16. TESTLESE… äh, HÖRWOCHE

So, nur noch ein Kapitel liegt vor uns, dann ist der erste Teil von NoN abgeschlossen. Technische Probleme bei den Kommentarfenstern machen es jetzt extra spannend, indem sie das Ende auf nächste Woche zwangsverlegen. Heute gibt es statt Text also was zu hören: nämlich eine Playlist, die Canon für Nicki zusammengestellt hat.

Beim Schreiben benutze ich manchmal auch Musik, um mich in die Figuren hineinzufühlen. Bei Canon stellte ich mir vor, dass er sich für alle möglichen Musikrichtungen interessiert und vieles durcheinander hört. Er ist immerhin stolz auf seine kulturelle Offenheit und würde sie vor Nicki bestimmt in Sachen Musik ebenso zur Schau stellen wie sein breitgefächertes Interesse an darstellender Kunst.

In den letzten Wochen hat es mir ziemlichen Spaß gemacht, mir zu überlegen, wie so eine Playlist aussehen könnte, die Canon Nicki gibt. Es müsste Musik sein, die einerseits Nicki einen Einblick in sein Innenleben gewährt – also von Besessenheit, Kontrollverlust, unausgesprochenen Gefühlen handelt – und andererseits auch ihren Geschmack trifft. Außerdem sollte es Musik sein, die man beim Bahnfahren hören kann, also melodische und rhythmische Lieder, die nicht zu experimentell sind. Den Mix gibt es hier auf youtube zu hören:

Ach ja, und weil ich es mir nicht verkneifen konnte, habe ich noch einen Song für Tallis hineingemogelt: der ultimative Soundtrack eines Lustmolches. Bin gespannt, ob ihr das Lied ausfindig macht…

 

Eure Jenny

P.S. Lyrik kommt heute auch noch :)

8 Comments

Filed under Nacht ohne Namen

8 Responses to 16. TESTLESE… äh, HÖRWOCHE

  1. Luc

    Hallo,

    Ein wenig off topic, aber ich wollte dir jetzt das Feedback zu Brick geben, den ich mir dank deiner ersten Empfehlung und sicherlich auch z.T. dank dem Soundtrack jetzt endlich angeschaut habe. Wirklich ein sehr, sehr spezieller Film. Und das ist gut so, denn ich LIEBE spezielle Filme*.

    Am Anfang fand ich es wirklich recht schwer in den Film hinein zu gelangen. Was ist ein Brick? Welches Problem könnte Emily haben? Warum sind alle so komisch drauf? Ich ertappte mich auch dabei ständig den Ton lauter zu drehen, und auch manchmal 20 Sekunden zurück zu spulen, weil ich irgendwie hoffte, den Film besser zu verstehen, wenn kein einziges Wort verloren geht. Viele Details machten anfänglich dann aber immer noch keinen Sinn ;-)

    Ein so richtig genial verwirrender Moment, über den ich erst einmal stolperte, war als Laura sagte: „Kauf ihr ein Pie“. Und Brian dann „Coffe and Pie, Oh My“ antwortete. Da brauchte ich einen kurzen Moment, bis ich begriff, dass das eigentlich der Name eines Lokals war. Das erinnerte mich sehr stark an das Beirut bei Ruth, ein Name über den ich auch erst einmal stolperte. Überhaupt: die anfängliche Schnitzeljagd nach einer etwas seltsamen, verschwundenen Person in welche der Hauptcharakter verliebt ist, zeigte wirklich sehr viele Parallelen zu Nacht ohne Namen…

    Ebenfalls genial fand ich den Moment, als Pin Brendan aus dem Keller raus ließ, und Pins Mutter ihenen dann Kaffe und Plätzchen servierte. Zu dem Zeitpunkt war man so in dem Film Noir drin, und sah Pin als großen Drogenbaron an, dass es wirklich befremdlich wirkte, als man sich wieder bewusst wurde, dass man eigentlich mit Jugendlichen zu tun hatte, die in die Schule gehen und bei ihren Eltern wohnen.

    Wie gesagt, mir geht es oft in Filmen so, dass ein guter Soundtrack eine sehr wichtige Rolle spielt. War der Film im ersten Moment sonderbar, kann ein richtig guter Soundtrack genau die Atmosphäre erschaffen, die einem sagt: ja, hier ist alles sonderbar, aber auf eine sehr epische Art und Weise. Mir gefällt es auch immer, wenn Filme nicht einfach nur mit einzelnen „Hintergrundliedern“ arbeiten, sondern der Soundtrack eine kleine Symphonie ist, in der z.B. wichtige Personen ihr Leitmotiv haben. Emilys Thema mit den Gläsern ist natürlich absolut genial. Und auch Lauras Thema, was so beruhigend wirkt und doch irgendwie auch leicht beängstigend, passt hervorragend.

