wenn Engel Zähne zeigen“ hat mir durch eine schwere Zeit geholfen und ich hoffte, ihm irgendwann sagen zu können, dass sein Buch mich auf die Schultern nahm, als mir das Wasser bis zum Hals stand. Ich schrieb ihm eine kurze Nachricht auf Facebook und dachte nicht er werde antworten. Doch er bedankte sich herzlich dafür. Autoren wissen oft nicht, was ihre Geschichten bewirken können, während sie auf der Ideeninsel sitzen und einen neuen Tee kochen. :)
    Ich glaube, du solltest dir vielleicht keine Sorgen darüber machen, ob du für ein anonymes Massenpublikum schreibst. Deine Geschichten müssen nur von Herzen kommen und dir etwas bedeuten. Dann lässt man sie los wie die eigenen Kinder, die sich selbstständig bewähren müssen, die Welt verbessern und vielleicht ab und zu noch zuhause anrufen. ;)
    Du hast keine Pflicht jeden einzelnen deiner Leser persönlich kennenzulernen, das übernehmen deine Geschichten für dich.

    Liebe Grüße von Berlin nach Berlin!

  4. Chris Dam

    „Irgendwas ist jedenfalls komisch, vielleicht sogar falsch am Publizieren von Geschichten, am Massenpublikum, an der Möglichkeit, viele zu erreichen, die als Einzelne ungreifbar bleiben.“
    Ein interessanter Gedanke von dir, der mir durch den Kopf ging….Ich glaube aber, dass nichts falsch daran ist für ein Publikum zu schreiben, das du vielleicht nie gänzlich kennenlernen kannst. Ich weiß nicht, ob du den Autor Jonathan Carroll kennst, er lebt in Wien und schreibt großartige Bücher. Sein Roman „Wenn Engel Zähne zeigen“ handelt davon, in einer Welt, in welcher das Leben nicht von Dauer ist, das Leben trotzdem zu genießen. Schließlich ist es das Einzige, das real ist.
    Das Buch half mir durch eine sehr schwere Zeit und ich wünschte mir immer ihm irgendwie sagen zu können, dass seine Geschichte mich auf die Schultern nahm, als mir das Wasser bis zum Hals stand. Ich schrieb ihm eine kurze Nachricht auf Facebook und hätte nicht gedacht, dass er antworten würde, doch er schrieb zurück und war dankbar, denn Autoren wissen selten, was ihre Geschichten in der Welt so bewirken, während sie zuhause sitzen und sich einen neuen Tee kochen. :)
    Du solltest dir also vielleicht keine Gedanken um ein Massenpublikum machen. Die Geschichten sollten nur von Herzen kommen und dann sollte man sie gehen lassen, wie ein eigenes Kind, das selbst die Welt kennenlernen und verbessern muss und sich ab und zu mal zuhause meldet. Ich glaube du musst dich nicht für deine Leser verantwortlich fühlen. Deine Geschichten lernen sie für dich kennen. :)
    Liebe Grüße aus Berlin nach Berlin!

  5. Lissa

    … aber es liegt hier schon, und gelegentlich streichle ich den Einband und lese ein paar Seiten.. ;)

  6. Lissa

    Hallö und herzlich Willkommen bei den Menschen mit Schreibblockaden. Keine Sorge, ich kann euch versichern, man kann auch ganz prima alles in Frage stellen und verzweifeln ohne vorher einen Roman veröffentlicht zu haben ;)
    Frau Hassan finde ich ein bisschen befremdlich, aber das scheint ja ihre Bestimmung zu sein. In jedem Fall ein spannendes Projekt.
    Ich sage euch, das liegt alles am Frühling. Da muss man so lange warten, bis endlich die Nacht anfängt und man Ideen hat, dass es dann schon wieder so spät ist, dass man lieber schlafen will. Ähm ja, seeeehr logisch.
    Ich habe NoN immernoch nicht gelesen (tut mir furchtbar Leid) aber ich komme einfach nicht dazu ://

  7. Laurence

    Hallo Jenny,

    aber sonst geht’s dir gut? hahaha
    Ja, ich glaube ich kann genau nachfühlen, wie es dir geht (Da ich ja gerade mein eigenes Buch fertig gestellt und abgegeben habe.)
    Um dir zu zeigen, dass du nicht alleine bist:
    Was habe ich seit der Abgabe gemacht?
    Sehr fragwürdige und sehr ziellose Dinge.
    Eine paar Ideen zu einem Steampunk-Roman zusammen getragen. Teil zwei meiner Trilogie begonnen und wieder hingelegt.
    Alles Infrage gestellt und mir gesagt: Ist bestimmt Mist. Beides.
    Sinnlos verschiedene Dinge gekauft, in der Gewissheit, dass sie mich nur kurzweilig befriedigen.
    Der einzige Lichtblick: Das Lesen deines Buches. (Mit der Gewissheit, dass ich niemals so toll werde schreiben können, es aber vielleicht auch gar nicht muss…)
    So… und ich kann nicht mal zeichnen. *lol*
    Ich bin mir sicher: Die Überlegung, ob dem Schreiben ein Problem im Wege stet, ist bereits das Problem. (Geht mir just haargenauso.)

