30. Mai 2014

Flucht in (M)Al(b)träume

Bestimmt kennt ihr das: Man hat so viele Dinge gleich dringend zu erledigen, dass man sich für nichts entscheiden kann – und dann in eine vollkommen andere Aktivität flüchtet. Für mich ist das der größte Luxus – unnütze Beschäftigungen, die man überhaupt nicht tun muss, aber absolut tun will.

Diese Woche ging es mir so. Ich hab eines Abends gar nicht gewusst, was ich nun lesen oder schreiben oder drucken oder aufräumen sollte, also hab ich alles sein lassen und gemalt.

Das Bild schien schon länger in mir zu sein, aber erst jetzt wusste ich, dass es wirklich da war – man muss mehrmals von einer Sache träumen, bevor man weiß, dass es eine Mitteilung des Unterbewusstseins ist und kein bloßes Schillern an der Oberfläche.

Unheimlich musste es sein. Wie fast alle Bilder bei mir. Sie kommen aus einem dunklen und geheimnisvollen Teich.

 

Am ersten Tag habe ich nur vorgezeichnet und ein bisschen Ölfarbe angesetzt:

Muttermund1

Es sollte ein stilles Bild werden, als würde man den Atem anhalten, in Erwartung, entweder einen Kuss oder einen Biss zu hören. Aber am nächsten Tag wollten die Farben etwas anderes:

Muttermund2

Ich bin schlecht im Untertreiben, vor allem wenn es um Emotionales geht. Stunden später sah es dann so aus:

Muttermund-3

Ganz schön dramatisch, ich geb ‘s zu. Anders kann ich mich dem Thema “Mütter und Mutterschaft” wohl nicht annähern. Der Baum will auch lieber weg von den kosmischen Sturmwolken.

Am dritten Tag hab ich das Bild  fertiggestellt. Oder sagen wir: weggestellt. Die Hände sind noch nicht so richtig toll, der Hautton stimmt noch nicht überall, einige Details schweben noch in Unerfüllung… aber um ehrlich zu sein, ich hab keine Lust mehr, weiter dran zu arbeiten. Denn es war ja meine Fluchtwelt, und sobald es sich wie Arbeit anfühlt, kann ich auch wieder was anderes tun…

Muttermund

 

geschrieben von Jenny-Mai Nuyen - Veröffentlicht in Blog

Kommentare

14 thoughts on “Flucht in (M)Al(b)träume

  1. Du hast es übermalt? Nein! Schade … ich mochte es sehr gern. Ich stimme Matius sehr zu. Es wäre das größte für mich, wenn ich mal irgendwann eines deiner Bilder in meinem Zimmer hängen hätte …

    1. :D Unmöglich ist es jedenfalls nicht. Wenn ich nur weiterhin dafür sorge, dass immer frische Leinwände in der Nähe sind, hab ich bestimmt irgendwann so viele Bilder in der Wohnung, dass ich welche loswerden muss.

  2. Ich find das Bild auch wirklich klasse, ob du Talent hast ist hier wohl keine Frage mehr :D natürlich hast du das!
    Genauso wie zum Schreiben! Auch ich muss sagen, dass ich an deinen Büchern noch mehr hänge, als an deinen Bildern, obwohl die auch ausgesprochen klasse sind!

  3. Hehe, macht doch nix. Ich “fasel” manchmal auch viel zu viel und viel zu lange über Dinge. Ich nenne es dann aber “sinnieren”. Und Nacktheit bzw. Haut ist doch ein schönes Thema, um drüber zu faseln und zu sinnieren.

    Aber dass du das Bild übermalt hast, ist ja echt schade. Vor dem nächsten Mal übermalen sag bescheid, da machst du lieber eine Fan-Verlosung (oder Versteigerung? ^^)

    1. Aber stell dir mal vor, die großen Leinwände nach einer Verlosung per Post zu verschicken… ein Albtraum. Ich hab mir vor kurzem riesige Leinwände bestellt und sie kaum durch das Treppenhaus gekriegt – letztlich nicht ohne die Hilfe der Typen, die immer mit Bier und Hunden vor meinem Haus herumlungern. (Nicht wegen mir. Nur aus Mangel an privateren Räumlichkeiten.) :)

  4. Krass. Ich find’ es wirklich imposant. Ein wenig verstörend und beeindruckend zugleich. Weil es einerseits realistisch gezeichnet ist, aber die Mutter trotzdem ein wenig surreal wirkt. Riesenhaft, eventuell auf Grund der Proportionen?!

    Hat das Bild einen Namen? Die Datei heißt ja Muttermund. Zufall?

    PS: Malst du die Bilder eigentlich nur für dich (und deine Bücher)?

    1. “Muttermund” ist kein Zufall. Ich fand es schon immer befremdlich, dass man (bzw. Frau) so was im Körper mit sich rumträgt. Und der Muttermund verursacht ja, glaube ich, bei der Geburt auch die größten Schmerzen, weil er sich weitet… gruselig das Ganze.

      Ja, die Bilder male ich nur so, zum Spaß. Keinen finanziellen Nutzen aus dem Malen zu ziehen, empfinde ich bisher eher als Luxus. Reicht ja, das Schreiben zu instrumentalisieren ;)

      1. Hm, hattest du nicht mal in einem Interview gesagt, dass du so spät wie möglich Kinder haben willst? Ich sehe da Parallelen (oder Gründe?) ;)
        Hat es eigentlich auch eine Bedeutung, dass in vielen deiner Bildern, die du hier veröffentlicht hast, Nacktheit eine Rolle spielt bzw. die dargestellten Protagonisten nichts anhaben?

        Hey, instrumentalisieren ist doch absolut ok, solange es keinem schadet! Also, falls du mal zu viele Bilder in deiner Wohnung hast, und nicht mehr weißt wohin, sag bescheid. ^^

        PS: Auch ich finde primär natürlich deine Bücher toll, aber vor allem das Bild hier und ein etwas älteres, was du hier auf deinem Blog “Dunkle Energie zieht Gravitation” genannt hast, gefallen mir!

        1. Interessante Frage! Nacktheit an sich ist in meinen Bildern weniger ein Thema. Aber die Abwesenheit von Kleidung ist meistens sehr wichtig, da Kleidung immer für eine Kultur und/oder Epoche steht. Was ich in meinen Bildern darstelle, soll aber nicht in der Realität verhaftet sein, sofern das möglich ist.
          Außerdem ist Haut wirklich sehr interessant. Ich male sie gern, weil so viele Farben darin schimmern: die roten und grünlichblauen Adern, das rosige Fleisch, die gelbe, ins oliv gehende Haut, die violetten Schatten… Schwarze Haut ist auch spannend, vor allem, wo die dunklen Pigmente an Lippen und Handflächen ins Helle münden. Du merkst, ich könnte ewig weiterfaseln. Spannendes Thema.
          Oh je, “Dunkle Energie zieht Gravitation” existiert nicht mehr. Hab’s übermalt. So sehr ich das Malen liebe, mit den Resultaten bin ich nicht gerade zimperlich…

  5. Wow ich bin begeistert von dem Bild. Ich male/zeichne auch und ich male intuitive und gerne aus dem Bauch und dem Herzen heraus. Genau das ist auf deinem Bild zu sehen. Gefühl und Phantasie. Bilder die so entstehen sind einfach genial. Ich habe zwar einen andere Art zu malen, aber dein Bild hat mich sofort angesprochen und mitgenommen.
    LG Manuela

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