    Und wenn wir schon bei Laura sind: Eine Leserin schrieb hier mal in Bezug auf Tallis, dass sie oft die Bösewichter viel interessanter findet als die guten. Nun, ich muss jetzt gestehen, dass Laura wirklich eine faszinierende Wirkung auf mich hatte. Immer freundlich, heikle Situationen deeskalierend, und dennoch ahnte man früh (ähnlich wie Brendon selbst), dass sie es faustdick hinter den Ohren haben könnte. Im Gegensatz zu Kara hatte sie nicht gleich „Femme Fatale“ auf der Stirn stehen, und dennoch war da die ganze Zeit irgend etwas an ihr, das die Alarm-Glocken klingeln ließ. Vielleicht gerade ihre nette Art, in einer derart verdorbenen Welt ;-)

    Ach übrigens: Am Anfang ging ich davon aus, dass Bricks irgendwelche wichtigen magischen Artefakte wären. Zuviel Fantasy gelesen?

    Also, noch einmal danke für den Film-Tipp! War super… und ich glaube ich muss ihn mir noch einmal anschauen; dann etwas entspannter ohne die Sorge, für die Handlung wichtige Details zu verpassen.

    * Noch eine Anmerkung zum Thema spezielle Filme: Ich liebe es, wenn Filme von Anfang an eine spezielle Atmosphäre haben, wo man merkt: hier ist vieles anders als gewöhnt, und vieles sehr episch. Dennoch sollten sie „aufgehen“. Das heißt auch wenn vieles am Anfang nicht ganz so leicht zu durchblicken ist, sollte man am Ende nicht nur mit offenen Fragen zurückgelassen werden, und sich immer noch verloren spüren.
    Vielleicht dann auch noch von mir drei Film-Tipps, die ich in diesem Zusammenhang empfehlen möchte: Big Fish, Sucker Punch und Tim Burton’s Corpse Bride. Einige davon kennst du womöglich schon… Gibt noch viel mehr, aber diese drei (obwohl sehr unterschiedlich) vielen mir jetzt spontan ein, und haben für mich so diese gewisse Atmosphäre. Besonders Big Fish ist ein Film, der mir auch im Nachhinein noch immer eine gewisse Lebensweisheit zurück ließ. Was bedeutet eigentlich ein erfülltes Leben? Wie sollte man sein eigenes Leben am Ende sehen?

    • Jenny-Mai Nuyen

      Luc,

      wow, eine komplette Filmrezension. Freut mich, dass der Film so eine Wirkung auf dich hatte! Man ist wirklich lange am Rätseln, was es mit dem Brick auf sich hat, und das macht den Film auch so spannend. Übrigens finde ich es auch immer ein bisschen enttäuschend, wenn das Geheimnis einer Geschichte auf Drogen, Sex oder einen Mord zurückzuführen ist, aber die Realität gibt irgendwie selten was Besseres her. Da lobe ich mir dich die Phantastik ^^
      Die Figuren sind alle Archetypen des Film Noir und trotzdem nicht leblos und zweidimensional, sondern voller Wirklichkeit. Ich mochte Brandon (Brendon?) so sehr wie du vermutlich Laura, weil er einerseits ein Nerd ist, andererseits unendlich cool, fast berstend vor innerer Anspannung und gleichzeitig absolut resigniert.
      „Sucker Punch“ habe ich vor langer Zeit gesehen und fand ihn seltsam und faszinierend. Das Ende war toll, weil unerwartet. Aber ich fand den Bösewicht irgendwie albern, er hatte gar kein richtiges Motiv, böse zu sein. „Big Fish“ hab ich nicht gesehen, das kommt gleich auf meine Liste!