    In diesem Sinne: Das Ende eines Buches ist stets ein Neuanfang.
    Und du schreibst so wunderbar, dass du dir keinen Kopf machen musst. (Ich weiß, ist schwer ;-) )
    NoN ist übrigens zu meinem zweiten Lieblingswerk geworden, nach Nocturna ;-) (Die Rezension folgt heute Abend.)

    Ganz liebe Grüße
    Laurence

    PS: Der Comic ist … ich kanns nicht in Worte fassen *lol*

    • Laurence

      Mist, nu schaff ich die Rezi doch nicht mehr heute…

      • Laurence

        So, nun ist sie online :-) Und danke übrigens für die Danksagung am Schluss ;-) hihi
        Ich schreib später noch was in den drei Teilen hier im Block dazu :-) Ich fands sehr genial!!!

    • Jenny-Mai Nuyen

      Lieber Laurence,

      danke für deine aufbauenden Worte! Es stimmt schon, sich unproduktiv und verhindert fühlen ist meistens das größte Problem, das einem im Weg steht. Zugleich denke ich, ohne diese Negativität wäre ich viel zu unkritisch mit meinem Schreiben. Die Gefahr der Lächerlichkeit wäre dann lediglich aus meinem Inneren ins Äußere verschoben, und das kommt mir viel bedrohlicher vor. Na ja, genug Argumente für die Daseinsberechtigung von Ängsten findet man wohl immer…
      Übrigens: Steam Punk! Ja, ja und nochmals ja. Die Welt braucht mehr Steam Punk. Schreiben!

      • Laurence

        Negativität ist nicht gleich Negativität *Smiley-für-breites-grinsen*
        Naja, soll heißen: Ein gewisses Maß an Negativität mag schon gut sein, jedoch ist diese Negativität -> „Bei allen Göttern bin ich schlecht, ich kann ja überhaupt nicht schreiben!“ dann doch recht nervig beim Vorankommen eines Werkes.
        Die Gefahr der Lächerlichkeit. Hm, ich habe noch gar nicht darüber nachgedacht, ob ich oder Autorin sich lächerlich machen kann, wenn sie/er schreibt. Ich habe schon viele Bücher gelesen, teilweise auch welche „Ach du Liebe Güte, das ist erschienen?“, aber ich fand diese Bücher niemals lächerlich. (Ich glaube es wäre höchstens Peinlich, würde ich ein Tagebuch veröffentlichen… Gesetz den Fall ich hätte eins ;-) )
        Ja, Argumente findet man immer ;-) Also: Weg damit :-)
        Nach dem Buch ist vor dem Buch. (Schon wieder diese Phrasen) ;-)

        So, ich wünsche dir einen wunderbaren sonnigen und vor allem kreativen Wochenanfang.
        Ganz liebe Grüße
        Laurence

        PS: Jaaaa: Steam Punk ist cool! :-) *Breit-grinsend-und-Kopf-nickend-das-Schreibprogramm-geöffnet*

      • Laurence

        Huch… jetzt ist mein ganzer Komentar wech…

        • Laurence

          Also auf ein neues…

          Negativität ist nicht gleich Negativität.
          Soll heißen: Negativität im Sinne von -> „Oh je bei allen Göttern, bin ich schlecht. Ich kann ja überhaupt nicht Schreiben.“ ist dann doch recht nervig für das Vorankommen eines Werkes.
          Hm, ich habe noch nie darüber nachgedacht, ob ich oder AutoIn sich lächerlich macht, wenn sie/er ein Buch veröffentlicht. Ich habe viele Bücher gelesen, auch welche im Stil von „Meine Güte, wie konnte das veröffentlicht werden“, aber ich fand es niemals lächerlich. Und es ist doch banal zu sagen: „Das Buch ist doch lächerlich.“
          Hm… Ja, Argumente findet man immer wieder. Also: Weg damit! ;-)

          In diesem Sinne wünsche ich dir einen sonnigen und kreativen Wochenanfang
          Ganz liebe Grüße
          Laurence

          PS: Jaaaa, Steam Punk ist genial. *breit-grinsend-und-kopfnickend-das-Schreibprogramm-geöffnet*

  8. Georgiana Lavinia

    Hallo Jenny,ich freue mich etwas Neues von dir zu hoeren^^
    Die kleinen Szenen von Hassan sind echt witzig.
    Ich finde es schoen ,dass du eine neune Romanidee hast und wieder zu schreiben angefangen hast.
    Ich habe auch jede Menge Ideen die ich in einzelne Romane oder Trilogien umsetzen koennte,aber noch traue ich mich nicht auf Deutsch zu schreiben.
    Denn ich bin ein Auslaender.Trotzdem liebe ich Deutsch.
    Derzeitig schreibe ich ein Gedichtebuch auf Englisch und hoffe sehr ich kann es veroeffentlichen

    Viele Gruesse,
    Georgiana Lavinia Manolache

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