  2. Anh Thu

    Okay, ich habe mir die Playlist auf mehrere Tage verteilt und möglichst dann, wenn meine kleine Schwester nicht in der Nähe war (um zu vermeiden, dass sie mich nochmal entgeistert die Nase rümpfend ansieht und fragt, was ich denn bitte schön höre – sind nämlich alles Lieder, die nicht zu meinem üblichen Musikstil gehören), angehört und tendiere zu Jill Scotts ‚Love Rain‘ als hineingeschummelter ultimativer Soundtrack eines Lustmolches. Schon beim Überfliegen der Titel hab ich es vermutet, war mir allerdings nicht sicher. Und bin es jetzt auch noch nicht. :>
    Die erste Strophe wird mit ihrer ersten Begegnung eingeleitet, wobei selbst auf die nichtigen Einzelheiten nicht verzichtet wird – ein Hinweis darauf, dass der Tag in Erinnerung geblieben ist und es wahrscheinlich immer bleiben wird – ein Hinweis auf tiefe Gefühle, die den Menschen veränderten. Auf diesem Gebiet müssen sich Lustmolche schließlich auskennen, sie gewinnen Herzen für sich, die sie später brechen, und wickeln ihr Opfer in einen Kokon aus Komplimenten ein. Dabei wird die richtige Balance zwischen Reden und Reden lassen gefunden („Listen to my past lives“, „Talked about Moses and Mumia“) Ein Don Juan/Schürzenjäger/Casanova/Gigolo/Lustmolch weiß seinen Lustobjekten die Sterne vom Himmel zu holen, Versprechungen zu machen, die wahnwitzig sind, was aber nicht weiter auffällt, denn er kann sich auf die Verblendung, welche mit Verliebtheit einhergeht, verlassen.  Er wächst an seinen Erfahrungen und bietet auf diese Weise hervorragende Liebhaber Qualitäten. („Better than love, we made delicious“)
    Nach und nach verliert das Ziel des Lustmolches an Kontrolle über sich und die ‚Beziehung‘. („And I could not see that he became my vodoo priest“)
    Es sieht nicht, wie sein Angebeteter langsam die Lust an seinem Objekt verliert. („And I couldn’t see the season changing“) Das Ende ist stets das Gleiche, so wie es sich für ein Lustmolch gehört.

    Ich fand, dass das Lied die Sicht eines Lustmolch-Opfers geschildert hat, was es damit zu einem Lustmolch-Soundtrack macht. Die locker flockige Musik vermittelt einem dasselbe Gefühl wie wenn man Trampolin springt. Man denkt, man würde fliegen, wäre schwerelos und nicht aufzuhalten. Sie passt zu Köpfen über den Wolken. Außerdem stellte ich mir dazu einen Typen mit lässigem Gang in Lederjacke an einem Motorrad gelehnt vor, einen Zahnstocher nachlässig im Mundwinkel und die Welt durch seine Sonnenbrille betrachtend. Und wie er durch die Straßen schlendert, durch sein gestylt-ungestyltes Haar fährt und jedes vorbeilaufende Mädchen ein typisches Badboy-Winken bestehend aus Zeigefinger und Daumen schenkt.

    Hoffentlich habe ich das schwarze Schaf in deiner, halt nein, Canons Playlist ausgemacht. Wäre das peinlich, wäre dem nicht so. :D

    Frohes neues Jahr übrigens :}

    • Jenny-Mai Nuyen

      Anh Thu, ich hab deinen Kommentar irgendwie total übersehen! Offenbar ist dafür gar nicht immer ein überreagierendes Anti-Spam-Programm nötig… natürliche Dusseligkeit reicht aus.
      Aber ich bin mit großem Vergnügen deinen Ausführungen gefolgt. „Love Rain“ ist in der Tat ein Lustmolch-Lied! Aber aus weiblicher Perspektive. Mir fiel das gar nicht so auf, weil ich bei dem Lied immer schon an die Auflösung dachte, wo die Liebesbeziehung als Trick oder Spiel begriffen wird. Du hast trotzdem Recht, es ist lustmolchig, nicht zuletzt weil die Liebe „regnet“ und Molche Feuchtigkeit mögen und … ich hoffe, das macht auch in deinem Kopf Sinn.
      Das Lustmolch-Lied, an das ich in der Playlist dachte, ist aber noch ein anderes. Soll ich es dir einfach sagen? Warte, ich schreib es ein paar Zeilen versetzt, dann kannst du hingucken, nur wenn du möchtest :)
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      Aaaalso, ich fand „Get with you/ Rather be with you“ von Questionmark Asylum unglaublich schmierig – auf eine gute und lustige Art und Weise!

  3. Luc

    Wow… Erst einmal: super Idee! Ich finde das echt genial, wie du bei dieser ganzen Aktion von deinem Buch ausgehst, und auf so vielen Kanälen und Wegen etwas zusätzlich auf einer Meta-Ebene drum herum entstehen lässt. Da gibt’s Hintergrundinformationen der Autorin, Diskussionen mit der Autorin, aber auch Diskussionen mit den anderen Leseren… Über das Buch selbst, und philosophisches (aber auch alltägliches) drüber hinaus. Dann gibt’s immer wieder was für die Augen mit deinen tollen Zeichnungen. Und jetzt auch noch was für die Ohren. Wo hat man das denn schon, dass in einem Buch eine Playlist erwähnt wird, und man diese auch tatsächlich anhören kann? Genial!

    Nun zur eigentlichen Playlist: Ich kannte davon eigentlich gar keine Künstler außer Xavier Naidoo, AIR und Jill Scott, von denen sich auch schon in meiner privaten Musiksammlung Titel befanden. Besonders letztere mag ich sehr! Und man kennt natürlich auch die Originalversion von „All I have to do is dream“. ;-)

    Ansonsten ist die Playliste für mich völlig unbekanntes Terrain, was sie natürlich sehr spannend macht. Sie ist auch wirklich extrem vielseitig und abwechslungsreich. Unterschiedliche Musikgenres, unterschiedliche Ansätze, mal die Musik im Vordergrund, mal der Text.Viele Titel sind wirklich SEHR exotisch. Einige treffen damit genau meinen Nerv, andere würden mich wohl eher nerven. ;-)

    Meine Favoriten:
    5. The Knife – High School Poem (interessante Gesangs-Stimme)
    7. Josh Martinez – Time Alone (tolle Stimmung mit Instrumental-Musik)
    19. Jill Scott – Love Rain (wie gesagt, Fan der Sängerin bin ich bereits… diesen Titel kannte ich aber noch nicht)
    22. FOXES – Youth (gute Sängerin, tolle Akustik-Version)
    23. Nujabes – Mystline (sehr entspannend und atmosphärisch)
    24. Air – Highschool Lover (ebenfalls sehr atmosphärisch)
    27. CocoRosie – Lemonade (da die Lyrics schon da standen muss ich zugeben, dass sie ebenfalls wie das Lied selbst sehr „interessant“ waren, ich sie aber nicht 100% „verstanden“ habe)

    Und auch die drei Titel aus Brick klingen wirklich extrem gut. Ich habe inzwischen die bestellte DVD hier liegen (hatte mich mir aufgrund deiner Empfehlung zugelegt), aber sie zu meine großen Schande bislang noch nicht angeschaut. Alleine schon die Musik-Titel motivieren mich jetzt aber noch mehr, das endlich nachzunehmen. Wirklich sehr vielversprechend! Im allgemeinen ist es tatsächlich so, dass ich oft bei Filmen, bei denen mich bereits in den ersten Minuten der Soundtrack anspricht, gleich denke: das ist bestimmt ein sehr epischer Film, der mich jetzt begeistern wird. Und das stimmt dann meist auch :-)

    Beispiele für Filme, in denen mich dir Musik immer wieder verzaubert sind z.B. Chocolat und Amélie Poulain. Oder auch mit Lyrics Tim Burtons Corpse Bride (englische Version). Wobei es noch dutzende weitere Film-Soundtracks gibt, die mich begeistern!

    Mal schauen, ob ich mir jetzt auch noch den einen oder anderen Song dieser Liste kaufen kann. Einige Titel sind vermutlich auch für iTunes zu exotisch ;-)

    • Jenny-Mai Nuyen

      Luc, ich freu mich vor allem, dass in der Playlist ein paar Lieder waren, die du noch nicht kanntest und die dir gefallen. Jill Scott habe ich erst vor kurzem entdeckt und fand den Text von „Love Rain“ und ihre coolen Sprechgesangseinlagen hinreißend. Gibt es ein Album von ihr, das du besonders empfehlen würdest?
      Cool, du hast „Brick“! Ich hoffe, er gefällt dir. Erzähl mir, wie du ihn fandest.
      „Time Alone“ von Josh Martinez gibt es vermutlich nicht auf iTunes, es würde mich wundern. Josh Martinez hat die Beats für Rapper gemacht, die ich jetzt nicht mehr namentlich kenne, und ich glaube, inzwischen macht er gar keine Musik mehr.
      „High School Poem“, „Heartbeats“ und „When I Grow Up“ sind von demselben schwedischen Musikduo, einem Geschwisterpaar, das früher The Knife hieß und später Fever Ray. Die Sängerin hat echt eine einzigartige Stimme, und ihre Texte sind immer außergewöhnlich lyrisch.
      „Lemonade“ von Coco Rosie erinnert mich ein bisschen an die Synthesizer-Klangteppiche von Fever Ray, aber leider macht Coco Rosie meiner Meinung nach nicht durchgehend gute Songs. Dieser eine gefällt mir aber durch seine verträumte, klebrige Nostalgie sehr.
      Die Originalversion von „Foxes“ ist guter, glitzernder Pop, lohnt sich auch mal reinzuhören.
      Nujabes („Mystline“) ist ein japanischer Hip-Hip-Musiker, der leider schon verstorben ist. Er hat am Soundtrack von „Samurai Champloo“ mitgewirkt, einer tollen Anime-Serie.

  4. Laurence

    Hallo,
    Das ist viel zu hören.
    :-)
    Ist teilweise nicht ganz so mein Geschmack. Aber zum Glück sind Geschmäcker ja verschieden ;-)
    In diesem Sinne einen guten Rutsch ins neue Jahr.
    Viele liebe Grüße
    Laurence

  5. Lissa

    Neununddreißig Lieder und ich kenne kein einziges davon! :o
    Na dann mal los ^^

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